Mehrere Aktionen geplant

Umfahrung Weilheim: So rüsten sich die Bürgerinitiativen für die Bürgerbefragung

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Deutlich sichtbare Meinungsbekundungen von Umfahrungsgegnern und -befürwortern: Links im Hardt, rechts in der Oberen Stadt.
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Fünf Bürgerinitiativen gibt es in Weilheim zum Thema „Umgehungsstraße“. So verschieden sie sind: Dass die Stadt gleich nach den Sommerferien die lange angekündigte Bürgerbefragung zur Umfahrung starten will, bewegt sie alle. Trotz Urlaubszeit wird so manche Aktion geplant.

Weilheim – Zwei kämpfen für eine Umgehungsstraße, zwei wollen sie gänzlich verhindern, eine will sie keinesfalls im Osten der Stadt: Das Spektrum der Bürgerinitiativen (BI), die sich in Weilheim mit dem Thema „Umfahrung“ beschäftigen, ist breit. Unterschiedlich sind nicht nur deren inhaltliche Ansichten, Unterschiede gibt es auch, was die Wahrnehmbarkeit der Bündnisse betrifft.

Eine BI plant gar keine Aktionen

Während die drei umfahrungskritischen Initiativen häufig auf sich aufmerksam machten und in den vergangenen Jahren auch mehrere große Demonstrationen organisierten, gab es seitens der „Bürgerinitiative für Weilheims Zukunft“ kaum öffentliche Aktionen. Die 2018 gegründete Gruppierung, die sich klar für eine Westumfahrung ausspricht (und auch entsprechende Banner und Aufkleber auflegte), existiert jedoch nach wie vor, versichert Stefan Helmenstein, einer der Initiatoren. Die anfangs eingerichtete Website ist nicht mehr erreichbar, doch bei Facebook werden immer wieder Beiträge veröffentlicht, verfolgt laut eigener Zählung von derzeit 197 Followern. Zur anstehenden Bürgerbefragung der Stadt Weilheim plant diese BI indes keine Aktionen – „weil wir die Bürgerbefragung in derzeitiger Form für richtig erachten“, wie Helmenstein auf Tagblatt-Anfrage erklärt.

Einsatz für „sachliche Informationen“

Die Anfang 2019 gegründete BI „Entlastung Jetzt“ – bekannt für ihre gelben Banner, die eine „Entlastungsstraße“ fordern – verstärkt hingegen ihre Aktivitäten. Die weitere Vorgehensweise könne „aufgrund der Urlaubszeit“ zwar erst Ende August oder Anfang September bei einer Zusammenkunft abgestimmt werden, so Sprecher Andreas Schalk, doch unter anderem über die Homepage www.entlastung-jetzt.de wolle man demnächst „Entscheidungshilfen anbieten“. „Angesicht der emotional überlagerten Debatte um eine Entlastungsstraße, der zunehmenden Polarisierung und der immer wieder kursierenden Halbwahrheiten“ sei es der Initiative – die auch eine Verkehrslärmkartierung im Weilheimer Stadtgebiet angestoßen hat – ein Anliegen, „sachliche und faktenbasierte Informationen zu einer Umfahrungsstraße zu vermitteln“, schreibt Schalk. Man positioniere sich nicht hinsichtlich einer bestimmten Trasse, wolle den Bürgern aber „Entscheidungshilfen für das Votum bei der Bürgerbefragung zur Hand geben“.

Zusätzlicher Fernverkehr durch B2-Ausbau befürchtet

„Für den Erhalt der Natur, gegen eine Umfahrung Weilheim“ kämpft die BI „Heimat 2030“, die älteste der fünf Initiativen. Weil eine sinnvolle Entscheidung bei der Bürgerbefragung „ohne korrekte und ausgewogene Informationen unmöglich“ sei, erweitere man derzeit laufend die Website www.heimat2030.de, sagt Sprecherin Karin Knöthig: „Wir zeigen dort auf, dass eine Umfahrung die Innenstadt kaum entlasten kann, jedoch einen großen Verlust an Natur und Naherholungsgebieten bedeutet. Der geplante autobahnähnliche Ausbau der B2 von München bis Garmisch (und nach Österreich), mit der Weilheimer Umfahrung als einem Teilstück, würde unsere Region durch zusätzlichen Fernverkehr belasten.“ Nach Ansicht der BI kommt die Stadt ihrer Informationspflicht hier nicht ausreichend nach. Kritisiert wird auch, dass „ohne jede Not ein Befragungszeitraum direkt nach den Sommerferien“ gewählt wurde. Bezüglich Aktionen im Vorfeld spreche man sich gerade mit den Bündnispartnern ab, so Knöthig.

Mahnwache an den Osttrassen geplant

Zu diesen gehört unter anderem die „Bürgerinitiative Marnbach-Deutenhausen gegen jede Weilheimer Ostumfahrung“, die dieser Tage große neue Banner im Osten aufstellen will, die vor „Brenner 2.0 – Autobahnbau durch die Hintertür“ warnen. Laut Josef Niedermaier, einem der Sprecher, ist für September auch eine Mahnwache an den Osttrassen geplant. Mit Fackeln wolle man dabei deutlich machen, dass es um Gögerl, Hardt und Dietlhofer See mit einer Umfahrung „lichterloh brennen“ würde. Über Aktionen wird auch bei Facebook unter „Keine Weilheimer Ostumfahrung“ informiert. Zudem beteiligt sich die BI an einem „Aktionsbündnis gegen den B2-Ausbau in und um Weilheim“, das diese Woche von zahlreichen Verbänden, Parteien und Initiativen gegründet wurde (eigener Bericht folgt).

Größere Aktionen auf breiter Ebene

Bei Letzterem ist auch die „Schutzgemeinschaft Gögerl und Weilheimer Osten“ aktiv, verrät Sissi Windele, eine der Sprecherinnen, auf Tagblatt-Anfrage. Es sei wichtig, „sich ganz breit zusammenzuschließen und breit zu informieren“, und es werde auf dieser Ebene gewiss „größere Aktionen“ zur Bürgerbefragung geben – die aber erst noch zu besprechen seien. Wenngleich die von ihr vertretene Initiative auf den Osten ausgerichtet sei, wende man sich „gegen jede Umfahrung“, betont Windele.

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Bekanntlich kritisieren einige Aktive, die geplante Form der Bürgerbefragung könnte Bürger verleiten, bei Frage 1 nur deshalb für eine Umfahrung zu stimmen, um dann bei der Variantenfrage für das aus ihrer Sicht „geringere Übel“ abstimmen zu dürfen. An solchen Überlegungen will sich Windele nicht beteiligen: Sie hoffe, dass bei der Frage, ob grundsätzlich eine Umgehungsstraße gebaut werden solle, „möglichst viele ,Nein’ ankreuzen – und nicht spekulieren“.

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