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Die Geduld des Tölzer Stadtwerke-Chefs Walter Huber ist stark strapaziert. Seit mittlerweile dreieinhalb Jahren tritt ein großes Projekt, das er sich auf die Fahnen geschrieben hat, auf der Stelle.
Bad Tölz/Wolfratshausen – Die Geduld des Tölzer Stadtwerke-Chefs Walter Huber ist stark strapaziert. Seit mittlerweile dreieinhalb Jahren tritt ein großes Projekt, das er sich auf die Fahnen geschrieben hat, auf der Stelle. Wie berichtet planen die Tölzer Stadtwerke und das Bayernwerk gemeinsam den Bau eines neuen Wasserkraftwerks am Loisach-Isar-Kanal in Wolfratshausen. Einst hatte Huber optimistisch einen Baubeginn im Frühjahr 2017 ins Auge gefasst. Die Realität des Frühjahrs 2019 sieht anders aus: Die nötige wasserrechtliche Genehmigung ist noch immer nicht in Sichtweite.
Huber kann seinen Frust kaum verbergen. „Ich dachte, die Energiewende sei vom Staat gewünscht“, sagt er. Mittlerweile müsse er sich aber fragen, ob es sich nur um „Lippenbekenntnisse“ handelt. Der Stadtwerke-Geschäftsführer erinnert daran, dass der Freistaat einmal das Ziel ausgegeben habe, die Wasserkraft bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent auszubauen. In der Realität allerdings sei in den vergangenen drei Jahren kein einziges neues Wasserkraftwerk genehmigt worden.
Für das Wasserkraftwerk in Wolfratshausen soll ein bestehendes Wehr genutzt werden
Zum Hintergrund: Die Tölzer Stadtwerke und das Bayernwerk sind Partner im Unternehmen „Wasserkraftanlage Farchet GmbH“ und haben im Juni 2015 die wasserrechtliche Genehmigung für ein Kraftwerk am Loisach-Isar-Kanal beantragt. Dazu wollen sie ein bestehendes Wehr zwischen den Ortsteilen Waldram und Farchet nutzen und das dortige Gefälle zur Energiegewinnung auf 4,50 Meter erhöhen. Ursprünglich war mit 4,5 Millionen Euro Baukosten kalkuliert worden. Huber geht jedoch davon aus, dass sich die Baupreise mittlerweile erhöht haben. Zudem rechnet er vor, dass mit jedem Jahr Wartezeit 600 000 Euro an Wertschöpfung verloren gingen – zumindest, wenn man davon ausgeht, dass das Kraftwerk sechs Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren könnte.
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Ausstellen muss die wasserrechtliche Genehmigung das Landratsamt. Auf Anfrage des Tölzer Kurier teilt Behörden-Sprecherin Marlis Peischer schriftlich mit: „Es ist davon auszugehen, dass es noch einige Monate dauern wird, bis das Verfahren abgeschlossen werden kann.“
Woran genau es hakt, ist nicht zu erfahren. Jedenfalls sind in das Verfahren mehrere Behörden und Fachstellen involviert, die Stellungnahmen abgeben müssen. Eine zentrale Position nimmt dabei neben dem Wasserwirtschaftsamt die Regierung von Oberbayern ein. Sie ist aufgrund ihrer Zuständigkeit für Naturschutz- und Natura-2000-Gebiete seit November 2016 in das Verfahren eingebunden, wie Behördensprecherin Verena Gros auf Anfrage bestätigt. Sie teilt mit, dass die Regierung dem Vorhaben „grundsätzlich aufgeschlossen“ gegenüberstehe, „da die Neuerrichtung der Wasserkraftanlage an einem bereits genutzten Standort geplant ist“. Sprich: Die Behörde sieht es als vorteilhaft an, dass die Anlage am vorhandenen Wehr geplant ist und noch dazu an einem „technischen Gewässer“. Der Loisach-Isar-Kanal wurde 1924 angelegt. In ihm wird das Wasser, das aus dem Rißbach durch das Walchenseekraftwerk in den Walchensee abgeleitet wird und von dort durch die Loisach abließt, wieder zurück zur Isar geführt.
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Laut Sprecherin Verena Gros geht die Regierung von Oberbayern davon aus, „dass alle Verfahrensbeteiligten ihr Möglichstes dazu beitragen werden, um das Gestattungsverfahren für das Projekt bald zum Abschluss bringen zu können“.
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Dass es sich bei dem Kraftwerksbau um einen großen Eingriff in einem sensiblen Gebiet handelt, das räumt Huber von den Stadtwerken ein. „Es liegt im Naturschutzgebiet, und wir müssen dort sehr aufpassen.“ Allerdings zeige das Tölzer Isarkraftwerk als positives Beispiel, dass so etwas nicht mit „kaputt machen und plattwalzen“ gleichzusetzen sei. Mit dem Isarstausee sei sogar ein „wunderschönes Biotop“ entstanden – und es werde nachhaltig Strom produziert.
