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Am 23. Juni startet ein neues Musikfestival in Polling: „polliphonic“ bringt hochkarätige Musik auch an außergewöhnliche Schauplätze wie die Stoa169. Und das ist erst der Anfang.
Polling – Premiere für ein neues, ambitioniertes und außergewöhnliches Musikfestival in Polling: Am Freitag, 23. Juni, wird „polliphonic“ mit Klassik im Bibliotheksaal und Jazz im Hof von HK-Engineering eröffnet. Am Samstag folgt unter anderem ein Konzert in der Stoa169. Pianist Aurelius Braun (28) und Cellist Nepomuk Braun (32), zwei preisgekrönte Musiker aus München, haben das Festival gegründet – und treten selbst auf. Dass sie noch viel vorhaben in Polling, verraten die Brüder im Interview.
Was kommt Ihnen spontan in den Sinn, wenn Sie an Polling denken?
Aurelius Braun: Wunderschöne Orte, traumhafte Lage, Weltklasse-Saal, coole Locations. Wir haben vor über zehn Jahren das erste Mal hier im Bibliotheksaal gespielt und uns auf den ersten Blick in den Ort verliebt. Relativ schnell dachten wir: Hier wäre ein Festival wunderschön und würde gut funktionieren!
Hatten Sie auch andere Orte im Visier für Ihr Festival?
Nepomuk Braun: Nein, die Idee ist in Polling und vor allem wegen Polling entstanden. Der Ort ist einfach ideal. Polling ist kompakt, bietet die perfekten Orte, birgt aber auch Überraschungen. Wir freuen uns sehr darauf, hier in den nächsten Jahren weitere spannende Locations im Festival zu präsentieren. Und sind sehr dankbar, dass hier alle unseren Ideen gegenüber so offen sind.
Aurelius Braun: Bereits in unserem ersten Jahr bespielen wir mit dem Bibliotheksaal, dem Innenhof von HK-Engineering und der Stoa169 drei total unterschiedliche und einzigartige Orte.
Nepomuk Braun: Das ist einfach ein Traum – einerseits die Nähe der Veranstaltungsorte zueinander, so kann richtiges „Festival-Feeling“ aufkommen, andererseits auch ihre Unterschiedlichkeit. Es wird garantiert nicht langweilig, jeder Ort hat seine besondere Atmosphäre.
Was ist bei „polliphonic“ anders als bei anderen Festivals?
Aurelius Braun: „polliphonic“ ist schon allein durch die einzigartigen Spielstätten anders. Und die Verbindung von verschiedenen Genres und Kunstrichtungen – Improvisation/Literatur, Bildende Kunst/Musik – in ganz unterschiedlichen Formaten und an diesen tollen Orten ist ungewöhnlich. Die Musik und der Ort, wo sie gespielt wird, sind dabei beide gleich wichtig. Ebenso die Künstler natürlich, weil sie alle gemeinsam diese besondere Atmosphäre schaffen werden. Mit der Grundidee, so viele wie möglich für Musik und Kunst – Neues und schon Bekanntes – zu begeistern, bringen wir ein vielfältiges Programm mit spannenden Orten und fantastischen Künstlern zusammen.
Nepomuk Braun: Wir haben ein ziemlich breit gefächertes Programm zusammengestellt und uns dabei auch von den Orten inspirieren lassen. Das war für uns die Ausgangsbasis. Was aber genauso im Mittelpunkt steht: Musik an Orte zu bringen, an denen man sie nicht unbedingt erwartet. Der schöne Klosterinnenhof bietet mit Oldtimern und altem Gemäuer ein unglaubliches Ambiente. Die Stoa169 ist schon selbst ein atemberaubendes Gesamtkunstwerk. Dass wir das noch erweitern dürfen mit Musik, ist wirklich ein Geschenk. Da hat es noch nie ein größeres musikalisches Event gegeben, also das ist auch ein spannendes Experiment für uns alle. Und die Philosophie dahinter ist natürlich wunderbar, wie auch die Initiatoren dahinter um Bernd Zimmer. Für uns macht all das den Ort perfekt für unser Festival.
Aurelius Braun: Und wir hoffen, dass wir durch diese unerwarteten Orte auch eine Atmosphäre schaffen, die nicht nur „klassisch Konzert“ ist. Sondern eben etwas lockerer, etwas freier – Räume, in denen das Publikum auch Lust hat, sich untereinander und mit den Musikern auszutauschen. Und auch Leute anspricht, die das normale Konzert einfach langweilig finden, das ist ja alles erlaubt.
Wie kam’s zur Künstlerauswahl für die erste Ausgabe?
