- VonGabriele Winterschließen
Mieter der Münchner Wohnen in einer Anlage im Hasenbergl sind empört. Sie sollen 5000 Euro wegen Heizkosten nachzahlen.
München – Sabine (53) ist fast aus allen Wolken gefallen, als sie die Heizkostennachzahlung ihrer krebskranken Schwägerin gesehen hat: Über 5000 Euro soll die Schaustellerin aus dem Hasenbergl nachzahlen! „Und das, obwohl meine Schwägerin vier Monate im Jahr gar nicht in der Wohnung ist – die arbeitet auf der Wiesn oder auf anderen Volksfesten und heizt dann auch nicht“, berichtet Sabine. Sie sitzt mit ihren Nachbarinnen Bianca, Bettina und Gabi in der Familienwohnung von Bianca. Alle vier sind Mieterinnen der Münchner Wohnen in der Fortner- oder Wintersteinstraße und alle haben mit irren Heizkostennachzahlungen zu kämpfen.
Irre Heizkostenabrechnungen in München: Mieter sind verzweifelt
Verantwortlich für die hohen Gaspreise dort ist nicht nur der Ukraine-Krieg, sondern sind auch die Münchner Stadtwerke, die mit ihren Gaseinkäufen zu sehr ungünstigen Zeiten und Konditionen die Kunden übermäßig belastet haben (tz berichtete). „Wir wohnen seit 37 Jahren hier und mussten zum ersten Mal vor zwei Jahren nachzahlen: 3800 Euro“, sagt Gabi (64).
Sie arbeitet im Kindergarten, ihr Mann ist Rentner. „Seit hier renoviert und gedämmt wurde, ist es merkwürdigerweise noch schlimmer.“ In Biancas Wohnung ist es mollig warm, obwohl der Heizkörper gar nicht aufgedreht ist. „Die Zeichen verdichten sich, dass über drei Viertel der Wärme im Block verpufft, ehe sie bei den Heizungen der Leute ankommt“, meint Christian Schwarzenberger von den Linken, die sich gegen den Gas-Hammer wehren wollen.
Die Heizkosten werden immer unkalkulierbarer
Allerdings verpuffen die Heizkosten nicht. Sie werden einzelnen Parteien berechnet, die angesichts der hohen Nachzahlungen schier verzweifeln, zumal sie ihr Heizverhalten nicht geändert haben oder das Heizen sogar reduziert haben. „Ich habe meine Nachzahlung mit der meiner Nachbarin unter mir verglichen: Wir haben fast gleich viel Verbrauch, aber unterschiedliche Kosten“, berichtet Bettina (47) und Bewohnerin Bianca zeigt uns ihr nicht isoliertes Heizungsrohr im Bad, das immer heiß ist. „Den Mietern dafür die Kosten aufzubürden, ist ein Skandal! Ich erwarte, dass die Münchner Wohnen nicht nur die 15 Prozent der Heizkosten der letzten beiden Jahre übernimmt, sondern drei Viertel der Heizkosten“, so Schwarzenberger.
Die Wärme verpufft vermutlich in alten Rohren
Der Anspruch auf eine Minderung von 15 Prozent ist möglich, weil die Münchner Wohnen es versäumte, Zähler in die Wohnungen einzubauen, die die Trennung der Kosten für Warmwasserbereitung und Heizung aufweisen. Stattdessen wurden die Kosten per Formel kalkuliert, was laut Heizungsgesetz seit 2014 nicht mehr zulässig ist. Betroffene Mieter können daher 15 Prozent zurückverlangen. Die Linke und der Mieterverein hatten gefordert, dass die Münchner Wohnen automatisch die Beträge an die Mieter zurückzahlt.
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Mieter haben das Recht auf Rückerstattung
Schwarzenberger hatte dafür zusammen mit den Frauen Unterschriften von 71 Mietern gesammelt, die gleichzeitig die Daten für die Rücküberweisung enthielten. Bei der Münchner Wohnen heißt es dazu: „Grundsätzlich haben Mieter das Recht, ihren Anteil an Heizkosten um 15 Prozent zu kürzen.“ Voraussetzung sei aber, dass die Mietpartei ihr Kürzungsrecht durch eine so genannte rechtsgeschäftliche Erklärung geltend machen. „Wäre eine pauschale Rückzahlung an alle betroffenen Mieter durch die Landeshauptstadt gewünscht gewesen, hätte es einer Gesellschafterweisung an uns bedurft. Der Stadtrat hat sich aber gegen eine pauschale Erstattung entschieden.“

