VonArmin Forsterschließen
Seit heute ist auch Moosburgs Freibad geöffnet. Ob Gäste oder Personal, für alle wird die Saison zur Herausforderung. Doch die Freude überwiegt, wie sich vor Ort zeigt.
Moosburg – „Brauch’ ich echt jeden Tag einen neuen Zettel?“ Die Frau mit Badetasche unterm Arm und Maske im Gesicht runzelt die Stirn und reicht ihr ausgefülltes Formular durch das Loch im Plexiglas. „Jeden Tag“, sagt Alexander Hofmann geduldig und nickt – ebenfalls mit Mund-Nasen-Schutz.
Er nimmt das Papier, auf dem jeder Besucher Name, Uhrzeit und Telefonnummer oder Anschrift eintragen muss, und heftet ihn ab. Seit 7 Uhr sitzt er hinter der Schwimmbad-Kasse, die sich heuer wegen der Bauarbeiten in einem Container befindet. Und er beantwortet an diesem Mittwochmorgen, dem ersten Badetag der der Moosburger Freibadsaison 2020, jede Menge Fragen. Es hat eben keiner Routine darin, unter Corona-Bedingungen Schwimmen zu gehen.
Diese Regeln gelten heuer im Moosburger Schwimmbad
Die einen wollen wissen, warum es heuer keine Dauerkarten gibt (Vor allem, um im Falle einer möglichen erneuten Schließung des Bads keine große Rückzahlaktion starten zu müssen), die anderen erkundigen sich, ob der Sohnemann die Rutsche benutzen darf (Ja, Springen und Rutschen ist immer einzeln gestattet). Alle Fragen würden sich wohl am Aushang vor der Kasse beantworten, aber wer möchte schon neun Seiten Verordnungen studieren? Alexander Hofmann an der Kasse hat dafür Verständnis. Und er ist auch froh, dass der Betrieb nun läuft. „Die vergangenen Tage waren anstrengend, ständig gab es eine neue Herausforderung“, berichtet der 31-Jährige. „Aber bis jetzt konnten wir alles lösen.“
Auch Markus Kieninger, musste sich umstellen. Der Pächter des Kiosks – ebenfalls in einem Container – verzichtet heuer auf Bestuhlung, damit es gar nicht erst zu Menschenansammlungen kommt. Auch das Sortiment wurde verkleinert: „Kurz gesagt, haben wir alles rausgenommen, was zu langen Wartezeiten führt.“ Pizzaecken etwa oder Zehn-Cent-Gummibärchen. „Sonst stellen sich die Kinder immer wieder dafür an und die Schlange wächst.“ Gibt es heuer also keine Pommes? Kieninger lacht: „Doch, sonst bräuchten wir gar nicht erst aufsperren.“ Mit Hotdogs, Nuggets, Currywurst oder Klassiker wie Eiscafé sieht er seine Gäste immer noch bestens versorgt. Süßigkeiten werden jetzt gemixt in einer „Wunderbox“ für einen Euro verkauft. Auf 50 Prozent Umsatzeinbußen stellt sich der 37-Jährige ein, aber auch er ist an diesem Tag gut gelaunt, weil es endlich wieder losgeht.
Obwohl der Wetterbericht nichts Gutes vorhergesagt hat, klart es langsam auf, gegen 10 Uhr spitzt gar die Sonne durch die Wolken. Zwei Frauen mittleren Alters mit Sonnenbrillen auf der Nase schwimmen auf und ab, sie ratschen munter über ihre Schulkinder. Eine Szene wie an einem typischen Schwimmbad-Morgen – mit einem Unterschied: Die beiden halten auffällig viel Abstand. Statt sechs Bahnen gibt es heuer nur noch drei mit doppelter Breite, dazu eine ausgeklügelte Kreisverkehr-Regelung. Wo sich jetzt gerade einmal eine Handvoll Menschen durchs Wasser bewegt, sind laut Corona-Verordnung 26 Schwimmer pro Bahn erlaubt. „Die Leute lernen nun, ordentlich zu schwimmen“, sagt Slava Zinitch und lacht spitzbübisch. „Zum Plaudern kann man sich doch auch draußen auf eine Bank setzen und im Wasser einfach die Bewegung genießen.“ Der 49-jährige Bademeister steht am Beckenrand und schaut zufrieden umher. Statt Badeshorts trägt er Arbeitshose und Gummistiefel, am Morgen gab es noch jede Menge zu tun. „Das ist aber normal bei mir. Die ersten vier Stunden laufe ich immer rum wie ein Fischer aus Hamburg.“
Nicht normal waren die Wochen vor der Öffnung, wie Zinitch berichtet. „Wir wussten lange nicht, ob und wann wir aufmachen können.“ Als dann Ende Mai die Info gekommen sei, dass ab 8. Juni Bäder öffnen dürfen, brauchte man noch ein paar extra Tage für die Vorbereitungen. Ein Problem sei beispielsweise gewesen, dass die Rettungsschwimmer – zumeist Saisonkräfte – ebenfalls nicht planen konnten. „Uns ist deshalb die Hälfte abgesprungen. Wir konnten dann aber ehemaliges Personal reaktivieren.“ Zu den vielen Corona-Auflagen und Umständen wegen der Hallenbad-Baustelle sei beispielsweise ein aktualisiertes Konzept für Notfälle wie einen Chlorgasunfall nötig gewesen. Nach Tagen voll „unglaublicher, brutaler Arbeit“ sei er nun wahnsinnig stolz auf sein Team, sagt Zinitch.
Aus seiner Sicht steht trotz Einschränkungen einer tollen Badesaison nichts im Weg. „Ich freue mich, wenn die Leute kommen und unsere blaue Lagune und die grünen Wiesen genießen.“ Die Wasserqualität sei wie immer „super“ und der Aufenthalt im Becken „absolut unbedenklich“. Die Liegeflächen seien derart auf Vordermann gebracht worden, „die sehen aus wie Golfplätze“. Sein Appell an die Badegäste lautet daher: „Ich bitte um Verständnis, dass heuer alles etwas anders läuft. Die Leute sollen einfach mitspielen, dann wird das ein traumhafter Sommer.“
Zum Thema: Die Corona-Auflagen und Bauarbeiten haben zur Folge, dass sich Gäste im Moosburger Freibad aktuell nicht vor Unwettern schützen können. Eine Lösung scheint nicht in Sicht.





