Bischofswiesen sucht neuen Bürgermeisterkandidat

Thomas Weber hört auf – sein Fazit: „Eine Bürgermeisterin wäre auch einmal schön“

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Bischofswiesen Bürgermeister Thomas Weber
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Thomas Weber wird sich für die Kommunalwahl 2026 nicht mehr als Bürgermeisterkandidat aufstellen lassen - warum er diese Entscheidung gefällt hat und was er sich für seinen Nachfolger wünscht.

Bischofswiesen – Man müsse die Vor- und Nachteile des Bürgermeisteramts abwägen und für den aktuellen Bürgermeister von Bischofswiesen Thomas Weber steht fest, dass er sein Zepter im nächsten Jahr übergeben wird – gerne auch an eine Kandidatin. „Das Amt hat Spuren hinterlassen und damit meine ich nicht nur meine grauen Haare. Natürlich hängt das immer vom eigenen Anspruch an die Position an – aber ich wollte schon immer alle Termine wahrnehmen und Projekte rasch durchziehen. Sie müssen wissen, ich werde jetzt 60 und im Alter braucht man dann schon immer länger nach solchen Termine, um den Akku wieder aufzuladen“, schildert Weber.

Dennoch blickt er ohne Reue auf seine zwölfjährige Amtszeit als Bürgermeister zurück. „Ich habe begonnen, als sich das Höhlenunglück ereignet hat, darauf will ich gar nicht näher eingehen – es gab aber auch sehr viele schöne Momente in meiner Karriere. Zum Beispiel die Umstrukturierung und der Umbau unseres Kindergartens – dieses Projekt ist mir besonders ans Herz gewachsen, oder die Ganztagsschule – da haben wir bereits acht Gruppen – und sind damit bestens auf den Rechtsanspruch vorbereitet“, so Weber.

Er ist stolz auf seinen motivierten Gemeinderat, mithilfe dessen er viele Projekte umsetzen konnte. Ebenso ist er mit der Entwicklung der Bodenbevorratung und der Entstehung von leistbaren Wohnraum „am Burgergraben“ zufrieden – „Hier könnte es zwar gerne schneller gehen, aber ich bin sehr zufrieden damit, was wir gemeinsam geleistet haben.“

Früher war's besser

Dass sich Projekte heutzutage besonders in die Länge ziehen und die bürokratischen Hürden immer mehr werden, ist mitunter einer der Gründe, weshalb Weber sein Amt abgibt. „Es ist schon sehr frustrierend. Zum Beispiel der Bahnhalt Winkl - den haben wir 2019 bewilligt bekommen - und jetzt haben wir 2025 und es ist absehbar, dass die Fertigstellung erst 2028 ein Thema sein wird. Das liegt zum Teil auch an den großen Behörden, wo die Mühlen langsamer mahlen. Das ist sehr zeitaufwändig und ich bin jemand, der solche Projekte eigentlich gerne schnell abschließt.“

Die Verantwortlichen scheinen sich öfter vor pragmatischen Entscheidungen zu scheuen. Die bürokratischen Hürden werden laut Weber immer mehr, dadurch ziehen sich insbesondere Bauprojekte oft in die Länge. Würde er sich in Rückblick auf seine Karriere dennoch wieder für das Bürgermeisteramt entscheiden? „Mir macht das Bürgermeisteramt nach wie vor Freude, ich würde es also immer wieder machen. Ich habe es nie bereut, das Amt anzunehmen und würde auch niemanden davon abraten.“

„Man hört nicht einfach auf, Bürgermeister zu sein“

Wenn man sich für das Bürgermeisteramt entscheidet, sollte man sich bewusst sein, was das genau bedeutet - die Privatperson Thomas Weber gab es bereits nach Antritt seiner Position nicht mehr. „Man ist immer der Bürgermeister - egal wo man hingeht. Es muss also jeder oder jede entscheiden, ob er sich der Situation gewachsen fühlt. Die Privatperson existiert dann nicht mehr“, so Weber.

Was erhofft Weber von seinem Nachfolger? „Meinem Nachfolger oder auch meine Nachfolgerin, eine Bürgermeisterin wäre ja auch einmal schön – wünsche ich, dass er oder sie alle Projekte, die jetzt noch am Laufen sind, fertigstellen kann und auch neue Projekte entwickelt und umsetzt. Das hängt natürlich wesentlich davon ab, wie dann der Gemeinderat aussieht – hoffentlich ebenso motiviert, wie es in meiner Amtszeit der Fall war“, sagt Weber. Aktuell haben sind es im Landkreis BGL 15 Bürgermeister, also 15 Männer.  „Ich bin überzeugt, dass eine Frau Bürgermeisterin andere Ideen und Vorschläge einbringen könnte. Ob eine Frau als Bürgermeisterin besser für eine Gemeinde ist, als ein Mann als Bürgermeister, kann ich nicht beantworten. Jeder Person ist anders. Wichtig aus meiner Sicht ist, dass man nicht nur Bürgermeister wird, man muss Bürgermeister sein. Und das ist unabhängig von Mann oder Frau“, schließt Thomas Weber.

Drei von fünf treten nicht mehr an

Mit dem Rücktritt von Weber müssen sich im gesamten drei der Berchtesgadener Talkesselgemeinden nach einem neuen Kandidaten umsehen. In der Ramsau und in Schönau am Königssee haben sich Herbert Gschoßmann und Hannes Rasp ebenfalls dazu entschieden, bei der Kommunalwahl 2026 nicht mehr anzutreten. (jj)

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