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Fünften Geburtstag feiert dieser Tage das Tölzer Planetarium. Dort ist viel mehr möglich, als nur der Blick in die Sterne.
Bad Tölz – Von Bad Tölz aus hat man zu jeder Tages- und Nachtzeit und bei jedem Wetter einen perfekten Blick in den Sternenhimmel. Einheimische und Gäste wissen das zu schätzen. Seit der feierlichen Eröffnung des Tölzer Planetariums am 12. Februar 2014 haben sich dort genau 4372 Besucher auf die Reise in unendliche Weiten begeben. Zum fünften Geburtstag der Attraktion am Schloßplatz zieht der Betreiber Albert Maly-Motta eine durchweg positive Bilanz.
„Die Besucherzahl klingt vielleicht nach wenig“, meint Maly-Motta bescheiden, fügt aber hinzu: „Man muss bedenken, dass nur 35 Plätze vorhanden sind.“ Für die 201 Vorführungen ergebe sich also eine durchschnittliche Auslastung von 73,5 Prozent.
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Errichtet hat das Planetarium die Stadt Bad Tölz neben dem Marionettentheater. Dessen Pächter, die professionellen Puppenspieler Maly-Motta (61) und Karlheinz Bille, sind auch Inhaber des Planetariums. Großen Anteil daran, die Einrichtung mit Leben zu füllen, hat aber auch der Wackersberger Franz Xaver Kohlhauf – ein „Astronomie-Urgestein“, wie Maly-Motta sagt, und Vorsitzender der „Isarwinkler Sternfreunde“. „Ich bin sehr glücklich über diese Zusammenarbeit“, sagt Maly-Motta. „Wäre ich allein auf weiter Flur gewesen, hätte ich das Planetarium gar nicht erst angefangen.“
Sterne gucken in Wohnzimmer-Atmosphäre
Jeden Samstag nun referieren Maly-Motta um 18 Uhr und Kohlhauf um 19.30 Uhr bei den Vorführungen im Planetarium. Der Eintritt liegt übrigens seit der Eröffnung unverändert bei 8 Euro für Erwachsene und 6 Euro für Kinder. Der „besondere Charme“ des Tölzer Planetariums liegt für Maly-Motta genau darin: dass zur Projektion des Sternenhimmels ins Rund der Decke eben keine Stimme vom Band kommt, sondern ein „live gesprochener“ Vortrag in „Wohnzimmer-Atmosphäre“. Oft kämen dabei erfrischende Rückmeldungen von Kindern – wie von dem Sechsjährigen, der einmal zum Mars reisen will. Unter unter Erwachsenen „kommt man unterm Sternenhimmel schon mal ins Philosophieren“, sagt Maly-Motta. „Denn man schaut ins Unendliche und in die Vergangenheit.“ Schließlich komme das Licht von einem Stern erst viele Jahre später auf der Erde an.
„Denkwürdige Ereignisse und stets ausverkauft“ waren laut Maly-Motta außerdem die Live-Veranstaltungen unter der Kuppel – ob nun die Lesung der „Bairischen Weltg’schicht“ oder Harfenkonzerte. Von Beginn an habe man mit dem Sprecher Klaus Wittmann, dem Dreigesang Ossiander-Darchinger und der Harfenistin Stefanie Schwarz kooperiert.
Heiraten unter dem künstlichen Sternenhimmel
Etwas ganz Besonderes seien auch immer die Hochzeiten im Planetarium. Dabei klappe das Zusammenwirken mit dem Standesamt und dessen Leiter Franz Steger hervorragend, lobt Maly-Motta. Die Zahl der Hochzeiten in diesem außergewöhnlichen Ambiente schwanke – „vielleicht sechs bis sieben pro Jahr.“ Oft hätten die Paare einen persönlichen Bezug zur Astronomie.
Nicht zuletzt gebe es auch Sondervorstellungen für Privatpersonen. International renommierte Lichtdesigner seien im November 2017 zu Gast gewesen, als die Tölzer Firma Seebacher, die auch das LED-Licht im Planetarium entworfen und eingebaut hatte, zu einer Fachtagung an den Schloßplatz lud.
Dass auch vor dem Haus reger Betrieb herrscht, dafür sorgt Kohlhauf durch Veranstaltungen mit der Gelegenheit zur direkten Himmelsbeobachtung. Maly-Motta hebt dabei die Sonnenfinsternis am 20. März 2015, den Merkur-Transit am 9. Mai 2016 und die Mondfinsternis vergangenen Sommer hervor.
Technisch habe sich der Zeiss-Sternprojektor von 1962 als „zuverlässiger Partner“ bewährt. Die LEDS, die mittlerweile die Sechs-Volt-Glühbirnen ersetzen, weisen laut dem Betreiber nur ein Zehntel des Stromverbrauchs und der Wärmeentwicklung auf. 2015 schaffte das Planetarium ein großes Celestron-Teleskop mit GPS-Steuerung an, für das auf Kohlhaufs Initiative hin vor dem Haus eine feste Säule aufgestellt wurde.
Nur ein Wunsch ist bei Maly-Motta noch offen: „ein bisschen mehr Interesse von den Schulen“, denn: „Sie nutzen das Planetarium noch nicht oft genug für die Erweiterung des Astronomie-Unterrichts.“
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