VonGabi Wernerschließen
Rund 100 Geflüchtete aus der Ukraine leben in Bad Wiessee. Aus zwei großen Unterkünften mussten die Bewohner kürzlich ausziehen. Zur Erleichterung aller hat sich ein Ersatzobjekt aufgetan.
Bad Wiessee – Freier Wohnraum ist auch in Bad Wiessee so gut wie nicht vorhanden. Bei der Unterbringung ihrer Ukraine-Flüchtlinge hangelt sich die Gemeinde daher von einer Übergangslösung zur nächsten. Ende Juni hatten die Unterkünfte im ehemaligen Hotel Seegarten und im Abwinkler Hof endgültig aufgelöst werden müssen, weil dort die Eigentümer mit den lange angekündigten Umbauarbeiten begonnen haben. Und auch für die Bewohner im ehemaligen Josefheim tickt die Uhr: Gegen Ende September wolle die Gemeinde das Objekt frei machen, berichtet Karen Lange, Flüchtlingsbetreuerin im Wiesseer Rathaus. Bekanntlich soll auf dem Areal ein Hospiz entstehen. Händeringend suchte die Gemeinde daher nach neuen Unterbringungsmöglichkeiten. Und wurde fündig.
Strüngmann-Firma stellt Gebäude in der Ortsmitte als Flüchtlingsunterkunft bereit
Seit Kurzem bietet der ehemalige Bayerische Hof an der Münchner Straße Geflüchteten ein Dach über dem Kopf. „Es ist richtig, wir haben einen Mietvertrag mit der Gemeinde geschlossen“, bestätigt Eric Heppt von der Athos KG. Die Firma der Familie Strüngmann hatte das seit Langem leer stehende Gebäude in der Ortsmitte 2022 erworben, um dort langfristig Wohnungen für die Mitarbeiter seines künftigen Seegut-Hotels zu schaffen. Bis es soweit ist, stellt Athos die Immobilie übergangsweise und für eine symbolische Miete der Gemeinde zur Verfügung. „Die Eigentümerfamilie hat sofort eingewilligt“, berichtet Heppt. Das System, dass Objekte von Investoren bis zum eigentlichen Baustart als Flüchtlings-Unterkünfte bereit gestellt werden, findet in Bad Wiessee somit seine Fortsetzung.
Abwinkler Hof: Ukrainische Bewohner durften länger bleiben als geplant
Insbesondere im Fall des Abwinkler Hofs zeigt sich Lange dankbar dafür, dass die ukrainischen Bewohner viel länger bleiben durften, als ursprünglich geplant. „Die Vereinbarung wurde immer wieder verlängert“, erzählt Lange. Sogar als die Bauarbeiter bereits anrückten, um erste Maßnahmen zu ergreifen, hätten die Geflüchteten weiterhin dort wohnen dürfen. „Es wurde quasi um die Bewohner herum gearbeitet“, erläutert Lange. Die Eigentümer – auch des Objekts Seegarten – seien sehr entgegenkommend gewesen.
14 Zimmer stehen im ehemaligen Bayerischen Hof zur Verfügung
Dass sich jetzt erneut ein Investor bereit erklärt hat, sein Objekt zur Verfügung zu stellen, sei ein Glücksfall, sagt Bürgermeister Robert Kühn (SPD). Der Gemeinde verschafft das etwas Luft. 14 Zimmer im zweiten Obergeschoss des einstigen Bayerischen Hofs, wo lange Zeit der Gastronom Kurt Geiß seinen Wienerwald betrieb, sind hier verfügbar. Im ersten Stock gibt es laut Lange zudem Toiletten, eine Gemeinschaftsküche und einen Aufenthaltsraum. Mittlerweile wohnen in dem Gebäude bereits 19 Ukrainer – einige weitere können dort noch unterkommen.
Bad Wiessee will die Geflüchteten „nicht hängen lassen“
Lange ist froh über diesen Puffer. Immerhin müssen bald noch die Bewohner des Josefheims mit Wohnraum versorgt werden, hinzu kämen jene Geflüchteten, die immer wieder aus privaten Wohnungen ausziehen müssen. Umso größer ist die Freude darüber, dass der Gemeinde neben dem Bayerischen Hof kürzlich noch ein anderes Haus zum Zwecke der Flüchtlingsunterbringung angeboten worden sei. „Wenn das passt, nehmen wir das auch noch“, sagt Lange. Sie betont ebenso wie der Bürgermeister: Man habe die Menschen hier aufgenommen und wolle sie nun auch nicht hängen lassen.
Gemeinde hat viel investiert, um Bayerische Hof wieder bewohnbar zu machen
Wie Heppt mitteilt, könne der Bayerische Hof mindestens ein Jahr lang von der Gemeinde genutzt werden – „eher aber zwei“. Um das viele Jahre großteils brach liegende Gebäude wieder bewohnbar zu machen, habe die Gemeinde einiges investieren müssen, berichtet Lange. Wegen des Brandschutzes musste außen beispielsweise eine Fluchttreppe angebracht werden. Außerdem wurden neue Heizungen installiert. Kühn spricht von einem „hohen fünfstelligen Betrag“, den die Kommune in die Immobilie hineingesteckt habe. Für die Ausstattung der Zimmer wurde vorhandenes Mobiliar, etwa aus dem Abwinkler Hof, in die neue Unterkunft umgezogen. Lange ist froh, dass sie nun wieder Wohnraum zur Verfügung hat. Denn immer wieder hätten Geflüchtete Bedarf und würden bei ihr anklopfen: „Das Karussell“, sagt Lange, „dreht sich ständig“.
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