Erste Sonntagsmesse seit vielen Wochen

Tölzer Gläubige freuen sich: „Hauptsache wieder eine Messe“

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Ein nicht ganz alltäglicher Sonntagsgottesdienst: Pfarrer Peter Demmelmair und Diakon George Papp gingen durch die Reihen und teilten mit Zange die Kommunion aus.

Unter großem Sicherheitsaufwand haben am Sonntag wieder die ersten Gottesdienste stattgefunden. „War schon ein bisserl merkwürdig“, gestand ein Besucher unter seiner Maske. „Aber Hauptsache wieder eine Messe.“

Bad Tölz – Wer dabei war, wird das wohl nicht vergessen. Im Wortsinn „merkwürdig“ verlief gestern der 10-Uhr-Hauptgottesdienst in der Stadtpfarrkirche. Tagelang hatte ein Team der Pfarrei den ersten Gottesdienst seit vielen Wochen minutiös durchgeplant und vorbereitet.

Wer am Freitag oder Samstag einen Platz bei Angelika Lindmair und Maria Büttner telefonisch reserviert hatte, bekam ihn nummeriert zugewiesen und konnte ihn über einen mit Pfeilen am Boden markierten Einbahnstraßen-Weg erreichen. Rund 65 Gläubige kamen und stellten sich diszipliniert am Kirchenportal an, um sich dann von Ordnern leiten zu lassen. Der Zwei-Meter-Abstand war vorher genau ausgemessen worden. Einige wollten Stühle zwecks der besseren Sicht verschieben. Zum Diskutieren über die vorgegebenen Regeln, sagt Claus Janßen, „gab’s da aber natürlich keinen Spielraum“.

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Es hätte übrigens sogar noch ein paar Plätze gegeben. Am Freitag riefen viele an. Dadurch war oft belegt. Am Samstag kamen dann eigenartigerweise kaum mehr Anrufe. Einige Firmlinge fanden sich unversehens ganz prominent im Chor im Rücken des Pfarrers wieder. Für Gehbehinderte war die Mariahilf-Kapelle reserviert. Alle Besucher trugen – auch beim Singen – Maske.

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Pfarrer Peter Demmelmair machte es, wie empfohlen, kurz in seiner Predigt. Nach Quarantäne und Isolation treffe man sich nun wieder im Hause des Herrn zu dem, was Kirche sei: Nämlich Gemeinschaft mit Menschen zu feiern, die ihr Herz öffnen. „Der Mensch ist für den Menschen die beste Medizin“, zitierte er Paracelsus.

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An was wird man sich noch erinnern? An einen Friedensgruß zum Beispiel in Form von Kopfnicken, an den sich einige noch gewöhnen müssen. Die Kollekte wurde am Schluss an den Kircheneingängen eingesammelt. Und für den Empfang der Kommunion gingen Demmelmair und Diakon George Papp mit der Hostienschale und Zange durch die Reihen zu jedem einzelnen Gläubigen, um ihm den Leib Christi zu bringen. „Schön war’s. Ich habe mich auf diesen Gottesdienst wirklich gefreut“, fasste Bürgermeistersgattin Stephanie Mehner auf Anfrage danach ihre Gefühlslage zusammen.

Christoph Schnitzer

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