Wolfratshausen

Lichtverschmutzung: So übertrieben leuchtet das nächtliche Wolfratshausen

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Erklärte am Marienbrunnen in der Wolfratshauser Altstadt die Wirkung von Lichtfarben: Grünen-Stadtrat Rudi Seibt. Er plädiert dafür, auf künstliche Beleuchtung wo und wann immer es geht zu verzichten.
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Energiesparen ist nicht alles: Der Grünen-Stadtrat Rudi Seibt prangert exzessive Beleuchtung in der Flößerstadt an. Dabei lasse sich viel auf einfachem Wege vermeiden.

Wolfratshausen – Die schon vor einigen Jahren begonnene Umrüstung von Straßenlaternen auf LED-Technik sowie das vom Bau- und Umweltausschuss des Stadtrats beschlossene Dimmen der Straßenlampen bei Nacht haben haben zu einer deutlichen Reduzierung des Energieverbrauchs geführt. Grünen-Stadtrat Rudi Seibt reicht das bei Weitem nicht. Er stellte bei einer Fahrradrundfahrt durch die Loisachstadt fest, dass es noch sehr viel Handlungsbedarf gibt.

Wolfratshauser Marienplatz: Übertriebene Beleuchtung von St. Andreas

Die Beleuchtung rund um die Kirche St. Andreas hält Seibt für übertrieben. „Nur 30 Prozent des Laternenlichts treffen die Kirche, der Rest geht daran vorbei“, meinte der Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik. Auch die Leuchtanlage über dem Zebrastreifen zwischen Gotteshaus und Rathaus strahlt nach seiner Ansicht zu stark. Seibt lehrt seit 2015 als Gastdozent an der Fachschule für Energie- und Umwelttechnik in München und erhielt 2019 den deutschen E-Planer-Preis. Seit drei Jahren engagiert er sich für die Initiative „Paten der Nacht“. Die in Deutschland und Österreich insgesamt gut 50 aktiven Mitglieder wollen Licht nur dort, wo es unbedingt gebraucht wird.

Energiesparen sei nicht alles: Der Grünen-Stadtrat Rudi Seibt prangert exzessive Beleuchtung in der Flößerstadt an. Dabei lasse sich viel auf einfachem Wege vermeiden.

Anhand von mitgebrachten Grafiken erklärte Seibt den anfangs nur drei Teilnehmern der Rundfahrt vorab die Bedeutung von Lichtfarben, die nach seinen Worten gemeinsam mit dem Hormon Melatonin den Schlaf des Menschen beeinflussen. So könne beispielsweise ein blauer Lichtkeil die weiße Strahlung von LED-Lampen erheblich beeinträchtigen. Susanne Moog vom Landesbund für Vogelschutz verwies in diesem Zusammenhang auf die Gefährdung von Tieren. So umkreisen Insekten und junge Vögel die Lichtquellen, bis ihre Muskelkraft verbraucht ist – und sie zu einer leichten Beute für ihre Fressfeinde werden.

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„Deutlich zu viel.“: Klares Ergebnis bei der Lichtmessung in der Berggasse

Kurz hinterm Schwankl-Eck schlossen sich einige Anwohner der Berggasse der Gruppe an. Das Lichtstärkemessgerät von Seibt stellte unter einer Laterne einen Wert von 19 Lux fest, an einem nahe gelegenen Fenster waren es noch 3,5 Lux. „Das ist deutlich zu viel, ein Lux würde ausreichen“, befand der Grünen-Stadtrat. Er empfahl den Anwohnern, sich bei der städtischen Klimaschutz- und Umweltmanagerin Vivian Horngacher zu melden. Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth und Grünen-Stadträtin Jennifer Layton wiesen auf die Einflussmöglichkeiten der Kommune hin. Die Stadt „kann von den Bayernwerken verlangen, dass das Licht gedimmt wird“, erklärte Heinloth.

Lichtmasten in der Sauerlacher Straße überragen Bäume: „Eine Halbierung der Höhe würde reichen.“

Vor dem Sparkassengebäude prangerte Seibt vor allem die Höhe der Lichtmasten an, die teilweise sogar die umliegenden Bäume überragen. „Eine Halbierung der Höhe würde genügen.“ Die Folgen wären „weniger Blendung und geringere Streuverluste in der Umgebung“. In den etwas weiter östlichen gelegenen Nebenstraßen wurde das vom Bauausschuss des Stadtrats beschlossene Lichtkonzept in Seibts Augen deutlich besser umgesetzt. Auf der Haid ist die Straßenbeleuchtung unter einem großen Baum integriert. An der Auenstraße stellte Seibt zufrieden fest: „Die seitliche Aufspreizung der LED-Lampen gewährleistet eine blendfreie Reichweite.“

Dekorative Außenbeleuchtung: „Sollte generell vermieden werden“

Der Grünen-Stadtrat appelliert an seine Amtskollegen sowie die Wolfratshauser Bürger, künstliches Licht nur zur Wegesicherheit und Orientierung zu nutzen. „Außenlicht zu dekorativen Zwecken sollte generell vermieden werden.“ Größere Bodenflächen sollten mit mehreren schwachen Lichtquellen statt mit einem einzigen sehr hellen Leuchtkörper bestrahlt werden. Dauerlicht, so Seibt, sollte im Sommer wie Winter spätestens um 22 Uhr abgeschaltet werden. Die Sorge, dass bei Dunkelheit mehr Straftaten wie Einbrüche begangen werden, ist laut Seibt unbegründet. Auch die Verkehrssicherungssicherungspflicht könne mit einer abgeschwächten Beleuchtungskraft gewährleistet werden.

Lichtexperte Seibt: Gesetze gebe es bereits - trotzdem sei noch viel zu tun.

Dass die bayerische Staatsregierung nach dem erfolgreichen Volksbegehren Artenschutz vor drei Jahren zwei Gesetze zur Vermeidung der Lichtverschmutzung im Freistaat erlassen hat, wertet Seibt als wichtigen Schritt. Dennoch gebe es auf kommunaler Ebene noch viel zu tun. Seibt rät den Wolfratshausern: „Es helfen das Gespräch mit dem Bürgermeister und den Stadträten sowie Anträge bei den Bürgerversammlungen.“

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