Passend zum Geburtstag des Nobelpreisträgers am 6. Juni wird heute Abend in Bad Tölz der Thomas-Mann-Gedenkweg eröffnet. Hier gibt‘s alle praktischen Infos für Literaturinteressierte.
Bad Tölz – Acht Stelen in Form von aufgeschlagenen Büchern laden Literaturfreunde zum Spaziergang ein. Sie können jetzt auf einem rund drei Kilometer langen Rundweg auf den Spuren von Thomas Mann wandeln. Eine Eröffnungsfeier für den Thomas-Mann-Gedenkweg findet an diesem Donnerstag im Park des ehemaligen Landhauses von Thomas Mann statt. Die aus Platzgründen limitierten Eintrittskarten sind bereits vergriffen. Den Tölzer Kurier nahm Christof Botzenhart, Dritter Bürgermeister und Kulturreferent des Stadtrats, der dieses Projekt angestoßen hat, vorab mit auf die neu ausgewiesene Runde.
Etwas mehr als eine Stunde sollte man für den Spaziergang einplanen. „Wir haben uns die Sache etwas kosten lassen“, sagt Botzenhart im Hinblick auf die Investition von stattlichen 70 000 Euro. Doch er ist überzeugt: Das Geld sei sinnvoll angelegt. „Thomas Mann ist mit Abstand die berühmteste Persönlichkeit, die jemals in unserer Stadt gelebt hat.“ Dank der Tölzer Erinnerungskultur kämen mittlerweile Thomas-Mann-Verehrer aus aller Welt in die Stadt.
Die mittels Digitaldruck auf Folien produzierten Tafeln haben eine witterungsbeständige Beschichtung und sind so robust konstruiert, dass sie auch gegen Vandalismus gefeit sein sollten. Sie befinden sich an der Stadtbücherei, am Alten Bahnhof, am Süd- und Nordufer des Klammerweihers, vor der Mann-Villa, am ehemaligen Prinzregent-Luitpold-Genesungsheim, beim „Café am Wald“ sowie am Schlittenberg an der Galgenleite (siehe Plan oben).
Alle Tafeln zeigen ein Abbild des jungen Thomas Mann (beim Bau seines Tölzer „Herrensitzchens“ anno 1909 war er 34 Jahre alt), dazu zahlreiche, zur jeweiligen Örtlichkeit passende interessante historische Fotos und entsprechend zugeordnete sinnfällige Zitate von Thomas Mann und seinen Kindern Klaus, Golo und Monika, die hier prägende Jahre ihrer Kindheit verbrachten. Klaus etwa wird mehrfach aus seinem Buch voller Tölzer Erinnerungen „Kind dieser Zeit“ zitiert.
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Als erste Station und Startpunkt der Rundwanderung wurde mit Bedacht die Stadtbücherei ausgewählt, wo die Stadt ihr Thomas-Mann-Zimmer eingerichtet hat. Dann der Alte Bahnhof: der Ort, wo die große Familie immer angekommen ist, worauf Erinnerungen von Tochter Monika hinweisen. Auf der ersten Tafel am Klammerweiher – Ort der ersten Tölzer Badeanstalt – erinnert Klaus an schöne Kinderjahre in dieser ländlichen Abenteuerlandschaft. Auf der nächsten Tafel wird Golo zitiert – mit Äußerungen des 80-Jährigen anlässlich seines Tölz-Besuches im November 1989, als er dort eine Friedenseiche pflanzte.
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Bei der von Stadtarchivarin Manuela Strunz vorgenommenen Textauswahl spielt die „große Literatur“ eine untergeordnete Rolle – im Vordergrund stehen Fundstellen aus Briefen und anderen Dokumenten. Die Tafel am ehemaligen Prinzregent-Luitpold-Genesungsheim (heute Lebenshilfe-Schule) erwähnt eine Spende des Schriftstellers für deren Bau 1912/14.
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Die Tafel am „Café am Wald“ erinnert daran, dass Gäste des Schriftstellers in dieser stark nachgefragten Herberge ein Zimmer nur nach Reservierung bekamen – sogar im Kriegsjahr 1917. Und der Schlittenberg an der Galgenleite, wo Thomas Mann so viel Schnee wie nie zuvor in seinem Leben sah, hat ihn zu einer jetzt dort zitierten Winterbeschreibung aus dem „Zauberberg“ inspiriert.
Rainer Bannier
