Über den Preis ist nichts bekannt

Unternehmen kauft altes Tölzer Krankenhaus

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Neue Eigentümer: Das Unternehmen CIPP, geleitet von Eva-Marie und Arnold Torhorst, hat das ehemalige städtische Krankenhaus erworben. Der älteste Teil des Gebäudekomplexes wurde 1861 errichtet und ist denkmalgeschützt.
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Historischer Schritt für ein historisches Gebäude: Der bisheriger Pächter hat das alte städtische Krankenhaus von Bad Tölz erworben.

Bad Tölz – Es ist ein historisches Gebäude, für das am Montag ein historischer Schritt bekannt gegeben wurde: Mit Wirkung zum 22. Juli hat die Stadt Bad Tölz das alte städtische Krankenhaus an die von Eva-Marie und Arnold Torhorst geführte Gesellschaft CIPP (Centrum für Integrative Psychotherapie und Psychiatrie) veräußert.

Der Verkauf ging pünktlich zu einem Jubiläum vonstatten: Vor 25 Jahren verpachtete die Stadt das Gebäude an Torhorsts damalige gemeinnützige GmbH. Aus der früheren Klinik an der Krankenhausstraße wurde das „Rehazentrum Isarwinkel“.

Heute beherbergt der Gebäudekomplex fünf von insgesamt 18 Versorgungseinrichtungen von Torhorsts ReAL-Verbund, die sich auf diverse Häuser im ganzen Tölzer Stadtgebiet sowie einen Standort in München verteilen.

Wie Eva-Marie Torhorst, die sich seit 2017 die Geschäftsführung mit ihrem Vater teilt, am Montag in einem Pressegespräch erläuterte, versorgt ReAL täglich 500 Menschen. Aktuell beschäftige das Unternehmen 279 Mitarbeiter – „mit steigender Tendenz“.

So breit gefächert die Angebote von ReAL sind: Ihr gemeinsamer Nenner ist, dass sie Menschen mit psychischen Erkrankungen und/oder sozialen Schwierigkeiten zurück ins Leben helfen. Dazu gehören ambulante und stationäre Maßnahmen der medizinischen, sozialen und beruflichen Rehabilitation. Im alten städtischen Krankenhaus reicht die Palette von einer therapeutischen Jugendwohngruppe bis zum Wohnbereich „Haus Sonnenschein“ für ältere Menschen.

Eigentümerwechsel schafft „klare Verhältnisse“

Aus Sicht von Stadtkämmerer Hermann Forster bedeutet der jetzige Verkauf „klare Verhältnisse“. Die zuvor herrschende Aufteilung barg Reibungspotenzial. Alle anstehenden Umbauarbeiten – Torhorst: „Wir haben zweimal generalsaniert“ – bezahlte nämlich der Pächter selbst. Die Stadt Bad Tölz sicherte die Investitionen durch Bürgschaften ab. Forster erinnerte daran, dass es in der Entwicklung des Unternehmens „ein Auf und Ab“ gegeben habe. Zur Erinnerung: 2015 musste Torhorst nach Beanstandungen der Heimaufsicht und verhängten Aufnahmestopps die Pflegeheime im Heilbrunner „Alpenhof“ und im Rehazentrum Isarwinkel schließen. Bei wirtschaftlichen Schieflagen „standen auch wir im Risiko“, so Forster.

Auf der anderen Seite sei es nun auch „für das Unternehmen von Vorteil, wenn es investieren kann, ohne vorher die Stadt zu fragen“. Eva-Marie Torhorst hob hervor: „Wir haben bislang auf fremdem Grund gebaut.“ Der jetzige Kauf gebe dem Unternehmen Freiheit und Sicherheit für die weiteren Planungen und sei auch als „Bekenntnis zum Standort Bad Tölz“ zu verstehen.

Pläne gibt es tatsächlich in größerem Umfang: Wie berichtet wurde kürzlich im Tölzer Bauausschuss ein Vorbescheidsantrag für einen drei- bis viergeschossigen Neubau am Hang besprochen. Darin, so Torhorst, solle „Wohnraum für unsere Klientel“ entstehen. Denn psychisch Kranke täten sich auf dem freien Mietmarkt nun einmal besonders schwer. In einem eigenen Gebäude soll zudem eine Kinderbetreuung in zwei Gruppen à acht Kinder unterkommen. „Damit wollen wir ein zeitgemäßes Angebot für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schaffen, denn wir haben viele weibliche Mitarbeiterinnen, darunter viele Führungskräfte“, sagte Eva-Marie Torhorst. Das Lokal „Kesselhaus“ als beliebter Treffpunkt bleibt in jedem Fall erhalten.

Vertragsklausel legt Nutzung auf 20 Jahre fest

Zuletzt hatte der Bauausschuss noch zwei große Hürden für die Pläne gesehen. Beim Thema Stellplätze „sind wir dabei, das zu klären“, so Torhorst. Und der Rettungsweg zur Südschule, der durch die Pläne beeinträchtigt worden wäre, sei mittlerweile verlegt. Wann gebaut werden soll, dazu machten die Torhorsts noch keine Angaben.

Auch über den Kaufpreis schweigen sich die Beteiligten aus. Eva-Marie Torhorst stellte jedoch klar, dass es in dem Gebäudekomplex, desen ältester Teil 1861 errichtet wurde und denkmalgeschützt ist, „keinen Sanierungsstau“ gebe.

Ganz frei schalten und walten darf das Unternehmen mit der Immobilie übrigens doch nicht. Eine Vertragsklausel schreibt auf 20 Jahre die Nutzung „zur Erfüllung von Aufgaben eines Sozialgesetzbuches“ vor. Andernfalls muss der neue Eigentümer die Differenz aus einem eventuell gesteigerten Bodenwert nachzahlen.

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