VonClaudia Schurischließen
Michael Baumann nimmt am Verdi-Warnstreik teil. Der Münchner Tram-Fahrer kämpft für bessere Arbeitsbedingungen – und auch für die Fahrgäste, sagt er.
München – Michael Baumann ist einer der Ersten. Mitten in der Nacht, pünktlich um 3.30 Uhr, steht er am heutigen Montag, 2. Februar 2026, in Fröttmaning an der Technischen Basis der U-Bahn. Dort ist einer der sechs Streikposten in München, an denen sich Tram-, U-Bahn und Busfahrer der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) treffen. Denn die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten im Nahverkehr zum Streik aufgerufen.
Verdi-Streik: Diese Bahnen und Busse sind in München betroffen
Für Michael Baumann war sofort klar: „Selbstverständlich bin ich dabei. Auch, wenn ich eigentlich lieber fahren würde als zu streiken.“ Der 42-Jährige ist seit sechseinhalb Jahren Tram-Fahrer bei der MVG. Er streikt zum einen für mehr Gehalt. 668,75 Euro zusätzlich fordert die Gewerkschaft. „Die Summe ist kein Zufallswert, sondern eine Angleichung an die Löhne in Baden-Württemberg“, erklärt Baumann.
Diese Linien sind betroffen – und diese nicht
U- und Trambahnen sowie Busse bis zur Liniennummer 199 sind am heutigen Montag, 2. Februar 2026, vom Verdi-Warnstreik betroffen. Er dauert bis Dienstag, 3.30 Uhr. Beim Bus ist laut MVG ein stark eingeschränkter Betrieb möglich, weil private Busunternehmen, die für die MVG fahren, nicht bestreikt werden. Es sei aber von unregelmäßigen Fahrten auszugehen. Die U-Bahn bleibe komplett außer Betrieb, bei der Tram hänge das Angebot von der Personalverfügbarkeit ab. Die MVG empfiehlt, am heutigen 2. Februar „auf andere Verkehrsmittel auszuweichen, Fahrgemeinschaften zu bilden oder Homeoffice einzuplanen“. Auch Fundbüro und Kundencenter könnten bestreikt werden.
Wichtig: S-Bahn, Regionalzüge und MVV-Regionalbusse sind vom Streik nicht betroffen.
Alle Infos gibt‘s unter „Aktuelle Störungen“ auf mvg.de oder unter „Störungen“ in der App MVGO. Die aktuelle Verbindungsabfrage zeige hier mit farbiger Uhrzeit an, welche Züge und Busse auch im Streikfall fahren: Grün bedeutet „pünktlich“, Rot „verspätet „und Schwarz „kein Fahrzeug im Einsatz“.
Zum anderen geht es ihm aber auch um bessere Arbeitsbedingungen. „Der Verkehr wird immer mehr, die Arbeit ist anstrengend“, sagt er. Die Gewerkschaft will eine Reduzierung der Arbeitszeit auf wöchentlich 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich und eine verpflichtende Ruhezeit von mindestens elf Stunden zwischen zwei Schichten. Forderungen, die Baumann, der ebenfalls im Schichtbetrieb arbeitet, voll unterstützt. „Da geht es auch um Sicherheit, wir wollen unsere Arbeit gut machen“, betont er.
Streik in München: „Ich denke, dass viele dafür Verständnis haben“
Als Lehrfahrer ist Baumann auch für die Einarbeitung neuer Kollegen zuständig. Und er sieht, wie viele von ihnen nach kurzer Zeit wieder gehen. Sein Eindruck: „Nach einem Jahr ist nur noch die Hälfte da“, berichtet er. „Viele hören zum Beispiel wieder auf, weil sie Familie und Arbeit nicht unter einem Hut bringen.“ Deshalb betont Baumann: „Ich streike auch für bessere Bedingungen für die Fahrgäste.“ Denn: „Züge fallen aus, weil es zu wenig Fahrer gibt, und auch die Werkstätten sind unterbesetzt“, berichtet er. Sein Wunsch deshalb: „Die Arbeitsbedingungen müssen so sein, dass die Leute bleiben.“
Für ihn selbst war Aufhören nie eine Option. „Mein Beruf macht mich glücklich“, betont er. Der Obermenzinger lebt damit seinen Kindheitstraum. „Ich erlebe, wie die Stadt am Morgen aufwacht und am Abend wieder schlafen geht“, erzählt er. „Und ich sehe, wie sich die Stadt im Laufe der Zeit verändert.“
Und gerade, weil er seinen Beruf so gerne mag, steht Michael Baumann am heutigen 2. Februar am Streikposten. „Ich kann nur hoffen, dass wir mit den Arbeitgebern schnell zu einer guten Lösung kommen“, sagt er. „Mir tut es auch Leid für die Fahrgäste. Aber ich denke, dass viele für den Streik Verständnis haben.“
Rubriklistenbild: © Michaela Stache


