Skrupellose, aber populäre Masche

Geschäftsleute prangern frustriert an: Kunden schauen im Laden und kaufen online

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Probieren geht über studieren: Claus Janßen lässt seine Kunden viel testen. „Da kann der Online-Handel nicht mithalten“, sagt der Chef der Tölzer Weinhandlung Schwaighofer.
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Internet, Show-Rooming und Konzerne verderben den Tölzer Händlern das Weihnachtsgeschäft. So leicht geben sich viele aber nicht geschlagen.

Bad Tölz – Der Tölzer Christkindlmarkt mit den charmanten Buden und leuchtende Lichterketten in der Marktstraße kann nicht darüber hinwegtäuschen: Immer mehr Menschen kaufen ihre Präsente für das Weihnachtsfest eben nicht in den örtlichen Geschäften, sondern im Internet. Damit nicht genug: Um an den niedrigsten Preis zu kommen, ohne dabei auf eine persönliche Beratung zu verzichten, gibt es eine immer populärere und reichlich skrupellose Masche.

„Viele kommen zu uns rein, lassen sich ausführlich beraten und sagen, sie kämen morgen wieder. Dabei gehen sie nach Hause und bestellen das Produkt online, wo es eventuell ein paar Euro günstiger ist“, klagt Stefan Zauner, Geschäftsführer des gleichnamigen Schreibwaren- und Bürobedarfsgeschäfts an der Marktstraße.

„Show-Rooming“ (Beratungsklau) nennt man diese Vorgehensweise, unter der immer mehr lokale Kaufleute im Landkreis leiden.

Miet- und Personalkosten: Händler können nicht mit Online-Preisen mithalten

So auch Gabi Fritz. Sie führt seit vielen Jahren das Haushalts- und Spielwarengeschäft Denner. „Bei den Online-Preisen können wir natürlich – mit den zu stemmenden Mieten- und Personalkosten – nicht mithalten“, sagt sie. „Es ist wahnsinnig ärgerlich, wenn die Leute unsere Zeit und Beratung nutzen, aber dann wegen ein paar Euro woanders kaufen.“ Ein zusätzliches Problem sieht die Geschäftsinhaberin in der Sortimentserweiterung von Großkonzernen. „Jeder namhafte Supermarkt verkauft mittlerweile Haushaltsgeräte, teilweise auch Spielsachen. Freilich kommen da immer weniger Kunden in mein Fachgeschäft“, sagt die 61-Jährige. Das Weihnachtsgeschäft sei nach wie vor noch die rentabelste Zeit für sie im Jahr. „Ohne die Einnahmen aus der Vorweihnachtszeit würde sich mein Geschäft gar nicht mehr rentieren.“

Dass es immer schwieriger wird, ein Geschäft in Tölz zu halten, sagen viele. Dabei gehören die speziellen, kleinen Läden zum Flair der Altstadt. Die Händler lassen sich einiges einfallen, um sich den Internet-Giganten nicht geschlagen zu geben.

So auch die Weinhandlung Schwaighofer. Inhaber Claus Janßen lässt seine Kunden viel probieren. „Wir haben über 40 offene Weine und etwa 70 Spirituosen zum Probieren. Damit kann der Online-Handel nicht mithalten“, sagt der 59-jährige. Zusätzlich bietet er eigene lokale Spirituosen an und gibt seinen Kunden Selbstabholer- Rabatte beim Kauf von Wein-Kisten. „Es wäre dennoch gelogen zu behaupten, dass wir den Boom des Online-Marktes nicht spüren würden.“

Kundin interessierte sich nur für die Artikelnummer

Ähnlich sieht das der Inhaber des Dekorations-Geschäfts „Casa Culinara“, Joachim von Wittgensteyn-Krause. „Wir bieten den Kunden ein gemischtes und hochwertiges Sortiment an, mit vielen Dingen, die man nicht an jeder Straßenecke bekommt.“ Doch trotz aller Bemühungen, sich von der Masse abzuheben, werden viele angebliche Kunden immer dreister. Von Wittgensteyn-Krause erinnert sich an eine Besucherin in seinem Geschäft, die eine Tischdecke kaufen wollte. „Ich habe einen kompletten Ladentisch abgeräumt, um ihr die Decke vorzuführen und mir sehr viel Zeit genommen.“

Doch am Ende interessierte sich die Dame nicht für einen Kauf, sondern wollte die genaue Artikelnummer und Farbe der Tischdecke erfahren und verließ dann das Geschäft. „So was ist einfach nur unverschämt, passiert aber immer öfter“, ärgert sich der Geschäftsinhaber. Wie lange er noch mit seinem exklusiven Laden in der Marktstraße bleibt, ist ungewiss. „Vorerst bleibe ich sicher noch so lange, wie mein Mietvertrag läuft. Aber dann werde ich sehen müssen, ob es sich überhaupt noch rentiert“, sagt der Händler wehmütig. Sein Hauptgeschäft mache er vor allem mit seiner „treuen Stammkundschaft“.

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