VonSascha Karowskischließen
Die energetische Sanierung bei Teilen des Wohnungsbestandes der Stadt würde wohl 5,7 Milliarden Euro kosten. Der SPD ist das zu teuer.
München - Die Stadt möchte rund die Hälfte der 68 000 Wohnungen von Gewofag und GWG energetisch sanieren. 35 850 Wohnungen sollen renoviert werden, bei rund 7800 Wohnungen eine Umstellung auf Fernwärme erfolgen. Die übrigen Gebäude sind neuer und haben noch keinen Bedarf. Die Frage ist nur, nach welcher Norm die Immobilien instand gesetzt werden sollen.
Stadt will Wohnungen für 5,7 Milliarden Euro sanieren: Grüne und SPD sind sich wegen Standards uneins
Die Verwaltung schlägt vor, bis 2040 möglichst nach den für die Wohnungen höchsten Standards, der Effizienzhausklasse 55 (EH55), zu sanieren. Bis 2040 sind dafür laut Beschlussvorlage bislang Kosten von 5,7 Milliarden Euro eingeplant, jährlich also 360 Millionen Euro. Die Verwaltung arbeitet aber wohl an einer neuen Kostenaufstellung.
Die grüne-rote Stadtratsmehrheit ist sich derweil uneins darüber, ob diese hohen Standards angewendet werden müssen. Grund sind eben die Kosten. „Eine generelle Festlegung auf den sehr hohen Sanierungsstandard EH55 sehen wir nicht“, sagt SPD-Fraktionschefin Anne Hübner. Die Stadt müsse in jedem Quartier einzeln hinschauen, was Sinne ergebe und wie am Ende möglichst kostengünstig und effektiv saniert werden kann. „Natürlich profitieren am Ende unsere Mieter irgendwann von niedrigen Nebenkosten, aber neben der Sanierung soll die Münchner Wohnen auch neue Wohnungen bauen“, sagt Hübner. „Auch dafür braucht es Geld und ausreichend Personal.“
Grünen-Chefin Mona Fuchs: „Kosten werden sich durch einen ambitionierten Energiestandard schneller amortisieren“
Derzeit laufen Verhandlungen zwischen den Fraktionen der Rathausmehrheit. Dem Vernehmen nach würden die Grünen dem von der SPD gewünschten Mieten-Stopp bei den städtischen Gesellschaften nur zustimmen, wenn die Genossen im Umkehrschluss für die Sanierung nach höheren Standards mitgehen. Beide Entscheidungen sollen kommenden Mittwoch (6. Dezember) im Planungsausschuss getroffen werden.
Grünen-Chefin Mona Fuchs sagte auf Anfrage unserer Zeitung: „In der Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden liegt das größte Potenzial zur Einsparung von CO2.“ Für die Stadt heiße das, Schritt für Schritt den Bestand ihrer Wohnungsbaugesellschaften zu sanieren. Angestrebt werde dabei, abhängig von den jeweiligen Bedingungen, der für Neubauten bereits geltende Energiestandard EH55. „Das erfordert hohe Investitionen, die zur Erreichung der Klimaschutzziele unabdingbar sind. Außerdem werden sich die Kosten durch einen ambitionierten Energiestandard schneller amortisieren, da mehr Energie eingespart wird“, sagt Fuchs.
Die Mieter müssten sich über hohe Kosten für die Modernisierung keine Sorgen machen, so Fuchs. „Denn die Stadt wird nicht nur den Mietenstopp verlängern, sondern auch die Begrenzung von Umlagekosten auf zwei Euro pro Quadratmeter innerhalb von sechs Jahren.“
