VonChristina Jachert-Maierschließen
Die Turnhalle des Tegernseer Gymnasiums dient seit Dezember 2022 als Flüchtlingsunterkunft. Das wird auf unbestimmte Zeit so bleiben. Heißt: Der Sportunterricht findet nur eingeschränkt statt und erfordert einen ungeheuren Aufwand. Dass jede Perspektive fehlt, sorgt für Frust bei Schule und Eltern.
Tegernsee – „Bei allem Verständnis beginnt unsere Geduld allmählich dünner zu werden“, sagt Werner Oberholzner, Direktor des Gymnasiums Tegernsee. Vor Kurzem erst hat er im Rahmen einer Schulleitersitzung bei Landrat Olaf von Löwis nachgehakt, ob nicht bald ein Ende des Notstands in Sicht sei. Die Antwort: leider nein.
Wie berichtet, hat der Landkreis im Dezember 2022 mangels anderer Quartiere seine Gymnasiums-Turnhalle zur Unterkunft für Geflüchtete umgerüstet. Oberholzner macht den Verantwortlichen im Landratsamt deshalb keine Vorwürfe. „Irgendwo müssen die Leute ja hin.“
Perspektivlosigkeit sorgt für Frust
Damals im Dezember sei die Schule allerdings davon ausgegangen, dass die Halle nur kurz als Übergangslösung herhalten muss. „Wir dachten nicht, dass das so lange an uns hängen bleibt“, meint Oberholzner. Doch der Landrat habe ihm keinerlei Hoffnung gemacht, die Halle in diesem Schuljahr noch nutzen zu können, berichtet der Schulleiter. Diese Perspektivlosigkeit setze der Schule und auch den Eltern sehr zu: „Wenn man gar keine Aussicht hat, dass sich der Zustand wieder ändert, ist es psychisch schwer, es noch okay zu finden.“
Mit dem Bus zu Hallen in Nachbargemeinden
Denn: Was den Sportunterricht angeht, ist die Situation im Gymnasium ausgesprochen schwierig. Als Ausweichquartiere dienen die Schulturnhallen in Rottach-Egern und Gmund, der Transport erfolgt mit dem Bus, teils auch mit dem Zug. „Von 90 Minuten Sportunterricht bleiben durch den Transfer vielleicht 35 bis 40 Minuten, wenn man Glück hat“, sagt Oberholzner.
Als fußläufig erreichbare Sportstätten werden auch die Halle der Grundschule und Räume des Fitnessstudios Medius genutzt. „Aber die sind halt eigentlich zu klein“, meint der Schulleiter. Bei gutem Wetter findet auch an der Point Sportunterricht statt. Die Planung der einzelnen Unterrichtsstunden erfordere „eine Wahnsinnslogistik“, weiß Oberholzner, Zumal sich die Gruppen abwechseln, damit alle mal in den Genuss einer geeigneten Sportstätte kommen. Gefragt ist auch der Blick aufs Wetter: Kann man noch nach draußen oder muss der Bus kommen? „Es ist ein unglaublicher Zirkus“, seufzt Oberholzner.
Elternbeirat: „Die Situation ist total unbefriedigend“
Der Elternbeirat habe bereits Ende 2022 alternative Lösungen zur Unterbringung der Geflüchteten gefordert, berichtet der Vorsitzende Florian Ertle. Leider habe dies nicht gefruchtet. Die seit nun fast einem Jahr andauernde Situation sei „total unbefriedigend“, meint auch Beiratsmitglied Manuel Rose. Zumal schon zuvor durch die Corona-Pandemie lange Zeit kein Sportunterricht stattgefunden habe. „Der Mangel an Bewegung ist für unsere Schüler momentan immer noch Alltag und verstärkt die ohnehin vorhandene Bewegungskrise bei Kindern und Jugendlichen“, stellt der Elternbeirat fest.
Landkreis durch Zuweisungen schwer unter Druck
Am Verständnis für die Klagen von Schule und Eltern fehlt es im Landratsamt nicht. Doch wegen der „weiterhin ungebremsten Zuweisung“ von Geflüchteten könne der Landkreis bedauerlicherweise keine zeitnahe Nutzung für den Sportunterricht in Aussicht stellen, erklärt Landratsamt-Sprecherin Sophie Stadler. Alle zwei Wochen kämen mindestens 50 Personen an. Aktuell sind im Landkreis Miesbach 1950 Flüchtlinge untergebracht. Zum Vergleich: 2015/16 waren es maximal 750.
Trotz aller Anstrengungen der Unterkunftsverwaltung sei es „kaum stemmbar“, die Tegernseer Halle frei zu bekommen, meint Stadler. Dies gelte auch für die beiden ebenfalls mit Flüchtlingen belegten Landkreis-Turnhallen in Miesbach.
Mit Sanierungsbedarf ist zu rechnen
Klar ist auch: Wenn die Geflüchteten irgendwann doch ausziehen, müssen sich Schule und Sportler noch einmal gedulden. Nachdem die Halle über viele Monate hinweg von rund 200 Geflüchteten bewohnt werde, so Stadler, „muss mit Sanierungsmaßnahmen gerechnet werden, bevor die Halle wieder ihrer originären Nutzung zugeführt werden kann“.
