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Ab Oktober bedient Weilheims Stadtbus auch Deutenhausen und Marnbach sowie die Gewerbegebiete Trifthof und Achalaich – probeweise für ein halbes Jahr. Der Testlauf für diese zusätzliche Linie 5 kostet die Stadt keinen Cent.
Weilheim – Mehr Bus ohne mehr Kosten: Diese Konstellation hat dem Hauptausschuss des Weilheimer Stadtrates die Entscheidung leicht gemacht. Einstimmig beschloss das Gremium am Mittwoch, ein halbes Jahr lang eine zusätzliche Stadtbuslinie auszuprobieren. Die Kosten dafür tragen die Stadtwerke Weilheim als Betreiber selbst. Sie verwenden dafür Gelder aus dem Treibhausgas-Quotenhandel: Pro Elektrobus erlöst das Kommunalunternehmen damit 12.600 Euro im Jahr, etwa von Mineralölkonzernen. Macht bei fünf Bussen insgesamt 63.000 Euro jährlich, die noch nicht anderweitig verplant sind, weil diese Regelung erst seit Anfang 2022 gilt.
Stadtwerke-Vorstand: Umfragen wenig aussagekräftig
Somit ist der geplante Probebetrieb bereits finanziert. Die neue Linie 5 bindet sowohl die Stadtteile Marnbach und Deutenhausen im Osten Weilheims als auch die Gewerbegebiete Trifthof und Achalaich im Süden an. Dass hier bislang keine Stadtbusse fahren, wurde des öfteren bemängelt. Stadtwerke-Vorstand Peter Müller will hier mit dem Zusatz-Angebot Abhilfe schaffen und zugleich „den tatsächlichen Bedarf ermitteln“. Denn Umfragen seien in dieser Hinsicht wenig aussagekräftig, so Müller im Hauptausschuss mit Verweis auf ein aktuelles Beispiel: Über 100 Unterschriften seien im Februar für die Haltestelle „Unterhausen-Kindergarten“ vorgelegt worden. Tatsächlich habe man nun in einem Erhebungszeitraum von 14 Tagen aber nur zehn Einstiege und elf Ausstiege an diesem Halt gezählt.
Besser als befragen sei also ausprobieren, meint der Stadtwerke-Chef. In diesem Sinne gibt es für die zusätzliche Linie 5 ein halbjährigen Probebetrieb vom 1. Oktober 2022 bis 31. März 2023. Der dafür nötige fünfte E-Bus ist bereits vorhanden; als Ersatzbus für sämtliche Linien fungiert dann ein dieselbetriebenes Fahrzeug.
Auch Polling könnte angebunden werden
Die Linie 5 soll vom Bahnhof aus einerseits über Achalaich zum Trifthof und wieder zurück fahren, andererseits über Deutenhausen nach Marnbach und wieder retour. Werktags wären sieben solche Umläufe möglich, am Wochenende und an Feiertagen sechs. „Bei einem passenden Umlaufbeginn am Bahnhof könnte der Bus auch eine noch bestehende zeitliche Lücke auf der Verbindung Bahnhof-Unterer Graben füllen“, so Müller. Aktuell wird abgestimmt, wie insbesondere die Fahrten von und nach Marnbach in das schon bestehende, aber taktfreie RVO-Angebot auf dieser Strecke integriert werden können.
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Auch Polling könnte an die Linie 5 des Weilheimer Stadtbusses angebunden werden (ebenfalls mit Halt in Achalaich); von der Gemeinde steht eine Entscheidung darüber aber noch aus. Bis 30. Juni habe Pollings Rathaus Zeit, ansonsten sei der Klosterort –der sich finanziell beteiligen müsste – beim Probebetrieb fürs erste eben nicht dabei, erklärt der Stadtwerke-Chef auf „Tagblatt“-Anfrage. Kombiniert damit wäre zudem eine Schleife Bahnhof-Berufsschule-Bahnhof denkbar; dafür rechnet Müller jedoch kaum mit Nachfrage.
Jetzt kommt es auf die Stadtbusnutzer an
Ob die Anbindung von Marnbach/Deutenhausen und Trifthof/Achalaich dauerhaft möglich ist, das, so hieß es im Ausschuss, hänge nun davon ab, wie der Testlauf angenommen wird. Petra Arneth-Mangano (SPD) erinnerte daran, dass vor einigen Jahren schon mal ein Probebetrieb nach Marnbach wieder eingestellt worden sei. „Aber auch der Stadtbus an sich wurde schon mal abgeschafft und später wieder aufgenommen – und hat sich nun bewährt.“ Umso wichtiger sei es jetzt, vor Ort „ganz aktiv auf die Leute zuzugehen“, folgerte Arneth-Mangano, und ihnen zu vermitteln, dass es auf die konkrete Nutzung in der Probephase ankomme.
Gegen Mitte des Probezeitraumes, also im Januar 2023, wollen Stadt und Stadtwerke dann entscheiden, „ob die Linie wieder eingestellt oder verändert wird, ob der Probebetrieb verlängert oder ein Dauerbetrieb stattfinden wird“.
