Stiftung Nantesbuch

Permakultur: Die Ordnung der gewollten Unordnung

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Jede Permakultur hat ihren eigenen Mikrokosmos – und braucht Ordnung, auch wenn hier alles buchstäblich wie Kraut und Rüben wachsen darf. Das Areal der Stiftung Nantesbuch ist rund einen Hektar groß.
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Vor eineinhalb Jahren legte Sepp Holzer einen viel beachteten Permakulturgarten auf Einladung der Stiftung Nantesbuch an. Doch auch ein solcher Garten pflegt sich nicht von alleine.

Bad Heilbrunn – Das Areal des Permakulturgartens am Wirtschaftshof der Stiftung Nantesbuch ist rund einen Hektar groß und diente früher als Pferdekoppel. Unter Anleitung von Sepp Holzer legte man 2018 fachmännisch Terrassen an, auf denen Obst, Gemüse und Blumen wachsen: Von der Aubergine bis zur Zucchini, vom Apfel- bis zum Walnussbaum. Die dazwischen wachsenden Kräuter und die bunten Blumen verwandeln das Areal im Hochsommer auch rein optisch in einen Paradiesgarten.

Mit der Ernte war der „Papst der Permakultur“ 2019 recht zufrieden, und die begleitenden Seminare und Vorträge stießen auf große Resonanz. Den Prozess verfolgt seit Januar 2019 auch Agnes Süßbauer mit. Die 32 Jahre alte Gärtnerin aus Wackersberg ist die neue Verantwortliche für diesen Garten. Ihren Arbeitsplatz hat sie quasi über den Gartenzaun gewechselt: Süßbauer arbeitete in den vergangenen zehn Jahren im benachbarten Demeter-Betrieb auf dem Hofgut Letten.

Von Winterruhe kann derzeit im Permakulturgarten keine Rede sein. „Auch ein solcher Garten braucht einiges an Betreuung“, sagt Süßbauer. „Man muss darauf achten, dass nicht alles überwuchert wird.“ In den vergangenen Monaten hat sie zum Beispiel die Mulchschicht ständig erneuert. „Der Boden darf niemals offen liegen.“ Die Mischung aus Gras und Stroh sorgt dafür, dass der Boden Starkregen gut standhält, bei Sonne nicht austrocknet, Nährstoffe erhalten bleiben und bei Wind die wertvolle Erde nicht abgetragen wird.

Schnecken und Wühlmäuse nahmen Überhand

„Im Einklang mit der Natur multipliziert sich alles“, ist das Credo von Sepp Holzer, für den kein Tier, keine Pflanze unnütz ist. Deshalb gibt es für Schnecken, Wühlmäuse und Co. sogenannte „Ablenkungspflanzen“, auf die sie gezielt gehen können, damit andere wachsen und gedeihen können.

Agnes Süßbauer (li.) ist verantwortlich für das Areal und Gärtnerin mit „Leib und Seele“, sagt sie: „Einen schöneren Job kann ich mir nicht vorstellen.“

Mit diesem Zusammenspiel hat sich Agnes Süßbauer in den vergangenen Monaten beschäftigt. Denn auch das Gleichgewicht in einem Permakulturgarten will erst einmal hergestellt sein: „Wir hatten anfangs wahnsinnig viele Schnecken und Wühlmäuse“, berichtet die Gärtnerin. Damit sie keine Plage werden, bräuchten sie natürliche Fressfeinde. „Nur dann können sie auch als Nützlinge funktionieren.“ Also hat die Gärtnerin mit Hilfe von Praktikanten, die bei der Stiftung ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvieren, Biotope für Igel, Greifvögel und Mauswiesel gebaut. „Das ist ganz einfach“, sagt die 32-Jährige. „Man macht aus Reisig, verschieden starken Ästen, Laub und Stroh einen Haufen. Unten sollte man ein bisschen Stroh reinlegen“, sagt Süßbauer. „Wir haben zusätzlich noch Dachziegel daraufgelegt, denn die Tiere mögen es warm und trocken, damit sie sich verkriechen können.“ Der Erfolg zeigt sich schon: „Ich habe schon ein Mauswiesel gesehen. Ich bin sicher, dass die ganze Familie da ist.“ Für Vögel wurden in der Umgebung entsprechende Kästen und Sitzstangen aufgehängt.

Dem Boden Zeit geben, sich zu regenerieren

Auch wenn Sepp Holzer viel Wissen weitergegeben hat: Jede Permakultur hat ihren eigenen Mikrokosmos. „Ein Jahr ist für einen Garten gar nichts“, sagt Süßbauer lächelnd. Noch immer müsse man alles ganz genau beobachten. „Am Anfang hatten wir hier nur Kriechenden Hahnenfuß. Das ist ein Indiz für viel Staunässe.“ Ohnehin sei der Boden zu Beginn „wahnsinnig unruhig“ gewesen. „Aber jetzt regeneriert er sich langsam“, sagt die Gärtnerin. Das sehe man zum Beispiel daran, dass sich die Brennnessel ausbreite.

Auch wenn Süßbauer auf einem Öko-Betrieb gelernt hat, sei die Arbeit in einem Permakulturgarten doch etwas ganz Anderes, sagt die 32-Jährige. „Im Erwerbsgartenbau zählt der Ertrag, hier kann ich was Neues ausprobieren und viel lernen“, sagt sie. So wurden in Nantesbuch im Sommer 2019 die Bäume zum Beispiel gar nicht gegossen. „Sie sind viel langsamer gewachsen, aber dadurch wahnsinnig robust. Das ist schon interessant zu sehen, mit wie wenig Wasser man gärtnern kann.“

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Süßbauer ist Gärtnerin mit „Leib und Seele“, wie sie sagt: „Einen schöneren Job kann ich mir nicht vorstellen.“ Man sei viel in der Natur und könne sehen, was dort alles wachse: „Das ist ein echtes Wunder.“ Zudem produziere man eigene Lebensmittel und trage dafür eine große Verantwortung.

Vielleicht ja doch noch ein Gewächshaus?

Derzeit steckt die Gärtnerin mitten in der Anbauplanung: Das Saatgut für Kartoffeln, Steckzwiebeln und Knoblauch muss rasch bestellt werden. Auch Süßkartoffeln und verschiedene Kohlsorten sollen wieder wachsen, aber sie brauchen 2020 einen anderen Standort. Zudem reift die Überlegung, ob man nicht doch eine geschützte Behausung für Tomaten, Paprika und Auberginen schaffe. „Sie brauchen alle viel Wärme und Trockenheit. In unserer Region gibt es viel Niederschlag, da ist es für diese Pflanzen im Freiland schwierig.“

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Den Bedarf an Gemüse klärt Süßbauer auch mit der Küche, denn die Mitarbeiter und Seminarteilnehmer der Stiftung Nantesbuch werden so gut es geht aus dem eigenen Garten versorgt. „Wir versuchen zudem, Saatgut selbst zu gewinnen und auf alte Sorten zurückzugreifen, damit sie hier wieder heimisch werden können.“

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