- VonAndrea Kästleschließen
Seit zweieinhalb Jahren ist Verena Reithmann Bürgermeisterin in Icking. Im Interview mit unserer Zeitung spricht sie über zähe Sitzungen - und über Zukunftspläne.
Icking – Mobilfunk und kein Ende der Diskussion, die schwierige Regenentwässerung in der Gemeinde, verschiedene Gremiumssitzungen mit überraschendem Verlauf: Im dritten Jahr ihrer Amtszeit hat die Ickinger Rathauschefin Verena Reithmann (UBI) erfahren müssen, dass Lokalpolitik durchaus zäh sein kann. Ihre Freude am Job ist trotzdem ungebrochen, wie sie sagt.
Frau Reithmann, Sie sind jetzt seit zweieinhalb Jahren im Amt, nächsten Mai ist Halbzeit. Macht Ihnen der Job immer noch so viel Spaß wie am Anfang?
Icking: Bürgermeisterin Verena Reithmann im Interview - „Meine Freude an der Arbeit ist ungebrochen“
Ja, meine Freude an der Arbeit ist ungebrochen, die Vielfältigkeit dessen, was ich zu tun habe, begeistert mich nach wie vor. Hier zu arbeiten, mit dieser Arbeitsintensität, passt auch zu meiner Lebensphase.
Gibt es etwas, womit Sie bei Ihrer Tätigkeit im Rathaus nicht gerechnet haben, wovon Sie überrascht wurden?
Vielleicht habe ich nicht damit gerechnet, so viel mit persönlichen Angelegenheiten anderer Menschen zu tun zu bekommen. Auch wenn ich nicht immer helfen kann. Ich habe ja kein Vorzimmer, Telefonate werden gleich zu mir durchgestellt.
Die Sitzungen können sich in Icking ganz schön ziehen. Auch in der Hinsicht keine Ermüdungserscheinungen?
Nein. Für mich ist gar kein Raum für Müdigkeit. Wenn ich die Sitzung leite, stehe ich unter Spannung, ich will ja der jeweiligen Diskussion Impulse geben und sie zu einem Ziel bringen, ohne sie abzuwürgen.
Wie lang hat die längste Sitzung gedauert? Es folgt ja nach dem öffentlichen immer ein nicht öffentlicher Teil.
Gut ist, dass unser Geschäftsleiter seine S-Bahn erwischen und dann nochmals umsteigen muss. Damit ist vor Mitternacht zwangsläufig Deadline.
Gut ist, dass unser Geschäftsleiter seine S-Bahn (...) erwischen muss. Damit ist vor Mitternacht zwangsläufig Deadline.
Im Herbst gab es mal eine Sitzung, die schwierig war. Dabei ging es nur um einen Kriterienkatalog für PV-Anlagen. Wie geht es Ihnen nach einem solchen Abend? Auch UBI-Mitglieder haben den von Ihnen vorgeschlagenen Katalog angezweifelt.
Ich glaube, das war die schwierigste Sitzung im ganzen Jahr, die Kommunikation hat einfach nicht funktioniert. Ich hatte die Reaktion des Gemeinderats so nicht erwartet. Ich war mir sicher gewesen, dass ein solcher Katalog Sinn macht. Weil wir uns dann später, wenn es um konkrete Projekte geht, weniger zerfleddern.
Jetzt wurde der Katalog ja beschlossen, und der Gemeinde liegen auch schon drei Anträge für PV-Freiflächenanlagen vor. Wie stehen Sie zu denen?
Den Standort zwischen der Autobahn und Attenhausen finde ich auch zu nah am Dorf. Ursprünglich war dort ja nur ein 200 Meter breiter PV-Streifen neben der Autobahn geplant gewesen, den hätte ich befürwortet. Jetzt wird es schwierig. PV-Anlagen hört man übrigens, wenn sie richtig viel Strom produzieren und die Kühlung der Wechselrichter arbeiten.
Icking: Bürgermeisterin äußert sich zu Anträgen für PV-Freiflächenanlagen
Und die anderen Standorte, die an der B 11 und auf dem ehemaligen Geothermie-Areal?
