VonGerti Reichlschließen
Der Abriss des Feuerwehrhauses ist beschlossen, das Raumprogramm steht, die EU-weite Ausschreibung ist gelaufen. Dennoch haben fünf Tegernseer eine Unterschriftenaktion für den Erhalt gestartet.
Tegernsee – Markus Staudacher, 50, war selbst nie bei der Feuerwehr. Aber als Tegernseer Bürger sei ihm das alte historische Feuerwehrhaus an der Hochfeldstraße mit seinen markanten Toren und der Lüftlmalerei ans Herz gewachsen. Als die Stadt nach einjährigem Ringen um den idealen Standort, nach einer intensiven Auseinandersetzung mit einer Machbarkeitsstudie von Städteplanerin und Architektin Claudia Schreiber, nach Besichtigungen und Sondersitzungen zunächst gegen zwei Stimmen den Grundsatzbeschluss für den Abriss des Gebäudes fasste, da unternahm Staudacher noch nichts. Das war im Februar 2017. Jetzt, anderthalb Jahre später, legen er, Petra Schmid, Isotte Herb, Barbara Staudacher und Sabine Mandl doch noch nach: Sie haben eine Unterschriftenaktion für den Erhalt des Feuerwehrhauses und des daneben liegenden Spielplatzes gestartet.
„Es ist nie zu spät, so lange der Planungsauftrag noch nicht vergeben ist“, sagt Staudacher. Dass es ein Fehler gewesen sei, so spät etwas gegen den Abriss zu unternehmen, muss er allerdings einräumen. Viele Tegernseer, das werde ihm jetzt beim Unterschriftensammeln im ganzen Tal bewusst, seien „entsetzt“, dass das Haus wegkomme. Er sei überzeugt, dass ein Umbau und ein Anbau möglich seien. Auch werde er versuchen, beim Landesamt für Denkmalpflege eine Aufnahme in die Liste erhaltenswerter Gebäude doch noch zu erreichen. „Ich erkenne voll an, dass die Feuerwehr unter den jetzigen Bedingungen nicht mehr arbeiten kann“, so der Initiator, „aber es ist schade, wenn so ein markantes Haus tatsächlich weg kommt.“
Während Feuerwehr-Kommandant Wolfgang Winkler die Aktion nicht kommentieren möchte, „um kein Öl ins Feuer zu gießen“, wird Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) deutlich. „Der Stadtrat wird sich am Ende sicherlich nicht von der Aktion beeinflussen lassen, denn das wäre eine Rolle rückwärts.“ Das Argument der Initiatoren, die Öffentlichkeit wisse nicht Bescheid, will Hagn zudem nicht gelten lassen. „Es wurde in allen Medien berichtet, auch im Ratsinformationssystem.“
Lesen Sie hier über weitere Debatten im Stadtrat zum Thema Feuerwehrhaus.
Hagn verteidigt die Beschlüsse des Stadtrats: „Wir haben uns jahrelang damit befasst, haben wirklich sauber gearbeitet und unsere Entscheidung getroffen.“ Man könne dem Stadtrat keinesfalls mangelnde Sachkompetenz vorwerfen. Auch habe man mit dem Denkmalschutz stundenlang das Haus von oben bis unten untersucht. „Wir gehen unseren Weg weiter“, stellt Hagn klar. „Und sollte es eine Bürgerinitiative geben, dann sind wir bereit.“
Trotz Gegeninitiative: Nach der Sitzungs-Sommerpause im Oktober, kündigt der Rathauschef an, werden nächste Schritte folgen. Dann werde der Architekt vom Stadtrat ausgewählt, ehe die nächste Planungsphase für einen „ansprechenden Bau“ erfolge. Auch müsse noch geklärt werden, wie viele Wohnungen in dem neuen Feuerwehrhaus möglich sind.
gr
