VonSascha Karowskischließen
OB Dieter Reiter und die SPD wollen den Mieten-Stopp bei städtischen Wohnungen verlängern. Außerdem soll wieder mehr gebaut werden.
München - Werner Pohl will sich keine Sorgen mehr machen müssen. „Wir waren mit der Miete immer zufrieden. Falls sie jetzt nicht mehr erhöht wird, würde ich mich sehr freuen“, sagt der 87-Jährige. Dann sei er sicher, dass er mit seiner Rente in München weiter leben kann. Seit 1981 wohnt Pohl an der Neustifter Straße in einer Wohnanlage der GWG. 2019 hatte der Stadtrat entschieden, dass die städtischen Wohnungsbauer GWG und Gewofag die Miete in ihren Häusern fünf Jahre lang nicht erhöhen. Diesen Mieten-Stopp wollen OB Dieter Reiter und seine SPD nun verlängern – „so lange, wie wir es uns leisten können“, sagte der Rathaus-Chef.
Mieten-Stopp für Wohnungen: Grüne sind sauer, weil SPD ohne Rücksprache an die Öffentlichkeit gegangen ist
Der Stadtrat muss noch zustimmen – in welcher Form, ist unklar. Grünen-Chef Dominik Krause sagt: „Wir freuen uns zunächst mal, dass die SPD unsere Idee, den Mieten-Stopp zu verlängern, aufgegriffen hat. Wir hätten uns aber mehr gefreut, wenn sie erst mal mit uns gesprochen hätte, bevor sie es öffentlich verkündet.“ Die Ausgestaltung sei nämlich noch offen. „Es gibt verschiedene Ansätze, über die wir reden werden.“
Aktuell verfügen GWG und Gewofag über einen Bestand von 70 000 Wohnungen mit rund 170 000 Mietern. Die Mieten liegen im Schnitt bei 7,92 Euro pro Quadratmeter bei frei finanzierten und 6,45 Euro bei geförderten Wohnungen. Zum Vergleich: Die Durchschnittsmiete im Mietspiegel beträgt 14,58 Euro. „Die Miethöhe ist für sehr viele Haushalte die wichtigste soziale Frage in unserer Stadt“, betont Oberbürgermeister Reiter.
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Mieten-Stopp für Wohnungen der Stadt München: Trotz weniger Einnahmen soll aber weiter gebaut werden
Wohnungen bauen sollen GWG und Gewofag aber auch. Und begeistert seien die Geschäftsführer daher nicht, dass sie auf weitere Einnahmen verzichten müssten, sagte Reiter. „Das gehört zur Wahrheit mit dazu.“ Doch die Wohnungsbauer müssten eben schauen, wo sie weiter sparen könnten.
Reiter hofft auf Synergieeffekte durch die Fusion. Wie berichtet, sollen GWG und Gewofag schon zum 1. Januar 2024 zur Münchner Wohnen zusammengelegt werden. Außerdem sei es wichtiger, neue Gebäude zu bauen, als bestehende teuer energetisch zu sanieren. Wohnungen würden zwar auch weiterhin modernisiert – aber „wir müssen die gesetzlichen Auflagen nicht noch übertreffen“.
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