VonChristina Jachert-Maierschließen
Der aggressive Schwan in der Schwaighofbucht ist ein Sicherheitsproblem. Die Stadt soll eine Anordnung treffen. Dort will man nicht mit Kanonen auf Schwäne schießen.
Tegernsee – „Einer hat halt den Schwarzen Peter“, meinte Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) im Stadtrat. Einer müsse sich darum kümmern, was seit Wochen die Gemüter bewegt und viel mediale Aufmerksamkeit erfahren hat: Um die Frage, wie viel Schutz im kommenden Sommer vor Schwanen-Attacken nötig ist. Tätig werden müsse die Stadt, machte Hagn deutlich. Aber in welchem Ausmaß: „Sollen wir mit Kanonen auf Schwäne schießen?“
Im Raum stand eine Sperrung der gesamten Bucht für Schwimmer und Stand-up-Paddler. Bis zum Herbst, dann werden der Schwan und seine Gefährtin umgesiedelt. Der Vorschlag, baden und paddeln in dem Bereich bis dahin zu verbieten, sei bei einem Treffen im Landratsamt am 18. April entstanden, berichtet Geschäftsleiter Hans Staudacher. Das Landratsamt vertrete die Meinung, die Stadt als zuständige Sicherheitsbehörde müsse eine entsprechende Anordnung erlassen. Schilder an den Hauptzugangsstellen sollten auf das Verbot hinweisen. Die Einhaltung werde der Naturschutzwächter des Landkreises im Blick haben.
„Das kann ja wohl nicht wahr sein“, meinte Florian Widmann (CSU), der ein Schwimmverbot strikt ablehnte. Wie all seine Kollegen am Ratstisch: Einstimmig folgte das Gremium dem Vorschlag von Bürgermeister Hagn, lediglich die Schilfzone und den Brutbereich mit gelben Schutz-Bojen zu umgeben. Zudem werden Schilder aufgestellt, die das Füttern von Wasservögeln verbieten. Dies aber nicht nur an der Schwaighofbucht, sondern an allen städtischen Uferbereichen.
Erleichtert wurde die Entscheidung durch die Stellungnahmen der Bayerischen Seenschifffahrt und der Nachbargemeinde Rottach-Egern. Demnach haben Bootsführer der Seenschifffahrt keine Attacken beobachtet, und auch der Betriebsleiter des Warmbads nahe der Bucht gab Entwarnung: Es seien bisher keine Besucher attackiert worden. Man beobachte den Schwan seit zwei Jahren. Offenbar, so Geschäftsleiter Staudacher, greife der Schwan ausschließlich Stand-up-Paddler und Kanuten an. „Auf die hat er sich eingeschossen.“ Größere Boote und Schwimmer interessieren ihn den Schilderungen zufolge nicht: „Die Fischer werden nicht behelligt.“
Auch dem Bürgermeister schenkte der zum Schrecken gewordene Schwan keine Beachtung. „Ich war etliche Male vorn, um zu schauen, ob ich ihn überhaupt identifizieren kann“, berichtete Hagn. Dabei habe er nichts Auffälliges beobachten können. Die gesamte Bucht zu sperren, halte er für unsinnig. „Wir haben hier ein Warmbad, zwei Bootsverleihe und natürlich auch Anlieger, die dort baden.“ Und was, wenn der Schwan als nächstes die Popperwiese anfliege oder das Ufer in Bad Wiessee: „Sperren wir dann den ganzen See?“
Aufgefallen seien ihm Hunde, die den Schwan gejagt haben. Er wisse auch, dass „eine bestimmte Dame“ und immer wieder Gäste die Wasservögel reichlich füttern. Geärgert hat sich Hagn schon über „Leute, die von Hessen rauffahren und uns erzählen, dass wir den Schwan in Ruhe lassen müssen“. Nur um danach auf Facebook ein Foto dicht am Schwan zu posten.
Es müsse doch genug sein, gesunden Menschenverstand walten zu lassen, meinte Martina Niggl-Fisser (Bürgerliste): „Ich verstehe das Ganze nicht.“ Ihr habe man schon als Kind beigebracht, dass man sich von Schwänen besser fernhalte. Es handle sich ganz einfach um ein Tier, das sein Nest beschütze, sagte Markus Schertler (CSU): „Das ist die Natur.“
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