VonThomas Steinhardtschließen
Nach ewigen Debatten schien in Sachen S4-Ausbau tatsächlich etwas voranzugehen. Ein neues Positionspapier weckt daran bei vielen Beobachtern aber große Zweifel. Teils herrscht sogar Entsetzen.
Die Infrastruktur der S-Bahn ist insgesamt überlastet und stark sanierungsbedürftig: Das dieser Tage veröffentlichte Papier des MVV beziehungsweise der Landräte und Bürgermeister hat allein schon wegen dieser grundsätzlichen Aussagen für Aufsehen gesorgt. Jetzt werfen allerdings auch Details in dem Papier Fragen auf – beziehungsweise sorgen teils sogar für großen Frust.
Scharfe Kritik an der Entwicklung
Denn der seit Jahren diskutierte und immer wieder versprochene Ausbau der S4 scheint in weite Ferne zu rücken. „Umsetzungshorizont 2040“ heißt es in Anlage 1 zu dem Bau weiterer zweier Gleise - für Beoachter wirkt das wie ein Schlag ins Gesicht. Politisch brisant dabei: Landrat Thomas Karmasin ist Mitgesellschafter beim MVV, sein Name steht (neben dem vieler anderer Landräten) in der Liste der Verfasser des Papiers.
Martin Runge (Grüne) verurteilt die Entwicklung scharf. „Hat da unser Landrat einen schlimmen Aussetzer gehabt oder war er auf der Sitzung beim Absegnen des Papiers, wiewohl dort als Mitverfasser benannt, gar nicht mit dabei?“, fragt er. Weitere Verzögerungen seien besonders vor dem Hintergrund des milliardenschweren so genannten Sondervermögens für Infrastruktur schlicht nicht hinnehmbar. Runge fordert die örtliche CSU zu klaren Ansagen gegenüber der Staatsregierung auf. Er spricht von massivem Versagen und jetzt sogar von gewaltigen Rückschritten.
Mit Unverständnis reagiert auch Jan Halbauer, Verkehrsreferent im Kreistag: „2040 plus – das darf kein ernst gemeinter Zeithorizont sein.“ Die Fahrgäste der S4 im Landkreis seien seit Jahren leidgeprüft und brauchten zeitnah spürbare Verbesserungen. Halbauer: „Das gelingt nur, wenn der seit Jahrzehnten zugesagte Streckenausbau jetzt konsequent geplant, finanziert und gebaut wird.“
Mirko Pötzsch von der Bürgerinitiative Ausbau S4, der sich Jahren für Verbesserungen einsetzt, zeigt sich ebenfalls enttäuscht: „Natürlich ist das ein Positionspapier und keine wirkliche Entscheidung der Bayerischen Landesregierung, trotzdem sieht eine klare Unterstützung für einen S4-Ausbau anders aus.“
Das sagt der Landrat
Mirko Pötzsch: „Als Bürger㈠initiative sind wir enttäuscht, um es freundlich auszudrücken, von der Haltung und vom Handeln des Fürstenfeldbrucker Landrates.“
Landrat Thomas Karmasin freilich tritt dem entschieden entgegen. Die Landräte und Bürgermeister hätten in dem Papier diverse Verbesserungen gefordert – und zwar unabhägnig von Ausbaumaßnahmen. Gleichzeitig würden sofortige Weiterplanungen und schnellstmögliche Realisierungen angemahnt. Voraussetzung für den Ausbau der S4 sei unter anderem die Ertüchtigung des Westkopfes Pasing. Für eine mehrjährige Verzögerungen in der Ausbau-Planung sorge die Debatte um die künftigen Gleisbelegungen (S-Bahn innen oder außen).
Trotzdem solle der S4-Ausbau nicht erst ab 2040 vorangetrieben werden, sondern solle möglichst bis zum Jahr 2040 schon umgesetzt sein. Landrat Thomas Karmasin: „Es werden also keine Verzögerungen ,akzeptiert`, sondern es gilt nach wie vor die Devise ,so schnell wie technisch möglich`“. Auch der CSU-Landtagsabgeordnete Benjamin Miskowitsch kündigt an, völlig unabhängig von dem Papier weiter für einen schnellstmöglichen Ausbau zu kämpfen.
Ein Sprecher des MVV betont die Zuständigkeiten. Der Ausbau beziehungsweise die Verantwortung dafür lägen inzwischen beim Bund und hingen von der Einführung des Deutschlandtaktes ab. „Natürlich wünschen wir eine schnellere Realisierung.“ Ein Sprecher der S-Bahn verweist in diesem Zusammenhang auf die vom Freistaat in Auftrag gegebene Vorplanung zum S4-Ausbau. Diese werde voraussichtlich Ende 2028 abgeschlossen sein.
