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Normalerweise spielt die Tölzer Band „Route 66“ in Kneipen oder Clubs. Jetzt traten sie im Frauen-Gefängnis auf.
Bad Tölz/München – So ein Konzert erlebt eine Band nicht alle Tage. Statt in einem Musik-Club gab die Band „Route 66“ mit dem Tölzer Sänger Jacek Dlugosch, Schlagzeuger Hans Köstler, Gitarrist Jürgen Hasl und Bassist Nigel Blecer ihre Songs aus den 1970er-Jahren kürzlich auf der Bühne des Aufenthaltsraums im Frauengefängnis der JVA München zum Besten. „Es war eine ganz, ganz angenehme Party“, berichtet Bandleader Dlugosch, „und das ohne einen einzigen Tropfen Alkohol, weder für die Band noch fürs Publikum“. Dem Tölzer Kurier war der Besuch des Konzertes nicht genehmigt worden.
Rund „50 Damen von ganz jung bis rund 60 Jahre“ verbreiteten eine „ganz romantische Stimmung“, erzählt Dlugosch, dem die Umgebung durch seine Arbeit als Jugendgerichtshelfer bestens vertraut ist. „Es ändert nichts an der Situation der Frauen, die hier in Untersuchungshaft sind oder Haftstrafen bis zu zwei Jahren absitzen müssen. Aber es ist für sie mal ein schöner Nachmittag.“
Konzert im Frauenknast: „Es gab lauten Applaus, bis hin zu Gekreische“
Und den haben die Insassinnen den Beobachtungen der Band zufolge genossen. Der ganze bestuhlte Saal habe sehr schnell gestanden. „Es gab lauten Applaus, bis hin zu Gekreische“, freut sich Dlugosch. Und zu Songs wie „Let it be“ oder „Wonderful tonight“ seien imaginäre Feuerzeuge geschwenkt worden. „Als wir ,Irgendwann bleib i dann dort‘ von STS gespielt haben, ging das unter die Haut.“ Zu Schluss gab es Bussis, Handshakes und Umarmungen. Gespräche mit dem Publikum seien nicht gestattet gewesen. Beim Blickkontakt mit der einen oder anderen Frau habe er sich schon manchmal gedacht: „Mensch, Mädel, was hast du angestellt, dass du hier gelandet bist?“, gesteht Dlugosch.
„Über die Schicksale macht man sich automatisch Gedanken“, bestätigt Hans Köstler. Im Gegensatz zu seinem Leadsänger, der bereits zum sechsten Mal im Gefängnis auftrat, erlebte der Drummer zum ersten Mal diese spezielle Atmosphäre. „Das war sehr, sehr ungewohnt. Es wird alles untersucht: Taschen, Instrumente, Tücher, alles – die Kontrollen sind megastreng“, erzählt Köstler. Dafür entschädigte die Begeisterung, mit der selbst Frauen, die anfangs extrem reserviert waren, mitgingen. „Das war schön zu sehen. Es war ein tolles Erlebnis, ich würde es jederzeit wieder machen.“
Und schmunzelnd sagt Köstler: „Ich mache seit 33 Jahren Musik. In der Zeit habe ich es noch nie erlebt, dass alle Zuhörer bis zum Schluss geblieben sind. Aber hier ist niemand gegangen.“
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