Wohnungen, Geschäfte, Bistro und eine Tiefgarage

Das hat das Brauhaus mit dem Guggemos vor

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Wird abgerissen: das Guggemos in Tegernsee.
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Das seit elf Jahren leer stehende ehemalige Hotel Guggemos in Tegernsee soll abgerissen werden. Der Stadtrat gab jetzt grundsätzlich grünes Licht für Neubaupläne des Brauhauses.

Tegernsee – „Wegen Renovierung bis auf Weiteres geschlossen“. Seit über zehn Jahren hängt dieser Zettel neben dem Eingang zum Guggemos. Seither nahm das Herzogliche Brauhaus als Besitzer immer wieder Anläufe. Doch die Rahmenbedingungen, die die Stadt lange vorgab, waren für das Brauhaus nicht hinnehmbar. Das Guggemos sollte ein Hotel bleiben – diese Forderung war lange in einem Bebauungsplan festgeschrieben. Doch für das Brauhaus kam immer nur ein Wohn- und Geschäftshaus in Frage, ein Hotel sei wirtschaftlich nicht darstellbar. Die Öffentlichkeit musste zusehen, wie das Haus, eingeschnürt vom Steg, zusehends verfiel, die Fläche am See zum abgesperrten Miet-Parkplatz wurde und sich das Brauhaus dem Maximilian in Gmund widmete. Hinter den Kulissen führte Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) jedoch Gespräche, um den Weg zu ebnen.

Jetzt könnte es soweit sein: Am Dienstagabend lag dem Stadtrat der Antrag für die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans vor, begleitet von einem ausführlichen Schreiben. Oberste Priorität habe für das Brauhaus, dass der neue Guggemos ein lebendiger Bestandteil der Nachbarschaft werde und sich städtebaulich gut eingliedere. Daher habe man bewusst auf Baumasse verzichtet und eine aufgelockerte Planung erarbeitet, die auch die durch den Steg vorgegebene Ausrichtung zum Seeufer berücksichtigt.

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Neue Guggemos-Pläne: Zehn Mietwohnungen entstehen

Das ist der Plan: Anstelle des Altbaus sollen zwei von der Hauptstraße abgerückte Gebäude mit zwei Stockwerken für Läden, Gewerbe und Wohnungen entstehen, die durch eine Passage verbunden sind und auch eine Anbindung zum See ermöglichen. Der Gehweg an der Hauptstraße soll breiter werden, vier Kurzzeit-Parkplätze sollen dort angelegt werden. Direkt am See soll ein elf mal 15 Meter großer Bau für ein Bistro mit einem Saal im Obergeschoss entstehen. Der Seeufersteg soll dort an das Gelände angebunden werden. Zudem sind zwei je 9,50 mal 15 Meter große Wohnhäuser mit einem Obergeschoss vorgesehen. Auch eine Tiefgarage mit 56 Stellplätzen ist geplant. 64 Parkplätze, einer mehr als nötig, können auf dem Areal nachgewiesen werden.

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Insgesamt sind zehn Wohneinheiten geplant, die laut Brauhaus ausschließlich an Personen mit Erstwohnsitz in Tegernsee vermietet werden. Ein Teil soll nach dem Tegernseer Modell, das derzeit auch im Quartier Tegernsee Anwendung findet, vergeben werden. „Wir sind bei unserem Vorhaben mehr als überzeugt, dass der neue Guggemos gemeinsam mit der Stadt zu einem bezaubernden Fleck entwickelt werden kann“, so das Brauhaus, das sämtliche Planungskosten übernimmt.

Die Stadträte waren angetan: „Das wäre eine Aufwertung dieses vernachlässigten Gebiets und für die Stadt und die Geschäftsleute gut“, fand Peter Friedrich Sieben (FWG). Dass der Horn-Parkplatz nicht benötigt und damit der Stadt endgültig zur weiteren Planung zur Verfügung steht, wurde ebenfalls ringsum begrüßt.

Pläne fürs Guggemos: Angst vor Präzedenzfall

Bei aller Euphorie wurde das Aufgeben der touristischen Nutzung jedoch bedauert. „Bauchweh“ wegen der geplanten Wohnhäuser direkt am See hatte nicht nur Peter Schiffmann (SPD). „Die Premiumwohnanlage könnte eine Art Präzedenzfall auslösen und den Druck auf die Stadt erhöhen“, glaubten nicht nur Schiffmann. Rudolf Gritsch (CSU) war aber bereit, diese „Kröte“ zugunsten einer guten städtebaulichen Entwicklung zu schlucken. Florian Kohler (Bürgerliste), der den „klassischen architektonischen Ansatz“ begrüßte, bezeichnete die Schaffung von Wohnraum insgesamt als „Wohltat für den Ort.“

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Pläne fürs Guggemos: „Ein absoluter Gewinn“

Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) sieht in der Bebauung am See keinen Präzedenzfall. Überhaupt sei das Vorhaben ein „absoluter Gewinn“. Es sei richtig, dass auch hochpreisige Wohnungen am See entstehen werden, aber das Bauvorhaben inklusive hoher Kosten für eine Tiefgarage dort müsse sich auch rechnen. „Alles ist besser als eine versiegelte Brache mit dieser Ruine“, fasste Hagn zusammen und warb dafür, dass der Stadtrat in einem ersten Schritt grünes Licht für die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans gibt. Mit der Mehrheit von 12:1 Stimmen erfolgte dies auch.

Allein Thomas Mandl (SPD) stimmte dagegen. Er fürchtet durch den Bau der Häuser am See  um die „Außenwirkung“. Die Aufstellung eines Bebauungsplans sei nicht der richtige Weg, um ein eigentlich nicht genehmigungsfähiges Vorhaben genehmigungsfähig zu machen.

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