Deutschklasse für Betreuung

Starker Wunsch nach Rückkehr: Schulleiter erklärt, warum Ukrainern Integration schwer fällt

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Hoffen auf Spender: (v.l.) Iryna Titov, Bürgermeister Jens Zangenfeind und Rektor Markus Rewitzer.
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16 ukrainische Kinder besuchen die Deutschklasse an der Grund- und Mittelschule Hausham. Doch die Integration gestaltet sich schwer. Parallel läuft eine Spendenaktion für ihre Heimat.

Hausham – Beim Willkommen war Markus Rewitzer noch dabei, beim Brückenschlag stieg er aber aus. „Darauf habe ich mich nicht eingelassen“, erklärte der Rektor der Grund- und Mittelschule Hausham nun im Gemeinderat, warum er sich gegen die Einrichtung einer so genannten Brückenklasse für Flüchtlingskinder als Nachfolge der Ende des vergangenen Schuljahrs ausgelaufenen Willkommensgruppen entschieden habe. „Das hört sich schön an, aber man bekommt leider keine Lehrer dafür.“ Der Markt sei quasi leer gefegt, so Rewitzer. Lieber setze er weiter auf die seit Jahren gut etablierte Deutschklasse, die mittlerweile zum großen Teil (16 von 20) von ukrainischen Kindern besucht werde.

Ukrainische Kinder träumen von Rückkehr in Heimat

Rewitzer war in die Sitzung gekommen, um zusammen mit der ehrenamtlichen Helferin Iryna Titov über den aktuellen Stand in Sachen Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet zu berichten. Und das tat der Rektor mit durchaus offenen Worten. Es sei nicht leicht, die Kinder in den Schulalltag zu integrieren. „Sie sind alle nicht freiwillig da“, erklärte Rewitzer. Zudem seien viele von ihnen traumatisiert von den Erlebnissen in ihrer Heimat. „Wenn sich jemand gerade selber nicht kennt, wie soll er sich dann hier einbringen können?“, fragte der Rektor, um die schwierige Lage der Kinder im Alter von fünf bis neun Jahren möglichst plastisch zu schildern. Um sie bestmöglich zu betreuen, kümmere sich eine erfahrene Lehrkraft um sie. Aber auch der stetige Kontakt in ihr Heimatland sei wichtig für die Kinder. „Ein Anker für ihren Wunsch nach Rückkehr“, sagte Rewitzer.

Hier wiederum kam Titov ins Spiel. Wie berichtet, hat die in Hausham lebende Ukrainerin und Helferkreisleiterin unter dem Motto „Schule hilft Schule“ einen Austausch mit der Grundschule „Gymnasium Victoria P.“ in der südukrainischen Stadt Kropywnyzkyj initiiert. Noch immer seien die Sorgen der Kinder und ihrer Familien groß, berichtete Titov. „Gerade ist wieder Luftalarm.“ 37 Väter von Schülern und drei Lehrer würden an der Front kämpfen. Der eigentlich gut etablierte Online-Unterricht von ukrainischen Lehrern für die Flüchtlingskinder in Hausham werde zudem zunehmend von massiven Strom- und damit auch Internetausfällen beeinträchtigt.

Spendenbox im Rathaus

Am Laufen bleiben soll laut Bürgermeister Jens Zangenfeind hingegen der Spendenfluss ans Gymnasium Victoria P.. Ab sofort sind kleine Kunstwerke der ukrainischen Schüler in einer Ausstellung im Foyer des Rathauses zu sehen. Daneben steht eine Spendenbox. Einen spontanen Startbetrag in Höhe von 100 Euro warf Zangenfeind im Namen des Gemeinderates unmittelbar nach der öffentlichen Sitzung ein und kündigte damit an, den Kindern im Kriegsgebiet ein schönes Weihnachtsgeschenk zu machen.

Titov bedankte sich in ihrem Namen für die Großzügigkeit und merkte an, dass nicht nur das Geld, sondern noch etwas anderes wichtig sei: „Der Gedanke, dass Europa nicht müde geworden ist.“

sg

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