Tölzerin fällt beinahe herein

Betrugsversuch statt Traumwohnung: Vorsicht vor dieser Masche

+
Mietvertrag nur gegen Vorkasse: Bei solchen Angeboten sollte man stutzig werden.
  • schließen

Brigitte Grain hatte sich schon so auf die neue Wohnung gefreut. Doch beinahe wäre die Tölzerin einer Betrügerin aufgesessen.

Bad Tölz – Die Bilder des Online-Inserats hatten es Brigitte Grain (58) angetan. Sie dachte, dass sie ein neues Zuhause für sich gefunden hatte. Doch beinahe wäre die Tölzerin bei ihrer vermeintlichen Traumwohnung auf einen Betrug hereingefallen.

Auf dem Internetportal ImmobilienScout24 hatte sich Grain auf die Zwei-Zimmer-Wohnung in Bad Tölz beworben. Von der angeblichen Vermieterin wurde sie angeschrieben. Sie hätte acht Jahre in Tölz gelebt und sei nun wieder zurück nach Italien gegangen. Über das Interesse Grains freute sich die Italienerin und bot der Tölzerin an, die Wohnung innerhalb von zwei Tagen zu besichtigen. Im Vorfeld sollte die 58-Jährige allerdings rund 1400 Euro überweisen.

Das hat Grain dann stutzig gemacht. Mit bösen Absichten rechnete die 58-Jährige aber nicht. Den Betrag hatte sie sich sogar schon zurechtgelegt. „Ich war schon so weit, das Geld zu zahlen“, sagt die Tölzerin. Die Italienerin versprach ihr zudem die volle Rückzahlung, wenn sie die Wohnung nicht nehmen würde.

Erst eine Freundin riet der Tölzerin, unbedingt die Finger von dem Objekt zu lassen und auf keinen Fall das Geld zu überweisen. Zudem hatte Grain die vermeintliche Vermieterin immer wieder um ein persönliches Gespräch gebeten – angerufen hatte diese jedoch nie. Die Tölzerin hat sich deshalb auch bei der Adresse der Mietwohnung umgehört und herausgefunden, dass es dort gar keine Wohnung gibt, die zu vermieten ist.

Grain hat den Vorfall an das Online-Portal gemeldet. „Die haben sich dafür bedankt“, sagt die 58-Jährige. Beim Immobilien-Anbieter weiß man durchaus von den „schwarzen Schafen und Betrügern“, sagt Tobias Frank, PR-Manager bei ImmobilienScout24, versichert aber: „Ebenso, wie Betrüger an ihren Methoden arbeiten, sind auch wir ständig aktiv und optimieren unsere Sicherheitsarchitektur.“ Dabei sei das Ziel immer, den Betrügern einen Schritt voraus zu sein. „Wir streben im Sinne unserer Nutzer eine bestmögliche Sicherheit an“, sagt Frank. „Ein Restrisiko bleibt jedoch immer bestehen.“

Lesen Sie auch: In neuem Gewand: Sitec wird SAM

Auf seiner Internetseite verweist der Online-Marktplatz auch ausdrücklich darauf, achtsam zu sein. Ein seriöser Anbieter würde demnach vor einer Besichtigung grundsätzlich nicht auf eine Geldzahlung bestehen. Eine Vorkassen-Zahlung sei ein eindeutiges Indiz für einen Betrugsversuch.

Mit hohem personellen als auch maschinellen Aufwand arbeite das Internet-Portal daran, betrügerische Methoden zu bekämpfen, erklärt Frank. „Heute entdecken wir rund 90 Prozent des versuchten Betrugs, bevor er überhaupt online geht“, sagt er. Sollte einem Nutzer ein unseriös erscheinendes Angebot auffallen, sollte er es unbedingt über die Funktion „Melden“ zur Prüfung übermitteln oder sich direkt an den Kundenservice melden.

Frank versichert auf jeden Fall, dass ImmobilienScout24 als Marktführer dabei helfen möchte, die Online-Suche sicherer zu machen. „In einem Markt, an dem das Angebot knapp ist und Menschen Schwierigkeiten haben, ein Zuhause zu finden“, sagt er, „möchten wir nicht zur Verunsicherung beitragen.“

Lesen Sie auch: Lebensgefühl Camping: Anbieter im Landkreis profitieren

Verunsichert ist Brigitte Grain dennoch. Von einem Nachbarn hatte sie nach dem Vorfall erfahren, dass eine Bekannte von ihm auf solch einen Betrug hereingefallen ist. Das Geld war weg, und auch einen Wohnungsschlüssel habe diese nie zu Gesicht bekommen. „Das wäre mir auch passiert“, sagt die Tölzerin aufgebracht, „wenn ich es nicht meiner Freundin erzählt hätte.“

Lesen Sie auch: „Orte der Ruhe“: Besondere Fotografien von Rainer Lampadius im Kloster Benediktbeuern

Kommentare