Und wieder verschwindet ein „gut geführter touristischer und gastronomischer Leistungsträger“, wie Kurdirektorin Brita Hohnereiter sagt, wohl aus Tölz. Reinhard Sieberer, Besitzer des Hotels und Restaurant Schlössl in der Schützenstraße, hat bei der Stadt einen Vorbescheidsantrag auf Abriss und Neubau von Wohnungen gestellt. Die Stadt sagt „Nein“.
Bad Tölz – Baurechtlich wäre der Antrag im Bauausschuss wohl ohne große Probleme durchgegangen. Sieberer hatte zwei Varianten vorgestellt. Entweder 12 Wohnungen in einem Baukomplex oder 16 kleiner Wohnungen in zwei Gebäuden, wie Stadtbaumeister Hannes Strunz erläuterte. Das Tölzer Bauamt hat den Bauplänen aber aus anderen Gründen einen Riegel vorgeschoben, und zwar einen massiven. Das Rathaus hat, was den Wohnungsbau im Badeteil betrifft, nun auch die Zeichen der Zeit erkannt und will die Weichen im Badeteil neu stellen. Dazu laufen derzeit, wie Bauamtsleiter Christian Fürstberger sagte, vorbereitende Untersuchungen für das Badeteil. Die Fragestellungen zum Beispiel: Wo sind touristischen Kernflächen, die erhalten bleiben müssen? Oder: Wie wird Wohnungsbau künftig definiert? Jedenfalls nicht mehr monostrukturiert wie bisher, das heißt hochpreisiger Eigentumswohnungsbau für eine betuchte Klientel. Das hätte sich schon herauskristallisiert, sagte Fürstberger. Stattdessen solle es künftig um einen Wohnungsmix gehen, der alle Bevölkerungsgruppen anspricht. Der Entwurf für dieses Badeteil-Konzept solle Mitte des Jahres vorliegen.
Lesen Sie auch: Streit um Bruckfeld-Grundstück: Stadt Bad Tölz unterliegt vor Gericht
Diese Ergebnisse sollten nach Fürstbergers Worten auch im konkreten Fall Schlössl einfließen. Das wird freilich dauern und ist für Sieberer derzeit unkalkulierbar. Die Räte lehnten auf Bitte Fürstbergers dennoch den Vorbescheid ab. In der nächsten Stadtratssitzung soll zudem eine Veränderungssperre erlassen werden. Die einzige Gegenstimme kam von Ulrike Bomhard (FWG). „Ich kann niemandem schlüssig erklären, warum der eine Nachbar so groß bauen darf, und der andere nicht“, nahm sie auf die zugebaute Schlösslwiese Bezug.
Lesen Sie auch: Der Alpenbus und seine Tücken
In diese Kerbe schlägt auch Reinhard Sieberer, der gestern „überhaupt kein Verständnis“ für die Entscheidung des Bauausschusses hatte. „Ich habe 30 Jahre geschuftet. Die Wohnhäuser wären meine Rente.“ Er könne nicht nachvollziehen, „dass die ganze Schlössl-Wiese zubetoniert werden darf und ich darf nicht bauen.“ Sieberer ergänzt, dass er 70 Jahre alt sei und ein 30-Betten-Hotel ohnehin heutzutage „einfach zu klein“ sei.
Von Christoph Schnitzer