VonJonas Napiletzkischließen
Miesbach hat wie viele andere Städte und Gemeinden an einer Strom-Bündelausschreibung teilgenommen. Nun kommen vervielfachte Kosten auf die Kreisstadt zu.
Landkreis – Eigentlich wollte die Stadt Miesbach Kosten sparen – jetzt ist der neue Haushalt in Gefahr. Rund 1500 Körperschaften in Bayern – darunter die Kreisstadt – haben sich zum Stromeinkauf über den Bayerischen Gemeindetag zusammengeschlossen. Doch die gut gemeinte Strombündelausschreibung für die Jahre 2023 bis 2025 erwies sich als Fehler: Die beauftragte Firma hat zu einem besonders teuren Zeitpunkt eingekauft. Gemeinden aus dem Landkreis, die sich ihren Stromanbieter selbst gesucht hatten, zahlen deutlich weniger als Miesbach. Absehbar war das aber nicht.
Bürgermeister Gerhard Braunmiller sagt: „Wir haben ein Angebot auf die Bündelausschreibung bekommen und sind verpflichtet, das anzunehmen.“ Trotz Strompreisbremse würden sich die bisherigen Stromkosten der Stadt um den Faktor 2,5 vervielfachen. „Das wirkt sich ganz erheblich auf den Verwaltungshaushalt aus.“
Trotz Strompreisbremse: Kosten um Faktor 2,5 vervielfacht
Der neue Arbeitspreis pro Kilowattstunde sei mit 42,2 Cent „sehr hoch“. Mit Zuschlägen und Steuern komme die Stadt auf „gut 60 Cent pro Kilowattstunde“. Die Strompreisbremse, mit der die Bundesregierung den Preis auf 40 Cent pro Kilowattstunde für 80 Prozent der Verbrauchsmenge – gemessen am Vorjahreswert – deckeln will, soll noch abgezogen werden. „Nach unseren Informationen gilt das auch für uns“, sagt Braunmiller. Auch Stefan Graf vom Bayerischen Gemeindetag bestätigt unserer Zeitung, für die Aufnahme der Kommunen in die Strompreisbremse gekämpft zu haben. Aber: Für die verbliebenen 20 Prozent des Jahresverbrauchs von etwa 2000 Megawattstunden in Miesbach werden die vollen rund 61 Cent fällig.
Ohne Strompreisbremse hätten sich die Kosten für Miesbach mehr als verdreifacht, so bleiben die Kosten beim 2,5-Fachen des Vorjahres. Das Problem: Für die Stadt Miesbach sei fraglich, „inwieweit wir einen genehmigungsfähigen Verwaltungshaushalt bekommen“, sagt Braunmiller. Kämmerer Josef Schäffler arbeite derzeit an einem Entwurf – Ende Januar sei mit ersten Besprechungen zu rechnen. Jedoch müssten die Stromkosten komplett im Verwaltungshaushalt eingepreist werden, dessen Überschuss wiederum eine ausreichende Zuführung zum Vermögenshaushalt gewährleisten muss. Klappt das nicht, wäre der Haushalt nicht genehmigungsfähig, sagt der Rathauschef.
Andere Gemeinden profitieren von Versorgern aus der Region
„Wir machen uns durchaus Gedanken über Energiesparmaßnahmen.“ Wie berichtet, will Miesbach Wärme, Wasser und Strom sparen und hat einzelne Maßnahmen umgesetzt. „Vor dem Hintergrund, dass die Kosten so massiv steigen, werden wir das noch einmal überprüfen und auf unsere großen, elektrischen Verbraucher schauen.“
Auch will Braunmiller beobachten, wie sich andere Kommunen nun verhalten. Betroffen sind in ganz Bayern rund 1500, von denen etwa 900 wie Miesbach einen Zuschlag erhalten haben. Der Bürgermeister sagt: „Wir sehen ganz geringe Möglichkeiten, dass wir aus dem Vertragswerk rauskommen.“ Ein Gespräch mit dem Bayerischen Gemeindetag dazu stehe noch aus.
Exemplarisch gegenüber stehen den rund 61 Cent in Miesbach zwei Gemeinden, die sich nicht an der Ausschreibung beteiligt hatten. Otterfing wird von den Gemeindewerken Holzkirchen für 19 Cent netto versorgt. Mit Steuern und Gebühren dürfte der Preis bei nicht über 30 Cent liegen – ähnlich wie in der Gemeinde Warngau. Dort zahlt die Gemeinde exakt 30,32 Cent brutto pro Kilowattstunde ans E-Werk Tegernsee. Beide Gemeinden haben sich laut Mitarbeitern aus den Rathäusern aber nicht etwa gegen die Teilnahme an der Bündelausschreibung entschieden, weil sie bereits eine Vorahnung hatten. Sie wollten ihre gemeindlichen Liegenschaften schlichtweg regional versorgen – was sich nun ordentlich rentiert.
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