Flüchtlingskrise

„Für unsere Jugendlichen“ - fast 90 Menschen demonstrieren gegen Unterkunft in Turnhalle

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Demo in Farchet: Am Freitagnachmittag zogen einige Menschen durch den Wolfratshauser Stadtteil. Was sie mit ihrem Protest bezwecken wollten, stand auf einem Transparent: „Unsere Kinder brauchen ihre Sporthalle zurück.“
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Ein Sportverein will seine Turnhalle zurück: Der BCF Wolfratshausen demonstriert gegen die Flüchtlingsunterkunft, die seit eineinhalb Jahren besteht.

Wolfratshausen – Um 16.45 Uhr steht Dr. Manfred Fleischer vor dem Kofferraum seines Autos und trägt seine grüne BCF-Jacke. Er steht dort mit vier Mitstreitern. Sie tragen auch Jacken, aber ins Auge stechen sie wegen der orangefarbenen „Ordner“-Westen. Vor dem Grill-Pilz, in dem bei Heimspieltagen Getränke für die Fans verkauft werden, besprechen die fünf, wie die Demo ablaufen soll, die gleich beginnt. Helmut Forster, Ex-Bürgermeister und Chef der Fußballabteilung des BCF Wolfratshausen, sagt, dass alle Kommentatoren im Internet „auf unserer Seite sind“. Der BCF Wolfratshausen fordert seine Turnhalle zurück. Dort sind im Moment Flüchtlinge untergebracht. Für bis zu 110 Menschen ist in der Farcheter Mehrzweckhalle Platz. Um eine andere Lösung zu finden, schrieb Fleischer offene Briefe, führte Gespräche und organisierte die Demo, die am Freitag durch Wolfratshausen zieht.

„Für unsere Jugendlichen“ - fast 90 Menschen demonstrieren gegen Unterkunft in Turnhalle

Um 17 Uhr ist die Klappe seines Kofferraums lange geschlossen und zu den fünf BCF-Mitgliedern haben sich nach Angaben der Polizei 80 andere Menschen gesellt. Man trifft auf dem Parkplatz im Stadion Anwohner und Vereinsfunktionäre, Sportlereltern und Lokalpolitiker der Wolfratshauser Liste, zu der auch Fleischer gehört. Denen ruft der BCF-Boss entgegen, was ihn und den Verein so stört: Im Frühjahr 2022 wurde die Mehrzweckhalle im Ortsteil „sozusagen beschlagnahmt“, um darin Flüchtlinge unterzubringen. Seitdem muss der Ballclub Farchet schon auf die Sportstätte am Loisach-Isar-Kanal verzichten. „Im Winter brauchen alle unsere sieben Abteilungen diese Halle“, sagt Fleischer in seine goldene Flüstertüte. Für den Verein eine kaum zu bewältigende Situation. Einige Mitglieder hätten den Ballclub mangels Trainingsangebot schon verlassen. „Wir wollen für unsere Jugendlichen die Halle zurückhaben.“ Schließlich sei der Verein darauf angewiesen, „dass wir Sport ausüben können“.

Sprachrohr des Protests: Dr. Manfred Fleischer

Wegen Flüchtlingsunterkunft: BCF Wolfratshausen muss seit eineinhalb Jahren auf seine Turnhalle verzichten

Es gebe Landkreise, in denen weder Turnhallen noch Veranstaltungsräume mit Flüchtlingen belegt seien. In Bad Tölz-Wolfratshausen könne Fleischer „den nötigen Elan in keiner Weise erkennen“, den es brauche, um das auch hier zu schaffen. Dabei habe die Stadt Landrat Josef Niedermaier einige Grundstücke angeboten, auf denen Container aufgestellt werden könnten. Die könnten als Erstaufnahmeeinrichtung oder als Unterkunft für die Asylbewerber dienen. „Die Mehrzweckhalle ist aber weit weg von Tölz“, sagt Fleischer in sein Sprachrohr – und spielt auf die Herkunft des Landrats an. Niedermaier war vor der Wahl zum Landrat Bürgermeister der Kurstadt. Fleischer hatte ihm in der Vergangenheit immer wieder vorgeworfen, den Südlandkreis zu übervorteilen.

Demo in Wolfratshausen: „Alles tun, um Turnhalle zurück zu bekommen“

Was Fleischer besonders wurmt: Nach dem heftigen Hagelunwetter, das große Teile des südlichen Landkreises verwüstete, sicherte das Innenministerium dem Kreis zu, dass vorerst keine neuen Asylbewerber zugewiesen werden – es sei also Zeit gewesen, die Halle, laut Fleischer eine „Ankunftsdrehscheibe“, zu „räumen“. Dass das nicht passiert ist – für den BCF-Chef unverständlich. „Wir als Vertreter des Ballclubs stehen in der Verantwortung, dass wir alles tun, um unsere Turnhalle wieder zurück zu bekommen“, meint Fleischer.

Nach seiner Ansprache setzen sich die Teilnehmer in Bewegung. Hinter einem Transparent – „Unsere Kinder brauchen ihre Sporthalle zurück“ steht darauf – gehen sie ruhig und ohne Zwischenfälle durch den Stadtteil Farchet. An der Turnhalle kommen sie nicht vorbei.

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