- VonEva Laglerschließen
Diskutiert wurde schon viel in Bad Aibling über den geplanten neuen Einkaufsmarkt mit darüberliegenden Wohnungen und auch einem Spielplatz „auf dem Dach“. Wie das genau aussehen soll, verdeutlichen die dem OVB vorliegenden Ansichten, die das Projekt von verschiedenen Seiten zeigen.
Bad Aibling – „Neuperlach-Flair“, ein „Klotz“, ein „Spielplatz auf dem Dach mit Alibifunktion“, „viel zu intensive Wohnbebauung“ – als der Aiblinger Stadtrat jüngst über das an der Ellmosener Straße geplante Projekt „Supermarkt mit darüberliegenden Wohnungen“ beriet, sparten einige Kommunalpolitiker nicht mit Kritik.
Da diese Art des Bauens in der Region Rosenheim noch wenig verbreitet ist und auch in der öffentlichen Sitzung keine Visualisierungen vorliegen, hat das OVB mit Planer Klaus Kunze einen tiefer gehenden Blick auf dieses Vorhaben der Oberbayerischen Hausbau GmbH geworfen – für das die vorbereitenden Maßnahmen bereits begonnen haben.
Das „Fundament“ bildet dabei der Einkaufsmarkt, bei dem seit Bekanntwerden der ersten Pläne schon gerätselt wird, um welches Unternehmen es sich denn handeln wird. Dazu schweigen sich die Verantwortlichen allerdings nach wie vor aus: So lange nicht alles komplett spruchreif sei, werde man sich dazu nicht äußern. Nur soviel: Es werde sich nicht um einen Discounter, sondern einen Vollsortimenter mit Getränkeabteilung und einer Bäckereifiliale handeln, für den drei Reihen überdachter Stellplätze zur Verfügung stehen.
Die insgesamt 53 Wohnungen, die über dem Verbrauchermarkt auf einer Fläche von insgesamt rund 2800 Quadratmetern entstehen, werden mit dem EOF-Programm (Einkommensorientierte Förderung zur Schaffung von Mietwohnraum in Mehrfamilienhäusern) errichtet. „Das Vorhaben an diesem Standort erfüllt alle dafür erforderlichen Kriterien, inklusive Barrierefreiheit“, betont Kunze, der froh ist, dass das Projekt noch in dieses Programm hineinfiel.
Denn mittlerweile seien die Fördertöpfe für sozialen Wohnbau leer, im Gegensatz zu Bundesländern wie Baden-Württemberg, in denen die Förderung gar um 100 Prozent aufgestockt worden sei. Und für Förderungen wie das Mitte 2024 ausgerufene „Wohnraum-Booster-Programm“ der Regierung von Oberbayern für Beschäftigte in Betrieben der Daseinsfürsorge gebe es erst ab 2027 Gelder.
Das Modell, über Verbrauchermärkten Wohnraum zu bauen, werde künftig auch in der Region Rosenheim Einzug halten, ist nicht nur Kunze überzeugt, dass das Aiblinger Projekt kein einzelnes sein wird. Fläche sei eine Ressource, die es zu schonen gelte. Im Aiblinger Fall orientiere sich die Höhe des Bauwerks an der Firsthöhe der gegenüberliegenden Berufsschule. Die Fassade wird laut Kunze zu mindestens 25 Prozent begrünt.
Spielplatz auf Höhe des ersten Stockwerks
Die Wohnungen würden in Holzbauweise errichtet, um die Traglast zu mindern. Da der gesamte Wohnbereich gestaffelt gebaut wird, sei auf dem Dach des Lebensmittelmarktes der besagte Spielplatz geplant, den die Bewohnerfamilien nutzen können. Sie entsprächen der neuen Bad Aiblinger Kinderspielplatzsatzung. Auf der einen Seite befinde sich der Bereich für Kleinkinder, auf der anderen Seite für Kinder bis zum Alter von zwölf Jahren.
Die Wohnungen seien über begrünte Laubengänge erschlossen und blickten alle auf die Kinderspielplätze. Diese würden begrünt und mit Bänken ausgestattet, sodass sie zudem als Treffpunkt für Familien genutzt werden können. Für Schatten sollen, so ist es auf den Visualisierungen zu sehen, Bäume in großen Pflanzkübeln sorgen.
Aktuell werden auf dem Areal die Haufwerke beprobt und etwaiges Kontaminationsmaterial zu den Deponien gebracht. „Das Grundstück wird komplett gereinigt, daran sind auch viele Gutachter beteiligt“, sagt Kunze. Auch was das Grundwasser angeht, gebe es zwei Entnahmestellen zur Beprobung, das Wasserwirtschaftsamt sei eingebunden.
„So bald wie möglich mit Bau beginnnen“
Ziel sei es, mit dem Bauvorhaben selbst dann im Mai oder Juni zu beginnen, wenn bis dahin alle erforderlichen Voraussetzungen geschaffen sein sollten. „Der Markt muss Ende Oktober 2026 fertig sein“, so Kunze, der im Übrigen davon überzeugt ist, dass man sich in Zukunft mit der an dieser Stelle geplanten Art von Doppelnutzung auseinandersetzen müsse. Denn: „Sogenannte ,stand-alone‘-Märkte, wie wir sie hier auf dem Land kennen, sollen zukünftig nicht mehr erlaubt werden, da diese viele Landressourcen verbrauchen, die mit einer Überbauung ökologisch und wirtschaftlich mehrfach genutzt werden sollen.“



