„Da ist sehr viel Freundschaft, sehr viel Liebe“

Freundinnen dank deutsch-französischer Städtepartnerschaft

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Gelebte deutsch-französische Freundschaft: Sibylle Sachers und Maire-Christine Béraud.
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Sibylle Sachers und Maire-Christine Béraud leben die Städtepartnerschaft. Seit Jahren besuchen sie sich gegenseitig in Chamalières beziehungsweise Geretsried.

Geretsried – Sie sprechen nicht dieselbe Sprache und doch verstehen sie sich. „Da ist sehr viel Freundschaft, sehr viel Liebe“, sagt Maire-Christine Béraud und gibt Sibylle Sachers einen Kuss auf die Wange. Die beiden Frauen sitzen bei einem Apéritif auf der Terrasse und lassen keinen Zweifel daran, dass sie die gemeinsame Zeit genießen.

Bis Sonntag war Béraud zu Gast in Geretsried. Die 67-Jährige betreut die Städtepartnerschaft, die Jumelage, in Chamalières, und wohnt während des Austauschs immer bei Sachers. Beim Gegenbesuch kommt die 81-Jährige wie jedes Mal bei Béraud unter. Seit wann das so ist, können die beiden gar nicht mehr so genau sagen. Fest steht aber, dass sie sich schon lange kennen.

Städtepartnerschaft Geretsried-Chamalières bringt Freundschaft hervor

Die damaligen Bürgermeister der beiden Städte, Heinz Schneider und Claude Wolff, unterzeichneten die Urkunde, die die Partnerschaft besiegelte, im Jahr 1983. „1981 waren mein Mann und ich im Urlaub in Frankreich und haben einen Abstecher nach Chamalières gemacht, weil wir gehört hatten, dass es Partnerstadt von Geretsried werden soll“, erinnert sich Sachers. Ihr Mann, Harald Sachers, leitete jahrelang das Komitee, das später in Partnerschaftsverein umbenannt wurde. In den 1980er-Jahren machte eine von Sachers Töchtern ein Praktikum bei einem Fotografen in der Auvergne. Wie es der Zufall so wollte, wohnte sie gemeinsam mit einer weiteren jungen Frau bei Bérauds Mutter. „Sie hat sich um die beiden gekümmert.“.

Den beiden Frauen ist die deutsch-französische Freundschaft äußerst wichtig. „Man schätzt sich, wenn man sich kennengelernt hat. Man baut Ressentiments ab“, sagt Sachers. Es sei, „als würden wir aus einer Familie kommen“, bestätigt Béraud. Das sei nur durch solche Partnerschaften möglich, durch regelmäßige Treffen, erklärt Sachers. Franzosen, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben, hätten nicht mit Deutschen zusammenarbeiten wollen. Bei Bérauds Vater sei das nicht so gewesen. „Er hat schon früh Deutsche bei sich empfangen“, so die 67-Jährige.

„Jeder Besuch ist anders, jeder ist schön“

Delegationen aus Chamalières und Geretsried besuchen sich seit knapp 40 Jahren jedes Jahr im Wechsel. „Wir versuchen, uns immer das Schönste von der Gegend zu zeigen. Jeder Besuch ist anders, jeder ist schön“, sagt Béraud. In den vergangenen beiden Jahren war das aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich. Doch „der Kontakt hat nicht aufgehört.“ Sie telefonierten, und die Freunde schickten sich Weihnachtspräsente. „Aber sich wiederzusehen, ist viel besser.“ Besonders die Konzerte in Geretsried seien exzeptionell gewesen. „Musik bringt zusammen. Sie spricht eine universelle Sprache.“

Sachers hat in der Schule Französisch gelernt. „Es ist etwas eingerostet“, findet sie, kann sich aber gut mit ihrem Gast unterhalten. Béraud hatte mit dem Beginn ihrer Rente begonnen, einen Deutschkurs zu besuchen. Allerdings habe er durch die Lockdowns nicht mehr stattgefunden.

Deutsch-französische Freundschaft geht durch den Magen

Am meisten genießen es die beiden, zusammen zu kochen. Diesmal kamen beispielsweise Kassler mit Essiggurken-Radieschen-Tomaten-Salat und eine Gemüsepfanne mit Schweinefilet auf den Tisch. „Für die Franzosen gibt es immer Brot dazu“, sagt Sachers. In Bayern trinkt Béraud gerne Bier. „Ich mag das.“ In Frankreich kommen Wein und Champagner in die Gläser. Und Pâtisserie dürfe nicht fehlen. „Bei mir gibt es eine sehr gute Konditorei mit Macarons“, sagt Béraud. In Geretsried schätze sie den Wald und die Freundlichkeit der Menschen. Was Sachers an Chamalières mag, ist davon nicht weit entfernt: die vielen Blumen und die Freunde. Die beiden Frauen aus Frankreich und Deutschland verstehen sich eben.

sw

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