Rund 80 Besucher waren zur Tölzer Bürgerversammlung in die Franzmühle gekommen. Nach dem straffen Jahresbericht von Bürgermeister Josef Janker stürzten sie sich in eine muntere Frage- und Antwort-Runde.
Bad Tölz – Das Themenspektrum in der Tölzer Bürgerversammlung am Donnerstagabend war breit gespannt und ging querbeet durch die Stadtpolitik.
Fußweg nach Ellbach
Katja Wilde wollte wissen, warum Fußgänger auf dem Weg nach Ellbach an der Dietramszeller Straße gezwungen seien, 200 Meter ohne Fußweg marschieren zu müssen. Das sei gefährlich. Man habe schon viele, leider vergebliche Anläufe beim Grundbesitzer gemacht, um Flächen zu erwerben oder zu tauschen, antwortete Bauamtsleiter Christian Fürstberger. Man bleibe aber dran.
Bairawieser Straße
Der Einmündungsbereich Bairawieser Straße in die Nockhergasse sowie die Hindenburgstraßen-Kreuzung vor dem Fernmeldeamt hält Michael Wiedemann für verschönerungswürdig. „Das ist im Hinterhof der Marktstraße eigentlich ein attraktives Ensemble.“ „Das stimmt schon“, gab Christian Fürstberger zu. Mit dem Bau des Kanals in der Bairawieser Straße sieht er das eigene Haus im Zugzwang, sich Gedanken über eine bessere Gestaltung der beiden Kreuzungen zu machen. Ganz einfach sei das nicht, da man auf die Kooperation des angrenzenden Postareal-Besitzers angewiesen sei. „Die Verhandlungen sind schwierig. Aber wir haben es auf dem Schirm.“
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160 Tölzer Babys?
Von 160 Tölzer Geburten hatte Sebastian König im schriftlichen Jahresbericht gelesen. „Wie definiert sich denn diese Zahl?“, wollte er angesichts der nicht mehr vorhandenen Geburtsabteilung in Tölz wissen. Der Standesbeamte im Rathaus, Wolfgang Steger, antwortete, dass damit alle Babys gemeint sind, die in Tölz wohnen. Also auch die, die in Wolfratshausen, Starnberg oder Agatharied geboren wurden.
Kneippbecken
Nicht gerade ansprechend findet Eva Irle den Tölzer Kurpark, dessen Bepflanzung alleine im Randbereich reine Alibifunktion habe. Kurdirektorin Brita Hohenreiter gab zu, dass die Bepflanzung in den letzten Jahren „etwas spärlich gehandhabt worden ist“. Sie will sich für mehr Blumenbeete einsetzen.
Irles zweite Anmerkung betraf das „unsägliche Kneippbecken“. Sie frage sich, für wen da so viele Steuergelder ausgegeben würden und wer das Kneippbecken wohl pflegen werde. Das harsche Urteil hielt die Kurdirektorin für „schade“. Kneippen sei immerhin Weltkulturerbe. Die Anlage werden den Kurpark aufwerten. Sie sei für Bürger und Gäste gedacht. Und gepflegt werde die Anlage vom Hausmeister der Tourist-Info.
Zum Sachstand der Planungen berichtete Fürstberger, dass man derzeit auf die Stellungnahme des Landesamts für Denkmalpflege warte, das die Situierung der Kneippanlage im historischen Kurpark prüfe.
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Thema Hunde
Freilaufende Hunde im Kurpark kritisierte Boris Wieck. Mit den Mitteln des Verwaltungsrechts sei uneinsichtigen Hundehaltern schwer beizukommen, räumte Fürstberger ein. Die Hunde-Hinterlassenschaften ärgerten Erhard Weixler, vor allem die, die in die roten Säckchen verpackt werden und dann „irgendwo“, aber falsch entsorgt werden.
Thema Rad
Bei den Vorarbeiten des Verkehrsentwicklungsplans sei vor einigen Jahren viel über Radwegekonzepte gesprochen worden, berichtete Anselm von Huene. „Wie ist denn der Stand?“ Man arbeite an vielem, erwiderte Bauamtsleiter Fürstberger. An den Radvorrangrouten zum Beispiel. Und an einer Verbesserung der Ost-West-Verbindung. Vandalismussichere Radstellplätze etwa am Bahnhof seien auch angedacht. Brigitte Kitzing aus dem Badeteil war nicht recht überzeugt und kritisierte auch die mangelhaften Weg-Beschilderungen.
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Das Badeteil
Willibald Raab wollte wissen, ob es bei den Planungen fürs Sanierungsgebiet Badeteil nur um Wohnungsbau geht und fragte nach einem Verkehrskonzept. Der Ansatz sei natürlich nicht Wohnungsbau, sondern touristische Nutzung, antworteten Fürstberger und Janker unisono. Zum Verkehr erwartet sich Fürstberger keine umwälzenden neuen Erkenntnisse. Als das Alpamare noch 350 000 Besucher im Jahr hatte, da sei der Verkehr eher ein Problem gewesen. Der Kreisverkehr vor der Tourist-Info werde gerade untersucht. Die Ergebnisse würden im Sommer vorgestellt.
Maria Büttner erhielt den meisten Beifall des Abends, als sie sich nach der Hausruine am Bruckfeld, „diesem Schandfleck“, erkundigte. Der Besitzer aus München habe Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan der Stadt erhoben, sagte Christian Fürstberger, um doch noch ihre Wohnungsbaupläne an der Ludwigstraße durchsetzen zu können. Anfang Mai werde dieses Normenkontrollverfahren am Verwaltungsgerichtshof in München behandelt.
Von Christoph Schnitzer