Was das Turnhallenangebot betrifft, hat die Stadt Bad Tölz viele Hausaufgaben gemacht. Fehlt nur noch der alte Wunsch des Turnvereins, eine Gerätehalle zu bekommen.
Bad Tölz – „Wir schaffen Bewegung“ heißt der Flyer, der derzeit in Turnvereinskreisen kursiert. Daran wird die aktuelle Version eines alten Wunschs beschrieben. Schon vor Jahren wollte der größte Tölzer Sportverein mit 2300 Mitgliedern einen sogenannten Turnschlauch an die Dreifachturnhalle anbauen. Dort sind die Geräte fest aufgebaut, was unter anderem eine große Zeitersparnis bedeutet und das Handlungsspektrum des Vereins deutlich erweitert. Daraus wurde nichts.
Die jetzige Ideenskizze des Vereins dockt an das im Juni vorgestellte Konzept der Stadt für die Jahnschule an. Die Stadt möchte bekanntlich im Bereich des heutigen Pausenhofs einen Ergänzungsbau mit Aula, Klassenzimmern, einem Probenraum für die Stadtkapelle und eine Turnhalle sowie einen Kindergarten errichten.
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Die Idee des Turnvereins: Statt einer Halle könnte eine Doppelhalle entstehen, geteilt durch eine mobile Trennwand. In dieser sogenannten Bewegungshalle wären dann die feststehenden Turngeräte mit Schnitzelgrube, der modulare Bewegungsparcours sowie Zusatzoptionen wie Trampolin, Kletterwand, Fitness- und Akrobatikbereich eingerichtet. Das Geräteangebot würde sich bewusst auch an alle benachbarten Schulen sowie die Jugendherberge richten.
Der Turnverein würde damit aber auch endlich den eigenen Bedarf befriedigen können. Der TV hat vor einigen Jahren die hauptamtlich geleitete Kindersportschule (KISS) ins Leben gerufen, um die motorischen Grundlagen von Kindern zwischen 3 und 10 Jahren zu schulen. „Wöchentlich werden da 140 Kinder bewegt“, erklärt Zweiter Vorsitzender Michael Ernst. Mit der KISS entstand auch eine Kooperation mit der Jahnschule (Ganztagsbetreuung) sowie verschiedenen anderen Trägern. Der TV kann sich gut vorstellen, dass der geplante neue Kindergarten an der Jahnschule von dem Angebot partizipiert.
Natürlich gibt es im Verein mit den Gymnastik- und Erwachsenen-Gruppen auch andere Gruppen, die von einer Bewegungshalle profitieren würden. Auf der anderen Seite würden in der Dreifachturnhalle Kapazitäten frei.
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Der Verein geht nicht mit leeren Händen auf die Stadt zu. Der 152 Jahre alte Tölzer Traditionsverein unter der Leitung von Jane Clarke bietet der Stadt eine finanzielle Beteiligung aus Eigenmitteln an.
Und wie ist der Stand der Dinge? Michael Ernst berichtet von einem „kurzen, guten und wohlwollenden Gespräch“, das die TV-Spitze mit der Rathausspitze geführt habe.
Bürgermeister Josef Janker hält auf Nachfrage die Bewegungshalle grundsätzlich für eine „tolle Idee“. Es gebe aber doch einige Punkte, die man überprüfen müsse. Etwa, ob die Halle in den bestehenden Lageplan mit Kindergarten, neuem Schulbau und Probenraum für die Stadtkapelle räumlich überhaupt hineinpasse. Janker spricht vom Pausenhof- und Freiflächenbedarf der Schule und des nunmehr viergruppig geplanten Kindergartens sowie von den nötigen Erweiterungsflächen für die Schule. Das habe Vorrang. Nicht geklärt sei auch, ob der durch die neue Halle entstehende Stellplatzbedarf noch gedeckt werden könne.
Der Bürgermeister verweist in dem Zusammenhang auch darauf, dass der ursprünglich vom Turnverein einmal angedachte Turnschlauch deutlich kleiner gewesen wäre. Der Turnschlauch sei, so Janker, leichter zu verwirklichen.
Christoph Schnitzer