VonDieter Dorbyschließen
Die Lage am Harzberg in Miesbach ist verfahren. Nachdem im Dezember 2022 dort erneut an die 20 Bäume gefällt worden waren, steht nun der Schutz des Restbestands auf der Kippe.
Geplant war, acht nun am Rand stehende Bäume mit Tarnnetzen auszustatten, um sie vor ungewohnter Sonneneinstrahlung zu schützen und so schädliche Verbrennungen zu vermeiden. Die Kosten für die Tarnnetze wurden im November mit 10.580 Euro beziffert. Hinzu kamen für die nächsten zehn Jahre insgesamt rund 16.000 Euro für die jährliche Inspektion der Bäume und Tarnnetze.
Finanziert werden sollten diese 27.000 Euro zum Großteil über Spenden, die eine Bürgerinitiative zusammen mit der Interessengemeinschaft (IG) Fritz-Freund-Park gesammelt hatte. 20.000 Euro standen beim Stadtratsbeschluss im November zum Schutz der Bäume zur Verfügung; die restlichen 7000 Euro wollte die Stadt übernehmen. Doch unter dem Eindruck der Fällaktion im Dezember (siehe Kasten) hat sich die Sachlage grundlegend geändert: Die Spenden stehen nicht mehr zur Verfügung. Lediglich 8164 Euro werden weiterhin von zehn Spendern zugesagt. Damit müsste die Stadt nun rund 18 840 Euro übernehmen. Kippt damit das Schutzkonzept?
Bürgermeister: „Die Zeit drängt“
Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) stellte jetzt im Stadtrat klar, dass die Zeit drängt: „Im April wird die Sonneneinstrahlung stärker. Wenn wir etwas tun wollen, müssen wir jetzt handeln.“ Dass der Schutz enorm wichtig sei, bekräftigte Baumkontrolleur Anton Linsinger: „Schützt die Bäume, sonst schreitet der Sonnenbrand weiter voran.“ Die Tarnnetze seien dafür die beste Lösung.
Seemüller: „Ein Armutszeugnis“
Für Markus Seemüller (FWG) sei die ganze Entwicklung „ein Armutszeugnis“, er richtete seine Kritik an die „Spitze des Rathauses“. Die IG fühle sich schlichtweg schlecht behandelt – dies sei ein „trauriges Beispiel“ für fehlende Bürgernähe. Seit Frühjahr 2022 sei das Problem bekannt gewesen, und trotzdem habe man die Anwohner vor vollendete Tatsachen gestellt. „Beim Ortstermin hätte man ehrlich sagen sollen, dass der Hallenwald fallen wird.“ Dass Spenden nun zurückgezogen wurden, sei klar gewesen.
Sein Fraktionskollege, Anlagenreferent Michael Lechner, hielt dagegen, dass die IG „für fachliche und sachliche Fakten nur bedingt aufnahmefähig“ gewesen sei. Zudem sei der Hallenwald nicht Teil des Fritz-Freund-Parks und als Wald Aufgabe des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen.
Lechner plädierte dafür, die Maßnahmen durchzuführen, aber nur bis zu 7000 Euro Eigenanteil der Stadt. Auch gab er zu bedenken: „Mit den Netzen werden wir den Bestand nicht retten können, sondern sein Ende nur verzögern.“ Dennoch werde es ein Wald bleiben. Befürchtungen seitens der IG, dass dort doch noch gebaut werden könnte, hätten keine Grundlage.
Auch Zweite Bürgermeisterin kritisiert Vorgehen
Wie Seemüller kritisierte auch Zweite Bürgermeisterin Astrid Güldner (Grüne) den Umgang mit der IG: „Deren Engagement wurde mit Füßen getreten.“ Man habe Hoffnungen geschürt und trotzdem den Großteil gefällt. Auf Güldners Frage bestätigte Linsinger, dass der Restbestand wichtig sei, um wiederum die Bäume des Fritz-Freund-Parks zu schützen.
Alfred Mittermaier (CSU) betonte, dass man sich nur an die Experten gehalten habe. Dem stimmte Paul Fertl (SPD) zu, wenngleich er feststellte: „Der Hallenwald ist ein einziges Trauerspiel.“ Der Bürgermeister sei aber nicht der allein Schuldige. „Das wurde im Stadtrat entschieden.“ Manfred Burger (Grüne) schloss sich dagegen Lechner an: „Es wäre konsequenter gewesen, den Wald komplett neu anzupflanzen.“
Baumpfleger empfiehlt: „Der Linie folgen“
Linsinger sah sich in seiner Prognose bestätigt: „Die Wind- und Lichtverhältnisse haben sich geändert.“ Jetzt das Konzept für den Baumschutz aufzugeben, sei aber „nicht die richtige Aussage für die Bevölkerung“. Die Fällung habe zu viel Geld gekostet, um in drei Jahren wieder Bäume zu entnehmen. „Wenn man eine Linie hat, sollte man der folgen. Dann haben wir alles probiert.“
Dieser Weg überzeugte die Mehrheit. Mit sieben Gegenstimmen beschloss der Stadtrat, die Schutzmaßnahmen trotz der geringeren Spenden durchzuführen. Gespart wird bei der Kontrolle. Denn diese ist laut Linsinger auch nur alle zwei Jahre möglich.
Deshalb wurden überhaupt Bäume gefällt
Der Untergang des Hallenwalds am Harzberg ist ein Sinnbild für unglückliche Entscheidungen und Verkettungen. Wie berichtet, mussten dort im Rahmen der EU-Schutzvorschriften zum Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) im März/April 2020 als Vorsichtsmaßnahme gesunde Buchen entnommen werden. Dabei ist umstritten, ob diese Baumart tatsächlich als Wirtspflanze für den Schädling anzusehen ist.
In der Folge verzichtete der Stadtrat auf Maßnahmen, um die verbleibenden Bäume aus der Mitte des Bestands, die nun die schützende Randfunktion übernehmen mussten, zu schützen. Die Folge: Die neuen Randbäume wurden durch Sonnenbrand sowie Pilzbefall massiv geschädigt und wurden im Dezember 2022 gefällt. Rettungsversuche der Anwohner scheiterten allesamt.
ddy