Das Geothermie-Areal sehe ich kritisch, wenn wir auch Nebenanlagen wie Batteriespeicher oder Elektrolyseur für die Umwandlung in Wasserstoff dort errichten wollen. Das bekommt dann schnell etwas Industrieartiges. Das Grundstück an der B 11 halte ich für gut geeignet. Auch hier ist aber die Frage, wie und wo wir in welchem Umfang Nebenanlagen unterbringen.
In der letzten Sitzung im Jahr 2022 waren viele Attenhauser, die gegen den Standort beim Dorf sind. Stresst Sie so etwas?
Nein, und in dem Fall umso weniger, als die Betroffenen vorher bei mir im Rathaus waren. Alle wussten, dass wir noch keinen Beschluss fassen werden.
Hat der Gemeinderat heuer eine Entscheidung getroffen, von der Sie enttäuscht waren?
Im November hatten wir eine Umweltausschuss-Sitzung, zu der ich auch Landwirte eingeladen hatte – es sollte unter anderem darum gehen, mehr Obstbäume in der Gemeinde zu pflanzen. Dafür gibt es sogar Förderprogramme. Ein ausschließlich positiv besetztes Thema! Aber die Landwirte haben nur gemeint, sie würden sich auf ihrem Grund dafür nicht stark machen – und damit wollten dann wohl auch die Gremiumsmitglieder davon nichts wissen. Ich stand mit dem Wunsch alleine da. Ich konnte das überhaupt nicht verstehen.
Ein Beschluss, der Sie sehr gefreut hat?
Dass wir alle gemeindlichen Liegenschaften mit Raumlufttechnik ausgestattet haben. Und dass das Gymnasium angeschlossen wird an die Hackschnitzelanlage des Landkreises. Beides klingt nicht sehr spektakulär, ist aber wegweisend und in der Umsetzung eine Herausforderung.
Ein großes Projekt, das jetzt ansteht, ist der Bau der Turnhalle auf dem Grundschulgelände.
Wir wollen sogar eine Doppelturnhalle bauen, die das Gymnasium mit nutzt und der Landkreis mit zahlt. Das Projekt übersteigt das, was unser klein besetztes Rathaus leisten kann, deshalb werden wir einen Projektsteuerer einschalten.
Ein Problem Ickings ist die Regenwasserbewirtschaftung, die hat Sie heuer auch beschäftigt.
Wir bekommen hier zu spüren, was Nachverdichtung und vermehrter Regen ausmachen. Das Problem werden wir mit verschiedenen Kleinmaßnahmen auf Basis eines Gesamtkonzeptes lösen müssen. Und wenn irgendwo Straßen aufgerissen werden, heißt das ab jetzt, dass überlegt wird, dort auch Regenwasseranlagen anzulegen – so wie wir das am unteren Wenzberg gemacht haben.
Ickings Bürgermeisterin im Interview: „Der Mobilfunk ist weiterhin nicht mein Lieblingsthema“
Der Mobilfunk ist heuer als Thema auch wieder aufgeploppt, inzwischen ist die Ickinger Initiative gegen den jetzigen Standort, nicht mehr nur die SPD.
Der Mobilfunk ist weiterhin nicht mein Lieblingsthema. Ein Standort am Waldrand ist nicht möglich – und wäre nicht wirklich ökologisch, man müsste massiv in den alten Baumbestand eingreifen.
Noch kurz zu Corona: Was macht das Dorfleben in Icking?
Es ist spürbar, dass sich alle darüber freuen, dass das Leben wieder Fahrt aufnimmt. Wir hatten eine richtig schöne Maifeier im Frühjahr in Irschenhausen. Es gab wieder Konzerte. Der Ickinger Konzertzyklus konnte in Grundschule und evangelischer Kirche stattfinden. Froh bin ich auch darüber, dass der Seniorenmittagstisch wieder stattfindet – und eben nicht, was auch hätte sein können, eingeschlafen ist.
Was wünschen Sie der Gemeinde Icking für 2023?
Dass das, was Icking ausmacht, weiterhin spürbar bleibt: das Miteinander.
Und worauf freuen Sie sich im neuen Jahr?
Am meisten freue ich mich darauf, die Turnhalle aufs Gleis zu setzen und sagen zu können: Jetzt geht’s vorwärts.
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