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Der Ickinger Gemeinderat wird eine Photovoltaik-Freiflächenlage in Attenhausen nicht weiterverfolgen. Eigentümer Markus Lamprecht stellt sein Grundstück auch nicht mehr zur Verfügung.
Icking – In einer Diskussion in der Sitzung am Montag zeigte sich, dass keiner der Gemeinderäte das Projekt auf dem Areal unterstützt, das hinter der „Schrauberei“ beginnen und sich bis zum Wegerl Kaltenbrunn ziehen hätte können. Der Eigentümer Markus Lamprecht, der die „Schrauberei“ betreibt, erklärte daraufhin, somit auch nicht mehr bereit zu sein, sein Grundstück einem Investor zur Verfügung zu stellen. „Mir ist der Friede im Dorf wichtiger“, sagte er nach der Sitzung.
Photovoltaik-Freiflächenanlage gescheitert: Schriftliche Stellungnahme von Attenhausern
Etwa 40 Besucher, mutmaßlich alle aus Attenhausen, verfolgten die Diskussion. Die Attenhauser hatten schon vorher eine schriftliche Stellungnahme abgegeben, der zufolge sie einen anderen Standort für eine PV-Anlage, nämlich den auf der Fläche, auf der die Geothermie-Bohrungen stattgefunden haben, akzeptieren würden. Ein Projekt Kaltenbrunn dagegen würde „unweigerlich das ganze Erscheinungsbild Attenhausens vernichten und das Leben eines Großteils der Bewohner erheblich beeinträchtigen“, teilten sie schriftlich mit.
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Entscheidungen traf der Gemeinderat nicht. Diskutiert wurde trotzdem, um ein „Stimmungsbild“ zu beiden Standorten sowie zu einer vom selben Investor beantragten Anlage an der B11 zu erhalten. Dabei zeigte sich, dass der Gemeinderat die ehemalige Geothermie-Fläche zur Erzeugung von grünem Strom mittragen würde und Kaltenbrunn nicht mehr infrage kommt. Beim Standort B11 ist sich das Gremium uneinig. Mangels ausreichender Informationen stimmte es nicht ab.
Tendenzen ließen sich aber heraushören. Demzufolge ist die Ickinger Initiative vehement dagegen, das Areal zwischen B11 und Bahn mit Solarpaneelen zu bestücken. Matthias Ertl und Uschi Loth von der PWG sprachen sich dafür aus. Die Grünen können sich auch vorstellen, auf der Fläche die Energiewende voranzutreiben. Die UBI war gespalten.
Ertl meinte: „Das wird zwar landschaftlich nicht schön, aber wir brauchen Flächen für die Energiewende“. Loth: „Die Lage hier ist nicht verkehrt, es sind keine Anlieger betroffen.“ Von der UBI wollten Georg Linsinger und Stefan Schneider den Standort „nicht von vornherein verteufeln“. Claudia Roederstein hingegen meinte: „Mir würde eine Anlage an diesem sensiblen Ort wahnsinnig wehtun.“ Laura Beckerath-Leismüller (Grüne) mahnte, das Ziel der Energiewende nicht aus den Augen zu verlieren. „Wir können uns den Luxus, den schönen Blick auf die Landschaft zu erhalten, nicht mehr erlauben“, betonte sie. Die Fläche sei „ideal“ für PV, „die Zeit drängt“.
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Die Ickinger Initiative argumentierte, man dürfe nicht immer noch mehr Ackerflächen opfern. Und: „Wir versündigen uns an der Landschaft, wenn wir das verwirklichen.“ Die Klimaneutralität müsse man mit mehr PV auf den Dächern erreichen.
PV-Anlage in Attemham: Erlass einer Veränderungssperre?
Die Diskussion wurde im Konjunktiv geführt: Keiner wusste, welche Speichergebäude in welcher Größe bei welchem Projekt unbedingt vonnöten sind. Bei der Ortsbesichtigung war an der B11 von acht großen Gebäuden (sechs mal drei Meter) die Rede gewesen, offenbar geht es aber auch kleiner. Und die Speichergebäude müssten auch nicht immer direkt bei den Anlagen stehen. Ebenfalls unklar war, inwieweit die Gemeinde einen schmalen Streifen PV entlang der Autobahn in Attenhausen verhindern könnte, obwohl ein solches Vorhaben innerhalb einer 200-Meter Zone privilegiert und ohne Genehmigung möglich wäre. Bauamtsleiterin Cornelia Zechmeister meinte, man könne unter Umständen eine Veränderungssperre erlassen, war sich aber nicht sicher.
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In der Sitzung war auch Florian Schönberger, dessen Unternehmen Vispiron Energy die PV-Anlagen für alle drei Grundstücke beantragt hatte. Nein, meinte er nach der gut zwei Stunden dauernden Diskussion, enttäuscht sei er nicht, er kenne so was schon. Ob sich für ihn auch nur eine Anlage in Attenhausen rentieren würde, was er erst immer verneint hatte, könne er noch nicht sagen. (Andrea Kästle)
