VonMagnus Reitingerschließen
Verkehrsgutachter Harald Kurzak bezieht erneut Stellung in Sachen „Umfahrung Weilheim“. Diesmal nimmt er vor allem die Variante einer „kurzen Westumgehung“ in den Blick –und rät davon ab: Sie wäre „zu umwegig“, die Entlastung geringer als bei der stadtnahen Ostumgehung.
Weilheim – Vor knapp vier Wochen schaltete sich Kurzak (78), der 2017 für das Staatliche Bauamt die „Verkehrsuntersuchung Entlastung Weilheim“ erstellt hat, in die Umfahrungs-Debatte ein –und warb für eine stadtnahe Ostumgehung mit Tunnel-Abschnitten (wir berichteten). Nun hat der Gutachter seine Stellungnahme aufgrund von Bürgerfragen bei den „Info-Märkten“ in der Stadthalle ergänzt. In dem neuerlichen Schreiben an Weilheims Bürgermeister Markus Loth (BfW) verweist er auf „verkehrliche Nachteile“ einer kurzen Westumgehung gegenüber einer stadtnahen Ostumgehung.
„Westumgehung kurz“ bräuchte Anschluss ins Paradeis
Die rund 6,5 Kilometer lange „Westumgehung kurz“ würde im Trifthof über die Ammer führen; nach dem Anschluss Tankenrainer Straße ginge es nördlich der Kläranlage wieder über die Ammer, per Tunnel unter dem „Neidhart-Einkaufspark“ hindurch, beim Dietlhofer See wäre die Einmündung in die bestehende B 2. Für Kurzak ist klar: Die kurze Umgehung bräuchte in jedem Fall einen „Anschluss ins Gewerbegebiet Paradeis“ – per Kreisel am Leprosenweg. Diese Anbindung würden ihm zufolge täglich 4500 Autos nutzen, die Belastung der Umfahrung würde entsprechend steigen.
Kurzak: Kurze Ostumgehung würde stärkste Entlastung bringen
„Aber trotz der zusätzlichen Anbindung bringt die Westumgehung nicht die optimale Entlastung für Weilheim“, schreibt Kurzak, „weil sie aufgrund ihrer Länge doch recht umwegig ist“. Der Durchgangsverkehr der B 2, von Murnau kommend, würde bei dieser Variante „zu 70 Prozent auf der Ortsdurchfahrt durch Weilheim“ bleiben –wohingegen per stadtnahe Ostumgehung laut Kurzak „der gesamte Nord-Süd-Durchgangsverkehr aus Weilheim herausgenommen“ würde: „Deshalb ermöglicht die kurze Ostumgehung auch die stärkste Entlastung am Rathausplatz mit -23 Prozent, bei der kurzen Westumgehung sind es nur -14 Prozent.“
Die meisten Lkws kommen aus der Nähe Weilheims
Der Gutachter nimmt in dem Brief auch Stellung zum Schwerverkehr in Weilheim. Auf der B 2 habe man 590 Lkws pro Werktag (Summe beider Fahrtrichtungen) ermittelt, dazu 310 von und nach Peißenberg. 80 Prozent dieser Lkw-Fahrten hätten Herkunft oder Ziel (oder beides) in einem Radius von etwa 15 Kilometern um Weilheim herum; nur 20 Prozent durchfahren diesen „Nahbereich“. Deshalb sei der Durchgangs-Schwerverkehr nicht auf die Autobahn A 95 zu verlagern.
Liegt die Entlastung bei 12 oder 20 Prozent?
Schließlich nennt Kurzak die Einschätzung „falsch“, dass es in Weilheim keine spürbare Entlastung durch eine Umgehung gäbe. Zwar mache der Durchgangsverkehr nur zwölf Prozent der Kfz-Fahrten in Weilheim aus –weil dabei die gesamte Stadt durchfahren werde, sei der Anteil an der „Gesamtfahrleistung im Stadtgebiet“ aber 20 Prozent. Und diese konzentrierten sich „auf die wenigen Durchgangsstraßen“.
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