Nepomuk Braun: Wir haben die besten Musiker, die uns eingefallen sind, kontaktiert und waren begeistert, wie gut die Resonanz war und wie prompt die Zusagen kamen! Es war natürlich alles ein großes Puzzle, all die gut gefüllten Kalender für Proben und Konzerte unter einen Hut zu kriegen. Wir haben fantastische Künstler unterschiedlichster Genres und Alters bekommen – von Newcomern wie Äneas Humm und Ursina Maria Braun bis zu absoluten Stars wie Johannes Enders, Lena Neudauer und Thomas Loibl. Wir sind wirklich sehr glücklich, wie das alles gelaufen ist.
Dass Sie selber auftreten und zugleich alles organisieren, hört sich ziemlich stressig an…
Aurelius Braun: Das ist es ganz sicher, aber gleichzeitig ist es aufregend. Wir genießen es beide, so tief in die Festival-Struktur einzutauchen, und sowohl als Organisatoren, als auch als Musiker tätig zu sein.
Was reizt Sie an der Festival-Organisation?
Nepomuk Braun: Es geht über das hinaus, was sonst der „Job“ des Musikers ist. Du bist Teil eines großen Ganzen und oft sieht man dabei das große Ganze gar nicht, weil man eben nur seinen „Part“ spielt. Mit „polliphonic“ müssen wir ganz anders, viel einheitlicher denken und während es einerseits ein bisschen wahnsinnig ist, macht es andererseits sehr großen Spaß, dieses Festival aus der Taufe zu heben. Es ist wie eine große Spielwiese, die leider auch manchmal Stolpersteine hat, die wir dann aus dem Weg räumen oder umschiffen müssen.
Wie schwierig ist es, „polliphonic“ zu finanzieren?
Aurelius Braun: Sagen wir mal so: Einfach ist es nicht. Wir hatten ein Riesenglück, dass unser Projektplan Anklang fand und wir eine Förderung vom Bund erhalten haben. In Zukunft sind wir aber auch auf weitere Förderungen angewiesen. Wir haben für „polliphonic“ eine gemeinnützige Organisation gegründet und wir würden gerne eine Art Förderkreis mit privaten Spendern aufbauen und hoffen, dass lokale Unternehmen Lust auf ein Sponsoring haben, um dieses Projekt weiterzuentwickeln. Es gibt noch so viele Möglichkeiten hier!
Wann ist die „polliphonic“-Premiere für Sie ein Erfolg?
Nepomuk Braun: Ich denke, das merken wir dann am Wochenende selbst – wie die Resonanz des Publikums ist, wie das Programm angenommen wird. Wir haben aber schon jetzt lauter kleine Erfolgserlebnisse. Allein die Tatsache, dass das Festival jetzt steht, dass wir ein super Team aufbauen konnten und dass so viele großartige Künstler kommen.
Und 2024 gibt’s auf jeden Fall eine zweite Ausgabe?
Nepomuk Braun: Das hoffen wir! Wir haben eine Menge Ideen, die wir umsetzen möchten. Auf jeden Fall wollen wir weitere Locations erschließen und ein noch vielfältigeres Programm anbieten, etwa Kinderkonzerte oder Volksmusik-Formate; Klassik, Jazz, Electro usw. kommen schließlich auch nicht ohne ihre gemeinsamen Ursprünge darin aus.
Aurelius Braun: An Ideen mangelt es uns nicht. Aber natürlich sind wir stark auf Spenden und Sponsoren angewiesen, die uns unterstützen. Wir hoffen sehr, dass sich viele finden, die Lust haben, das Festival in Zukunft finanziell zu fördern, damit es dieses Format in der Region noch lange gibt. Am allermeisten freuen wir uns jetzt aber auf das kommende Festival-Wochenende und auf all die Besucher.
Das Programm von „polliphonic“
FREITAG, 23. JUNI:
- Eröffnungskonzert mit Lena Neudauer (Violine), Veronika Loy (Sopran), den Brüdern Braun u.a. – Bibliotheksaal, 19.30 Uhr.
- Jazzkonzert mit Johannes Enders Quartett – Innenhof HK-Engineering, 21.30 Uhr.
SAMSTAG, 24. JUNI:
- Kafka und Bach mit Thomas Loibl (Schauspiel) & Ursina Marina Braun (Cello) – Bibliotheksaal, 16 Uhr.
- Sonnenuntergangs-Konzert mit „Vokalzirkel“, Lena Neudauer u.a. – Säulenhalle Stoa169, 20.30 Uhr.
- „polliphonic Party“ – Innenhof HK-Engineering, 22 Uhr.
SONNTAG, 25. JUNI:
- Abschlusskonzert mit Äneas Humm (Bariton) & Doriana Tchakarova (Klavier) – Bibliotheksaal, 11 Uhr.
Weitere Informationen und Tickets: www.polliphonic.de
