Bürgermeister einigen sich bei Gespräch über Streitpunkte

Tölzer Nordspange: Die Kuh ist vom Eis

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Die Nordspange in einer Skizze des Bauamts Weilheim.

Der Tölzer Bürgermeister Josef Janker wusste nicht recht, ob er sich freuen oder ärgern sollte. Am Ende siegte die Zufriedenheit. Nach dem gestrigen Gespräch mit Bürgermeister Anton Margreiter aus Greiling schaut es nun nämlich ganz so aus, als seien alle Widerstände gegen die Tölzer Nordumgehung ausgeräumt. „Die Kuh ist vom Eis“, sagte Janker, „ich hoffe, dass Greiling als einziger Kläger nun seine Klage zurücknimmt.“

Bad Tölz – Dafür muss Tölz allerdings eine Kröte schlucken. Die jetzige Bundesstraße 472 am Kasernenberg wird nach Fertigstellung der Nordspange zur Ortsverbindungsstraße. Die Gemeinde Greiling will aber nichts mit der Baulast zu tun haben, da die Stadt alleiniger Profiteur des 410 Meter langen Straßenstücks sei. „Wir übernehmen also die Räum- und Streupflicht“, sicherte Janker zu, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die Kreisstadt nun schon zum wiederholten Male fürs Gemeinwohl Aufgaben anderer Kommunen übernommen habe. Tölz habe, um das Bergwachtzentrum zu ermöglichen, für Gaißach die Ablöse für Ausgleichsflächen übernommen. Und fürs Wanderwegekonzept Tölzer Land Süd trage die Stadt die Kosten der Gemeinde Wackersberg.

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Greilings Bürgermeister Anton Margreiter blickt lieber nochmals auf das seiner Meinung nach unzureichende Planfeststellungsverfahren zurück. „Die Greilinger Bedenken sind halt nicht gehört worden.“ Die Gemeinde sei keineswegs „ein Verhinderer“, wehrte er sich gegen frühere Vorwürfe aus dem Tölzer Rathaus. Er begrüßte die Zusage der Baulastübernahme durch die Stadt und sicherte zu, „dass, wenn wir doch noch am Flugplatz Grund erwerben können, dann selbstverständlich unseren Teil zum Bauunterhalt der Straße beitragen werden. Dann nutzen wir sie ja auch.“

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Auf wegen der zwei anderen Greilinger Kritikpunkte sieht Margreiter die Verhandlungen auf einem guten Weg. Wohin zum einen mit dem Oberflächenwasser? Hier hat das Bauamt Weilheim zugesichert, dass das Wasserwirtschaftsamt nochmals eine Aussage dazu trifft, ob die geplanten Entwässerungsmaßnahmen greifen und ob das Hochwasserschutzkonzept der Gemeinde Greiling damit vereinbar ist. Stefan Vogt vom Bauamt Weilheim ist aber überzeugt, „dass wir da keinen große Überraschung erleben werden“. Mit dem geplanten Regenrückhaltebecken werde die Situation ja verbessert.

Punkt 3 schließlich: Die Radwegeverbindung nach Tölz, die die Gemeinde auf drei verschieden gewidmeten Straßen als eher verkehrsunsicher kritisiert. Hier ist nun eine völlig neue Lösung gefunden worden. Der Radweg soll nördlich der Tölzer Straße in Richtung Flugplatz und an einem Erschließungsweg entlang zur B 13 und weiter neben der Allgaustraße in Richtung Eichmühle und Tölzer Bahnhof geführt werden. „Wir wollen auf direktem Weg nach Tölz kommen“, sagt Margreiter. Möglich sei das, sagt Vogt. Das Ingenieurbüro habe grünes Licht gegeben. Es sei kein neuer Flächenverbrauch nötig.

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Wenn alle kommunalen Gremien dem Lösungspaket zustimmen, so Margreiter, dann werde die Klage zurückgenommen. Frage ans Bauamt: Wann kann dann der Bau der Nordspange beginnen? Vogt bremst die Erwartungen. Der Grunderwerb mit den Privatbesitzern beginne erst, wenn die Klage zurückgenommen sei. Bauausführungsplanungen und Ausschreibungen würden sicherlich noch ihre Zeit benötigen. Er schätzt vorsichtig, dass Ende 2021 mit dem Anlegen der Baustraßen und Spartenverlegung begonnen werde. Der Bau der eigentlichen Nordumgehung werde dann – die technischen Bauwerke seien nicht einfach – auf jeden Fall zwei, drei Jahre dauern.

Von Christoph Schnitzer

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