VonCarl-Christian Eickschließen
Die E-Mail eines Grünen-Stadtrats an den Vize-Bürgermeister hat im Wolfratshauer Stadtrat einen heftigen Disput ausgelöst.
Wolfratshausen – Grünen-Stadtrat Rudi Seibt ist es in der Flößerstadt zu hell. Auf einer Radtour durch die Stadt, zu der der Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik die Presse eingeladen hatte, monierte Seibt wie berichtet unter anderem die Straßenbeleuchtung, die „fachlich nicht korrekt betrieben“ würde. Das führe zu einer „Überbeleuchtung“, die zum einen die Bürger belästige – und zum anderen eine Energieverschwendung darstelle. Nun hatte Seibts Fahrradtour ein Nachspiel im Stadtrat.
„Sie haben den Bogen überspannt“: E-Mail löst Disput im Wolfratshauser Stadtrat aus
Vize-Bürgermeister Günther Eibl (CSU) bat mit Zornesröte im Gesicht, dass seine Aussagen „als Wortprotokoll“ festgehalten werden. Anschließend warf er Seibt vor, „eine Grenze überschritten“ zu haben. Denn nachdem der Vize-Rathauschef die Kritik an der Straßenbeleuchtung als „subjektive Wahrnehmung“ zurückgewiesen hatte, habe er eine E-Mail von Seibt bekommen – die dieser in Kopie der Presse zur Verfügung gestellt habe. In dieser E-Mail, so Eibl, habe ihm der Grünen-Stadtrat unter anderem attestiert, nur über unzureichendes Faktenwissen zu verfügen. Mit dem Hinweis auf besagte subjektive Wahrnehmung begebe sich Eibl „auf ganz dünnes Eis“, zitierte der CSU-Politiker aus der E-Mail.
Grünen-Stadtrat habe E-Mail an die Presse „durchgestochen“
Eibl betonte, dass er mit Vorwürfen des politischen Wettbewerbers sehr gut umgehen könne – doch was ihn auf die Palme brachte: In der E-Mail, die Seibt an die Presse „durchgestochen“ habe, seien „vier Rathaus-Mitarbeiter namentlich genannt“ und kritisiert worden. Eibl verlangte in der Stadtratssitzung eine öffentliche Entschuldigung von Seibt.
„Sie haben den Bogen überspannt“, sekundierte Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) seinem Stellvertreter. Es sei das zweite Mal, dass ein Grünen-Stadtrat Mitarbeiter der Verwaltung öffentlich diskreditiert habe. Dr. Hans Schmid hatte vor einigen Wochen in einer öffentlichen Sitzung erhebliche Zweifel angemeldet, dass die Tourismusmanagerin der Kommune für „die Abwicklung“ des beendeten Surfwellen-Projekts fachlich qualifiziert sei. „Beim dritten Mal“, das kündigte der Rathauschef an, werde er solche Aussagen „von der Rechtsaufsicht überprüfen lassen“.
Wir brauchen keinen Nachhilfeunterricht, wie wir hier miteinander umgehen!
Seibt gab sich gelassen. Er habe in seiner E-Mail an Eibl nur darauf hinweisen wollen, dass er bei seinem Kampf gegen die Lichtverschmutzung und somit für den Klimaschutz von besagten Verwaltungsmitarbeitern „keine Unterstützung“ bekommen habe. Einen Grund, sich zu entschuldigen, sah Seibt nicht. Stattdessen wollte er eine Grundsatzdebatte über die Rechte und Pflichten eines Stadtrats lostreten – doch mit dem Glockenschlag um 21.30 Uhr platzte dem Vorsitzenden der SPD/FDP-Fraktion, Fritz Meixner, der Kragen: „Wir brauchen keinen Nachhilfeunterricht, wie wir hier miteinander umgehen!“
Rathauschef Heilinglechner machte Seibt schließlich noch einen Vorschlag, wie dieser seine politischen Ziele vielleicht schneller in die Tat umsetzen könnte: „Dann müssen Sie als Bürgermeister kandidieren.“ (cce)
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