Spielt sein neues Programm „Alle machen, keiner tut was“

Christian Springer im KKK: Lektion in Sachen Menschlichkeit

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Kabarettist Christian Springer

Wenn Christian Springer von seinem Engagement für den Verein „Orienthelfer“ in Syrien spricht, geht das den Zuschauern unter die Haut. In dem neuen Programm des bekannten Kabarettisten beschäftigt er sich unter anderem mit der Definition von Werten.

Lenggries Es war nicht einfach nur Kabarett, mit dem Christian Springer am Sonntagabend auf Einladung des „KKK“ im Lenggrieser Brauneck-Hotel auf die Bühne trat. Es war vielmehr eine gleichermaßen lustige wie ergreifende Lektion in Sachen Menschlichkeit, die der Münchner Kabarettist seinem Publikum da schenkte.

Springer, bekannt aus Funk, Fernsehen und von der Bühne, hat eine Menge zu sagen, das weit über das übliche Derblecken hinausgeht. Weil seine Appelle über die „Werte“ in unserem Land aber sehr witzig sind und mit einer großen Portion Ironie verpackt wurden, fühlte man sich bestens unterhalten – trotz irrsinniger Geschichten, ernster Themen und den Schilderungen größter Not, erlebt aus erster Hand in Syrien.

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„Alle machen, keiner tut was“ heißt das Programm, mit dem Springer derzeit durch die Lande tourt. Und wenn er unterwegs ist, will er den Blick für die ganz anderen Wahrheiten schärfen, die hinter den Nachrichtenkulissen und über den eigenen Tellerrand hinaus plötzlich zu sehen sind. Er durchleuchtet das große Schlagwort „Werte“, das von Politikern jeglicher Couleur als Credo ausgerufen wird. Doch welche Werte sind wichtig? Der Blutdruck, das Cholesterin oder doch die Abgaswerte? Und auf welchem Platz stehen Mitgefühl, Respekt und Würde hierzulande? „Wenn’s im Hirn fehlt, kann man noch ein bissl was machen. Aber wenn’s im Herzen fehlt, geht gar nix mehr“, sagt Springer.

Großes Interesse: Viele waren gekommen, um Christian Springer wieder einmal im KKK zu sehen.

Wenn einer seinen Unmut über Unvermögen und Unsinnigkeiten in der Politik aussprechen darf, dann er. Neben seinem Kabarettjob ist Springer nämlich seit vielen Jahren unermüdlich mit seinem Verein „Orienthelfer“ unterwegs und versucht, die schlimmste Not der Menschen im kriegsgebeutelten Syrien zu lindern. Wenn er davon redet, berührt einen das zutiefst. Denn er erzählt Geschichten, die man sonst nicht zu hören bekommt, die keine Meldung mehr wert sind. Harter Stoff für die Bühne? Ja, vielleicht, aber so soll Kabarett doch sein: Das Entsetzen weglachen, die Wut veräppeln und Platz schaffen für die kleinen Leute, die von den „Großkopferten“ einfach verarscht werden.

Springers Talent, widrige Umstände zu komischen kleinen Geschichten zu machen, erfordert Mitdenken. Was harmlos wirkt, ist eigentlich zutiefst ironisch. Wo er scheinbar nur ein bisserl antippt, tun sich in Wirklichkeit Gräben auf.

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Würde man ihn fragen, Springer hätte jede Menge kreative Lösungen für Missstände aller Art im Gepäck. Beispielsweise den Schwammerlberater, der außerhalb der Saison auf Islamistenberater umschulen könnte, da es für einen Vollzeitjob einfach zu wenig echte Islamisten gibt, oder Strickzeug an Polizisten verteilen, denen wegen der historisch niedrigen Kriminalitätsrate langweilig ist. „I woaß schon, dass des a Schmarrn is‘“, sagt Springer, „aber im Vergleich zu dem. was die Politiker so beschließen...“

„Haben Sie manchmal den Mut einer Mimose“, empfiehlt er. Diese Pflanze lerne nämlich, sich nicht zusammenzuziehen, wenn sie keine Gefahr mehr wittere. „Bleiben Sie in gewissen Momenten auch einfach mal aufrecht stehen.“ Sein weiser Rat: „Nett sein zu den Menschen, die zu uns kommen.“ Schließlich sei es, mal geschichtlich betrachtet, die Verwandtschaft, die da vor der Tür stehe. (Ines Gokus) 

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