Nach Abholzaktion auf der Point und dem Bußgeldbescheid

Auf der Point muss aufgeforstet werden

+
Zwischen den abgeholzten Baumstämmen auf der Point sprießt bereits Gebüsch nach. Im Frühjahr muss richtig aufgeforstet werden.
  • schließen

Wie ein Weihnachtsgeschenk schneit vom Landratsamt eine Nachricht über Tegernsee und die Point herein: Nach der Abholzaktion und einem inzwischen verhängten Bußgeld muss wieder aufgeforstet werden.

Tegernsee – War es der Spott und der Zorn der Bevölkerung, der sich in Form von Leserbriefen, in Kommentaren im Internet und anderen sozialen Medien über das Herzogliche Brauhaus und das Landratsamt Miesbach ergoss und nun zum Handeln führte? Oder war es die Sorge um die Natur, die am Ende nun doch siegt? Fest steht: Auf der Point muss wieder aufgeforstet werden.

Im Umweltausschuss des Landkreises am Mittwoch hatte sich Miesbachs Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FWG) nach der offiziellen Tagesordnung erkundigt, wie es in Sachen Point weitergehe, und ob da nicht wieder eine Aufforstung zu leisten sei. 74 Bäume und Großsträucher mit einem Durchmesser von mehr als zehn Zentimetern hatte das Herzogliche Brauhaus im März nahe der Überführer-Hütte von einem Forstunternehmen abholzen lassen. Außerdem waren der gesamte Baumjungwuchs und die komplette Strauchschicht beseitigt worden. Sogar auf dem Grundstück der Schlösser- und Seenverwaltung ratterten die Kettensägen. 

Weil der Kahlschlag nicht mit der Unteren Naturschutzbehörde abgesprochen war, wurde Anzeige erstattet und von der Unteren Naturschutzbehörde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen das Herzogliche Haus eingeleitet. Brauhaus-Chef Christian Wagner hatte die Aktion mit der Sicherung eines Spazierweges begründet, jedoch eingeräumt, dass die Abholzung auf dem Streifen der Seenverwaltung „leider“ passiert sei.

Lesen Sie hier: Auch an der Klosterwachtstraße wurde abgeholzt

Lange warteten Naturschützer darauf, dass die Verursacher zur Rechenschaft gezogen werden. Das ist inzwischen erfolgt: Das Herzogliche Haus, ein Forstunternehmen und ein Berater wurden zu Strafen im „unteren bis mittleren vierstelligen Bereich“ verdonnert. Viel zu wenig, fanden daraufhin wieder die erzürnten Kommentatoren.

Abholzung auf der Point: Landratsamt hat Diskussion verfolgt

„Wir haben natürlich die öffentlichen Diskussionen und die Reaktionen im Internet intensiv verfolgt“, sagt Landratsamtssprecher Birger Nemitz. „Doch wir hatten uns ohnehin schon länger überlegt, wie die Abholzung wieder ausgeglichen werden kann.“ Nun habe das Landratsamt initiiert, dass eine Aufforstung erfolgen müsse. Dies, so Nemitz, sei in Abstimmung mit dem Fachbereich für Umwelt- und Naturschutz erfolgt. Die Aufforstung muss in der gleichen Größe erfolgen wie die Abholzung. Sprich: 74 Bäume müssen auf der Point neu gepflanzt werden. Es muss sich um standort-heimische Gehölze handeln und eine Mischung aus verschiedenen Baumarten. In welcher Größe die Ersatzpflanzen angeschafft werden, ist noch offen. „Darüber wird noch gesprochen“, sagt Nemitz. Mindestens daumendick müssten die Setzlinge aber schon sein.

Auch sei noch offen, an wen genau die Aufforderung zur Nachpflanzung gerichtet wird – „das müssen Juristen noch klären“, so Nemitz.

Ob sich die Wogen damit glätten? Wohl kaum. Auch wenn das Bußgeld inzwischen bezahlt ist, wie Nemitz berichtet. Was bleibt, ist die Verwunderung über einen Kahlschlag in einem Biotop, in dem ein ganzjähriges Beseitigungsverbot gilt. Jetzt heißt es warten, bis die Setzlinge wieder zu ordentlichen Bäumen und Sträuchern herangewachsen sind . Im Frühjahr soll die Pflanzaktion beginnen.

Alle Infos aus der Region lesen Sie hier

gr

Kommentare