Nahversorgung

Verbrauchermarkt: Hat Bernbeuren mit Schnitzer-Areal aufs falsche Pferd gesetzt?

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Den „Standort Schnitzer“ favorisierte die Gemeinde jahrelang für einen Verbrauchermarkt. Die Realisierung gestaltet sich allerdings sehr schwierig.
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Bernbeurens Rathauschef Martin Hinterbrandner steht seit seiner Abstimmungsniederlage bei der Aufstellungsversammlung der UWG vor zwei Wochen weiter in der Kritik. Vor allem im Zusammenhang mit der fehlenden Nahversorgung im Ort werden ihm Versäumnisse vorgeworfen.

Bernbeuren – Der WLB-Bürgermeisterkandidat Karl Schleich hatte das Thema jüngst bei der Aufstellungsversammlung seiner Gruppierung „Lebendiges Bernbeuren“ aufs Tableau gehoben. Er meinte, dass der Ort längst den ersehnten Verbrauchermarkt haben könnte, wenn man auch andere Standorte als den Schnitzerstadel verfolgt hätte.

Die Bernbeurenerin Dagmar Bernhard kann das nur bestätigen: Sie hätte ihr Grundstück an der Füssener Straße gerne für einen Verbrauchermarkt zur Verfügung gestellt. Die Kaufbeurener Konzeptbau GmbH sah es als geeignet an und hatte ihr ein entsprechendes Angebot gemacht. „Es war eine große Chance für die Gemeinde“, sagt ein beteiligter Projektentwickler noch heute.

Verwandtschaftsverhältnis wird hinter vorgehaltener Hand moniert 

Bekanntlich hatte sich die Gemeinde aber auf den Schnitzerstadel für einen Supermarkt festgelegt. Richard Lerchenmüller stand als Investor, die Firma Feneberg als Betreiber in den Startlöchern. Auf eine Realisierung des Vorhabens wartet Bernbeuren allerdings seit Jahren, weil der Stadel unter Denkmalschutz gestellt wurde. Für einen faden Beigeschmack sorgt bei einigen Bürgern obendrein, dass, wie hinter vorgehaltener Hand moniert wird, der Investor der Onkel von Hinterbrandners Ehefrau ist. Der Rathauschef kommentiert das so: „Der Investor ist austauschbar, wenn das Konzept stimmt.“

Unternehmen wollte sich in Bernbeuren niederlassen

An einem groben Konzept wurde eine Zeit lang auch ein paar 100 Meter weiter gefeilt: Vor fünf Jahren war Dagmar Bernhards Mann gestorben. Die Bankangestellte musste die beiden Häuser und das 3000 Quadratmeter große Grundstück an der Füssener Straße seitdem allein unterhalten. Im Oktober 2016 erhielt sie dann Post von dem Bauträger: „In der Regel erwerben wir ein geeignetes Gelände, beplanen dieses und erstellen dort nach Genehmigung durch die zuständigen Behörden Handelsflächen“, schrieb die Konzeptbau GmbH, die „mit allen namhaften Lebensmittelfirmen und dem begleitenden Fachhandel“ zusammen arbeite. „Eines dieser Unternehmen möchte sich in Bernbeuren niederlassen“, hieß es damals.

Vorbehalte des Bürgermeisters

Martin Hinterbrandner gibt zu, dass er Vorbehalte gegen das Vorhaben hatte. Unter anderem vermisste er „konkrete Projektvorschläge“ und äußerte Bedenken wegen der benachbarten Feuerwehrausfahrt. Obendrein machten dem Rathauschef die Ausmaße des Vorhabens Kopfzerbrechen. Laut Hinterbrandner ging es um 1200 Quadratmeter Verkaufsfläche. Das Grundstück von Dagmar Bernhard hätte dafür nicht ausgereicht, meint er, die Firma hätte weiteren Grund ankaufen müssen. Obendrein hegte Hinterbrandner Zweifel an dem wirtschaftlichen Betrieb eines so großen Supermarkts. „Wenn er abgeschrieben ist, haben wir dort dann möglicherweise ein leeres Gebäude“, gibt er zu bedenken.

Gemeinderat „nicht hundertprozentig informiert“

Im Gemeinderat wurde die Anfrage der Konzeptbau GmbH offenbar nicht sehr ausführlich diskutiert. „Wir sind nicht hundertprozentig informiert worden“, bestätigt ein Mitglied des Gremiums auf Anfrage. Hinterbrandner begründet das damit: „Ich hatte von der Firma nichts vorzuzeigen, womit ich mich im Gemeinderat nicht lächerlich gemacht hätte.“ Generell sei über den Standort an der Füssener Straße aber sehr wohl diskutiert worden, macht er klar.

Rückendeckung vom Bauträger

Rückendeckung bekommt Hinterbrandner von Konzeptbau-Geschäftsführer Hans Schneider: „Es wäre völlig falsch, dem Bürgermeister den schwarzen Peter zuzuschieben“, betont er und verweist auf den Gemeinderatsbeschluss zum Schnitzerstadel. Laut Schneider hatte sich seine Firma daraufhin zurückgezogen, die Pläne seien auch noch nicht so weit gediehen gewesen.

Jetzt Wohnungen statt Supermarkt

Wie auch immer: Der Zug an der Füssener Straße ist mittlerweile abgefahren. Dagmar Bernhard hat das Grundstück verkauft, weil sie nicht länger warten konnte. Die Häuser werden jetzt für eine Wohnnutzung umgebaut.

Zukunft von Schnitzerstadel bleibt ungewiss

Die Bernbeurer warten derweil weiter sehnlich auf einen Supermarkt im Ortszentrum. Wie berichtet, war zuletzt ein Um- und Erweiterungsbau des denkmalgeschützten Schnitzerstadels im Gespräch, in den dann die Firma Feneberg einziehen könnte. Hinterbrandner hält das nach wie vor für möglich. Der Kaufbeurener Bauträger hegt aber Zweifel. Konzeptbau arbeitet auch mit Feneberg zusammen. Und von dort will der Geschäftsführer erfahren, haben dass es mit dem Schnitzerstadel wohl nichts mehr wird.

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