VonGabi Wernerschließen
Ein Sonntag am Tegernsee ohne Staus und Verkehr? Für viele Talbewohner ist das kaum noch vorstellbar. Jetzt hat ein Tegernseer Bürger einen Vorschlag gemacht, der genau das möglich machen könnte.
Tegernsee – Staus und lärmender Verkehr gehören an einem schönen Ausflugssonntag im Tegernseer Tal so sicher dazu wie das Amen in der Kirche. Ändern lässt sich das vermutlich nur schwer. Aber zumindest ein Zeichen könnte man setzen, findet Peter Voggenreiter aus Tegernsee. Er schlug bei der Bürgerversammlung im Tegernseer Quirinal die Einführung eines autofreien Sonntags vor. Einmal im Jahr könnten Einheimische und Gäste freiwillig auf ihren fahrbaren Untersatz verzichten, meinte er in seinem Antrag. „Das würde sich gut ins Klimaschutzkonzept der Region einfügen.“
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Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) reagierte zurückhaltend. „Ich kenne das aus meiner Jugend“, meinte er. „Da muss man mal drüber nachdenken.“ Dagegen zeigte sich Vize-Bürgermeister Heino von Hammerstein (Bürgerliste) recht begeistert von dem Vorschlag. „Ich finde die Idee gut, das sollte politisch unterstützt werden“, meinte er und schlug vor, den autofreien Sonntag bei einer Dienstbesprechung der Bürgermeister zu thematisieren. Am Landratsamt Miesbach ist man offenbar schon einen Schritt weiter: Wie Peter Schiffmann, SPD-Stadtrat und zugleich Fachbereichs-Leiter Mobilität am Landratsamt, mitteilte, arbeite man bereits an der Umsetzung einer solchen Idee.
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Kritisch sah den Vorschlag dagegen FW-Stadtrat Peter Friedrich Sieben. Die Idee sei ja sympathisch und nett, räumte er ein, er gebe aber zu bedenken, „wo wir hier sind“. Das Tegernseer Tal lebe vom Tourismus und könne somit nicht über die Köpfe der Gastronomen hinweg entscheiden, „dass die an diesem Sonntag keinen Umsatz machen“, sagte Sieben. Aus rein wirtschaftlichen Gründen fände er es nicht gut, so etwas einzuführen.
Antragsteller Voggenreiter wollte das so nicht stehen lassen. Man könne die Gastronomie-Vertreter durchaus mit ins Boot holen, fand der Tegernseer. Diese könnten beispielsweise E-Fahrzeuge bereit stellen, um die Gäste zu ihren Betrieben zu bringen. Auch die Beförderung mit Kutschen oder Rikschas wäre eine Option. „Es ist doch auch im Sinne des Tourismus’, wenn mal Autofreiheit stattfindet“, meinte Voggenreiter.
