100 000 Euro hat die Stadt Bad Tölz bereit gestellt. Damit soll es möglich sein, Veranstaltungen zu fördern. Wie etwa das „Summer Village“, das aufgrund des finanziellen Risikos eingestellt worden war.
Bad Tölz – Der Anschlag am Olympia-Einkaufszentrum in München im Juli 2016 führte dazu, dass das gleichzeitig stattfindende „Summer Village“-Festival in Tölz floppte. Kabarettist Django Asül sagte seinen Auftritt zwei Tage später ab, das große Zelt blieb leer. Veranstalter Peter Frech will seitdem nicht mehr das ganze Risiko tragen. Auch Rosentage-Veranstalterin Michaela Dorfmeister muss immer wieder mit Wetter-Kapriolen rechnen und hat schon einzelne Messe-Tage absagen müssen.
Frechs wie Dorfmeisters Veranstaltungen haben überregionale touristische Bedeutung. Das stieß im Stadtrat eine Diskussion um einen Kulturfonds an, mit dem solche unvorhersehbaren Risiken durch Ausfallbürgschaften abgesichert werden können und das hochwertige Veranstaltungsangebot der Stadt erhalten werden kann. Erstmals diskutierte der Stadtrat im November 2017 auf Antrag der stellvertretenden Kurdirektorin Susanne Frey-Allgaier. Gut eineinhalb Jahre später legte die Vize-Kämmerin Silke Furmanek nun in der jüngsten Sitzung des Stadtrats einen Richtlinien-Katalog für Förderung und Unterstützung von Veranstaltungen und Events vor.
Der Fonds umfasst jährlich 100 000 Euro. Heuer stehen noch 50 000 Euro zur Verfügung. Nach kurzer Diskussion stimmte der Stadtrat einmütig zu. Der Richtlinien-Katalog setzt die Rahmenbedingungen für Zuschüsse und Bürgschaften fest. Zum Beispiel, dass es sich um eine freiwillige Leistung handelt. Die Stadt kann also auch „Nein“ sagen. Mit den Zuschüssen sollen finanzielle Deckungslücken in einer Kalkulation geschlossen werden. Wichtig ist, dass die geförderten Veranstaltungen oder Projekte überregionale Wirkung entfalten und nachhaltige Bedeutung für die Attraktivitätssteigerung haben.
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Wer kann Anträge bei der Tourist-Info stellen? „Kulturschaffende, deren Sitz und Tätigkeitsschwerpunkt in Tölz liegt“, steht im Regelwerk. Das rief Florian Rein (FWG, Musiker) auf den Plan, der eine unnötige Einschränkung erkannte und lieber „Sitz oder Tätigkeitsschwerpunkt“ gelesen hätte. „Dadurch, dass wir Projekte mit außerordentlichem öffentlichen Interesse fördern, haben wir das schon abgedeckt“, erwiderte Furmanek. Gefördert werden aber auch Vereine, deren Satzung einen Kulturauftrag beinhaltet, allerdings nur für öffentliche Veranstaltungen. Parteipolitik muss übrigens auch außen vor bleiben.
Franz Mayer (Grüne) wollte wissen, ob das „Summer Village“ mit dem neuen Kulturfonds heuer wieder stattfinden werde. „Nein, heuer nicht“, erwiderte Frey-Allgaier. Grund seien „viele Faktoren. Wir können jetzt aber wieder in Gespräche gehen.“ Ingo Mehner (CSU) erkundigte sich, wie man damit umgehen werde, wenn es zu Budgetüberschreitungen kommt. Zuschüsse seien kalkulierbar, Ausfallbürgschaften nicht. Wenn man schon 80 000 Euro ausgegeben habe und es kommen 40 000 Euro hinzu, „dann müssen wir aufpassen“, antwortete Bürgermeister Josef Janker. Zur Not müsse gedeckelt werden.