ÖDP und München-Liste

Irre Idee: Stadträte wollen den Gasteig an den Freistaat verschenken - „Mir blutet das Herz, aber...“

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Der Gasteig soll als Geschenk an den Freistaat gehen. Das fordern ÖDP und München-Liste.
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Der Gasteig soll an den Freistaat verschenkt werden. Das fordern ÖDP und München-Liste. Nur so wäre die Sanierung noch zu stemmen.

München – Die unendliche Geschichte um den Gasteig ist um ein Kapitel reicher. ÖDP und München-Liste wollen Europas größtes Kulturzentrum an den Freistaat verschenken. Der könnte sich dann um die Sanierung kümmern.

Stadträte wollen den Gasteig an den Freistaat verschenken: Der müsste dann über die Sanierung entscheiden

Der Kulturtempel an der Rosenheimer Straße soll bereits seit 2017 hergerichtet werden. Doch bisher ist das Vorhaben eine Aneinanderreihung von Problemen. Es gab juristischen Ärger wegen Urheberrechtsverletzungen, eine Ausschreibung musste aus vergaberechtlichen Gründen wiederholt werden. Statt die Finanzierung selbst zu stemmen, einigte sich der Stadtrat 2020 auf die Suche nach einem Investor. Doch der fand sich nicht, vermutlich auch, weil das Gremium einen Kostendeckel von 450 Millionen Euro eingezogen hatte. Im November soll nun entschieden werden, wie es weitergeht. Denkbar ist, die Sanierung abermals auszuschreiben, womöglich mit einem größeren Budget. Andererseits könnte die Stadt doch selbst einen Umbau vornehmen. Die Alternative ist die Rückkehr zur Grundsanierung, dann würde lediglich das Gebäude instandgesetzt.

Die Entscheidung würden ÖDP und München-Liste dem Freistaat überlassen. Was nach Satire klingen mag, hat durchaus einen ernsthaften Hintergrund, schließlich will die Staatsregierung einen neuen Konzertsaal im Werksviertel errichten. Doch auch diese Pläne liegen wegen der Kosten auf Eis. Und generell stellt sich so mancher in der Politik die Frage, ob das Gasteig-Interimsquartier HP8 in Sendling nicht als Dauerlösung funktionieren könnte.

Gasteig München: ÖDP-Stadträtin fordert mehr Engagement und Herzblut von der Stadtspitze

Nachdem nun Gasteig-Chef Max Wagner überraschend seine Kündigung eingereicht hatte, besteht durchaus die Möglichkeit, das Projekt neu zu denken – gerade mit Blick auf die gestiegenen Kosten im Baugewerbe.

 „Mir blutet das Herz bei der Aussicht, den Gasteig an den Freistaat zu verschenken“, sagt ÖDP-Stadträtin Sonja Haider.  Aber noch dramatischer wäre es, wenn das Kulturzentrum aufgrund fehlender Finanzmittel nur halbscharig saniert werden könnte, anstatt ihn zukunftssicher und vielfältig nutzbar auszubauen. „Die Münchner Kulturszene und die Bürger haben es verdient, dass die Verantwortlichen endlich verlässliche Entscheidungen treffen und sich klar zum Gasteig bekennen. Weder der Oberbürgermeister noch die Kulturbürgermeisterin zeigen das nötige Engagement und Herzblut.“

Gasteig München als Geschenk an den Freistaat: Grünen-Kulturpolitiker lehnt die Idee ab

Die Chancen, dass der Antrag durch kommt, sind eher gering. Grünen-Stadtrat Florian Roth sagte unserer Redaktion: „Der Freistaat hat sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert, wenn es darum ging, Kulturprojekte schnell umzusetzen.“ Natürlich sei es schade, dass sich die Sanierung des Gasteig verzögere. Aber es bestünde kein Grund zur Panik. „Es wird eine Entscheidung geben, und dann wird es vorwärts gehen.“

CSU-Chef Manuel Pretzl nennt die Idee abwegig. „München hat mit dem Gasteig eines der größten Kulturzentren Europas. Das beherbergt die Stadtbibliothek, die Volkshochschule und die Münchner Philharmoniker. Ein solches Pfund gibt man nicht einfach auf, wenn es schwierig wird. Wir stehen zur Sanierung des Gasteigs.“ 

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