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Ein Mountainbike-Konzept soll im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen das Miteinander von Bergradlern und Wanderern regeln. Vorgesehen ist die Ausweisung von mindestens sieben Mountainbike-Trails. Es regt sich aber auch Kritik.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Auftakt war vielversprechend: Beim Auftakt-Symposium für das Mountainbike-Konzept, das der Deutsche Alpenverein (DAV) derzeit für die Modellregionen Bad Tölz-Wolfratshausen und Allgäu erarbeitet, waren im Dezember über 200 Teilnehmer nach Benediktbeuern gekommen. Mit dem Fortschritt zeigt sich nun aber der Jachenauer Bürgermeister Georg Riesch unzufrieden. Er äußerte in der Bürgerversammlung Kritik: „Der Alpenverein ist sehr Mountainbike-lastig.“
Was hingegen seiner Meinung nach bislang zu wenig Beachtung findet, sei die Frage, inwieweit Grundstückseigentümer und Gemeinden bei Mountainbike-Unfällen auf ihren Flächen zur Haftung gezogen werden können oder wie sich solche Risiken versichern lassen. „Solange das nicht geklärt ist, braucht man gar nicht weiterreden“, so Riesch. Der Bürgermeister forderte außerdem: „Wenn im Landkreis sieben Trails ausgewiesen werden sollen, dann fordern wir, dass es auf der anderen Seite auch Tabuzonen gibt.“
„Tabuzonen“ für Mountainbiker gibt es laut DAV schon
Inhaltlich erhält Riesch Rückendeckung von seinem Kochler Amtskollegen Thomas Holz. „Fakt ist, dass die Haftung ein Thema ist, das der Klärung bedarf.“ Ein aktueller Fall erinnere gerade an die Brisanz: Ein Tiroler Landwirt wurde zur Zahlung von 180 000 Euro Schmerzensgeld verurteilt, nachdem seine Kuhherde eine Urlauberin zu Tode getrampelt hatte. Allgemein sei es ein Fakt, „dass die Menschen klagefreudiger geworden sind“, so Holz. So könne er es keinem Grundeigentümer – seien es die Staatsforsten oder Private – verdenken, wenn er sage: „Bei mir bitte kein Wanderweg oder Montainbike-Trail.“ Insofern muss das Thema Haftung auch aus Holz’ Sicht gründlich durchleuchtet werden. „Wir müssen aufpassen, dass wir da nicht zu kurz springen und das Thema lieber sauber abarbeiten als einen Schnellschuss raushauen“, sagt er. Kritik, der Alpenverein vernachlässige das Thema, übt Holz allerdings nicht. So würden derzeit Terminabsprachen für ein Treffen zu Haftungsfragen laufen.
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Sieben Mountainbike-Trails im Landkreis vorgesehen
Das bestätigt auf Rückfrage Hanspeter Mair, der beim DAV das Projekt federführend betreut. „Beim Thema Haftung sind wir auf alle Fälle am Ball“, erklärt er. Geplant sei ein Leitfaden. Angesichts der Komplexität müsse man freilich „tiefer in die Materie einsteigen“, so Mair. Insbesondere sei ihm eine „Versachlichung“ der Diskussion ein Anliegen. In jedem Fall sei die Haftungsfrage „ein großer Brocken. Damit steht und fällt alles andere.“
Mair bestätigt auch, dass es ein Ziel sei, im Landkreis sieben Mountainbike-Strecken auszuweisen. „Am Ende könnten es auch etwas mehr werden, weniger wollen wir nicht.“ Aktuell aber „sind wir noch nicht so weit, dass wir bestimmte Strecken dafür identifizieren können“.
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Was die von Riesch geforderten „Tabuzonen“ angeht, sagt Mair: „Die gibt es schon. In Naturschutzgebieten wie etwa dem Karwendel ist es schon aufgrund der Naturschutzverordnung nicht erlaubt, Fahrrad zu fahren.“ Bei allen Verboten sei aber eine essenzielle Frage, „ob man sie auch durchsetzen kann“.
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Genau da hat Thomas Holz so seine Zweifel. „Verbote und Schilder gibt es schon viele. Aber wenn sich jemand vorgenommen hat, an einer bestimmten Stelle seinem Sport nachzugehen, dann macht er das meistens auch.“ Zudem findet es Holz „traurig, wenn man für alles Regeln aufstellen muss“. Das Ziel müsse eher sein, „dass die ausgewiesenen Trails so attraktiv sind, dass man nirgendwo anders mehr fahren will“. „Wir wollen lenken“, umschreibt Mair das Ziel des Mountainbike-Konzepts und antwortet damit gleichzeitig auf Rieschs Vorwurf, der DAV sei „Mountainbike-lastig“. „Man muss sehen, dass fast die Hälfte unserer Mitglieder Mountainbike fährt“, sagt er. Genau deswegen sei der DAV aber auch prädestiniert, das Thema zu bearbeiten. „Wenn wir es nicht in die Hand nehmen, bleibt es beim Wildwuchs.“ Der DAV habe die Möglichkeit, „auf unsere Mitglieder einzuwirken“ – auch wenn das freilich nur ein Teil der Mountainbiker sei. In jedem Fall sei der DAV mit dem Mountainbike-Konzept um einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessen bemüht. „Dazu braucht es von allen Seiten einen Kompromiss.“
