Lieber Wohnmobil als Hotel

Lebensgefühl Camping: Anbieter im Landkreis profitieren

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Begeisterte Camper: Die legere Art, Ferien zu machen, genießt Familie Endorfer mit (v. li.) Gerd, Anna-Lena, Magdalena und Birgit auf dem Campingplatz Kesselberg.

Campen liegt im Trend. Immer mehr Menschen reisen lieber mit dem Wohnmobil als im Hotel abzusteigen. Ein Bericht von den Campingplätzen im Tölzer Land.

Bad Tölz – Bei der einwöchigen Pauschalreise mit dem Flieger in eine All-Inklusive Hotelanlage düsen, dort mit Handtüchern um 7 Uhr morgens Pool-Liegen reservieren und sich an Essenszeiten beim Massenbuffet halten: All das kommt für viele Urlauber nicht mehr in Frage. Jahrelang haben sich Touristen am liebsten in immer exklusiveren Hotels bedienen und verwöhnen lassen. Doch mittlerweile sind Campingkocher, Luftmatratzen und die Freiheit des direkten Naturgenusses zunehmend im Trend. Das zeigt sich auch an der Popularität der Campingplätze im südlichen Landkreis. Sie melden Rekorde und vergrößern sich fortlaufend

So zum Beispiel der Demmelhof am Stallauer Weiher. „Wir sind gerade dabei, mehr Platz für unsere Gäste zu schaffen, der Bedarf ist definitiv da“, sagt Inhaber Josef Demmel (36). Immerhin hatte er im Sommer zirka 300 Camper täglich auf seinem Platz. „Von 2013 bis 2017 sind die Zulassungen von Wohnmobilen um 60 Prozent gestiegen“, erklärt der 36-Jährige. „Zu uns kommen ganz verschiedene Urlauber, die meisten sind Dauercamper oder Wanderer. Aber es gibt auch einige, die nur einen kurzen Zwischenstopp hier einlegen.“

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Zu Gast am Stallauer Weiher sind gerade auch die Stuttgarter Rentner Dorothee Walther (68) und Norbert Rink (72), die mit einem gemieteten Wohnmobil derzeit Oberbayern erkunden. „Der größte Reiz an dieser Art des Reisens ist für uns die Spontaneität und Nähe zur Natur“, finden sie. „Dazu sind die Menschen hier viel hilfsbereiter.“

Dorothee Walther und Norbert Rink am Stallauer Weiher.

Ein spontaner Zwischenstopp für eine Nacht? Das war am Bergcampingplatz in Lenggries an fast keinem der vergangenen Sommertage möglich. „Wir waren die meiste Zeit restlos ausgebucht“, sagt Mitbetreiber Hans Probst (44). „Für Weihnachten, Silvester, ja sogar für den Sommer 2020 haben wir auch schon Reservierungen erhalten.“ Er hat mit seinen Geschwistern vor einem Jahr die große Fläche mit Blick aufs Brauneck erworben. „Dass da dann ein Campingplatz drauf musste, war uns recht schnell klar“, erklärt er. Durch die unmittelbare Alpennähe zieht der Ferienort viele Sportler an. „Die meisten unserer Gäste sind Wanderer, Biker, Ski- und Langläufer“, betont Probst.

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Das gilt auch für Friseurin Barbara (43) und Polizist Philipp (47) Neuenschwander aus der Schweiz: „Wir fahren fast nur noch mit unserem Wohnmobil in den Urlaub“, sagen die 43-Jährige und ihr vier Jahre älterer Gatte, die auf dem Bergcampingplatz Station machen. Das Ehepaar sieht dadurch viele Vorteile: „Man ist ständig an der frischen Luft, kann auf den meisten Plätzen unkompliziert die Hunde mitnehmen und relativ frei wählen, wie lange man an welchem Ort bleiben möchte.“

Barbara und Philipp Neuschwander mit ihrem Hund „Lona“ auf dem Bergcampingplatz Lenggries.

Auch Alois Perkmann, Inhaber des Kesselberg-Campingplatzes am Kochelsee merkt, dass das von ihm angebotene Ferienkonzept immer populärer wird. „Wir haben mittlerweile Gäste aus allen Bevölkerungsschichten“, sagt der 60-Jährige. Die einen kommen mit Luxus-Wohnwagen, die anderen mit Zelt und Schlafsack.“ Perkmann lässt sich gerne Neues für sein Urlaubsparadies einfallen: „Seit Kurzem haben wir auch Übernachtungsfässer für Gäste die ohne mobiles Zuhause anreisen. Die sind sehr beliebt“, erklärt der Geschäftsmann. Trotzdem sieht er einen Haken: „Leider fahren die meisten, sobald das Wetter schlechter wird, schnell weiter Richtung Süden. Man ist beim Campen eben ungebunden und flexibel.“

Genau diese Flexibilität schätzen seine Dauergäste, die Familie Endorfer aus Garmisch-Partenkirchen. Seit zwei Jahren haben sie einen festen Stellplatz am Kesselberg gemietet. „Campen bedeutet für uns Freiheit“, sagt der Rentner Gerd Endorfer (77). „Wir können kommen und gehen, wann wir wollen, und haben dabei keine Zwänge wie in einem Hotel. Dazu ist es preiswert“.

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Keine Zwänge zu haben, genau das gefällt dem alteingesessenen Camper Reinhold Strehl (68), Rentner aus Niederwerth, besonders gut. Seit 1991 kommt für ihn keine andere Urlaubsvariante mehr in Frage. „Mit meinem Wohnmobil bin ich flexibel und kann tun und lassen, was ich will“, erklärt er auf dem Campingplatz am Stallauer Weiher. „Ich muss mich zum Essen nicht erst schick machen wie in einem Hotel oder zu einer bestimmten Uhrzeit beim Frühstück sein“, schwärmt er. „Außerdem sind die Leute hier viel entspannter, unkomplizierter und kommunikativer.“ Camper zu sein, muss man laut Strehl einfach im Blut haben. (Felicitas Bogner)

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