Ist es nicht aus der Mode gekommen, dass junge Menschen in Zeiten von WhatsApp und Computerspielen heute noch mit viel Übungsfleiß und Selbstdisziplin ein Musikinstrument beherrschen wollen? Überhaupt nicht, wenn man sich die Erfolgszahlen der Tölzer Sing- und Musikschule anschaut.
Bad Tölz – Ist es nicht aus der Mode gekommen, dass junge Menschen in Zeiten von WhatsApp und Computerspielen heute noch mit viel Übungsfleiß und Selbstdisziplin ein Musikinstrument beherrschen wollen? Überhaupt nicht, wenn man sich die Erfolgszahlen der Tölzer Sing- und Musikschule anschaut: Mit großer Zufriedenheit, ja sogar mit Stolz hat der Verein in der Jahresversammlung seine Erfolgsbilanz für das laufende Jahr präsentiert.
Seit 29 Jahren ist Walter Frei Vereinsvorsitzender, und in dieser Zeit hat er den fast beispiellosen Aufstieg der Musikschule miterlebt und mitgestaltet. Seit 13 Jahren verfügt die Einrichtung über großzügige Räumlichkeiten im Greiner-Kulturhaus am Schlossplatz und hat aktuell rund 1000 Schüler, die von 34 Lehrkräften unterrichtet werden.
Das Spektrum ist riesig: Neben einer musikalischen Früherziehung und instrumentalen Grundausbildung wird Unterricht für alle gängigen Musikinstrumente (25) angeboten, daneben Gesang und Stimmbildung sowie 21 Ensemble- und Ergänzungsfächer – vom Zwergerlchor bis zum eigenen Sinfonieorchester.
Warum ist es so zeitlos wertvoll und gewinnbringend, selbst Musik zu machen und ein Instrument zu erlernen? Dafür lieferten Frei und Schulleiter Harald Roßberger eine ganz ähnliche Erklärung. Man erwerbe nicht nur eine Fertigkeit mit einem nachgewiesenen Glücksfaktor, sondern erfahre darüber hinaus auch eine nachhaltige Charakterbildung: „Musizieren prägt die Persönlichkeit, berührt Herz, Geist und Seele und sie fördert die emotionale und soziale Kompetenz junger Menschen“, hoben Frei und Roßberger mehrfach hervor.
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„Unsere gut ausgebildeten und zumeist langjährigen Fachlehrer sind alle fest angestellt und haben eine hohe musikpädagogische und künstlerische Qualität“, versicherte Roßberger. Um das Gesamtangebot der Musikschule in allen Facetten abzubilden, ließ er anschließend zehn seiner Lehrkräfte zu Wort kommen, was die Mitgliederversammlung ein wenig in die Länge zog, aber noch aufschlussreicher werden ließ. Ein wichtiger Punkt in vielen Beiträgen: Die Musikschule ist „fester Bestandteil der Tölzer Bildungslandschaft“ – und sie ist bestens vernetzt mit Kindergärten, Schulen und Kirchen, mit der Stadtkapelle, der Stadt Bad Tölz und der Tourist-Info.
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Die Früchte dieses gedeihlichen Miteinanders sind an unzähligen Veranstaltungen abzulesen: Große Kooperationsprojekte wie das Kirchenkonzert „Mass of the children“ oder das Tanztheater „Der Hexenmeister“ mit dem Tölzer Gymnasium sowie die hundert Konzerte im Rahmen der erfolgreichen Reihe „Die Stadt mit der besonderen Note“. Was die Musikschule ebenfalls mit Stolz erfüllt, sind ihre vielen Preisträger bei „Jugend musiziert“ und anderen namhaften Wettbewerben.
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Vorstandsmitglied Walter Wintersberger beleuchtete die geordneten Finanzen der Musikschule: Bei einem Jahreshaushalt von 760 000 Euro konnte trotz hoher Aufwendungen ein Plus erwirtschaftet werden. 55 Prozent der Gesamtausgaben werden vom Eigenanteil der Schüler beziehungsweise Eltern gedeckt, 28 Prozent steuert die Stadt Bad Tölz und acht Prozent der Freistaat bei. 85 Prozent der Kosten entfallen auf Personalvergütungen.
Seitens der Stadt nahmen Dritter Bürgermeister Christof Botzenhart und Stadtrat Michael Lindmair an der Versammlung teil. Vorstand Walter Frei gab bekannt, dass er noch bis 2021 amtieren möchte. Dann werde er 80 Jahre alt.
Rainer Bannier