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Gleich zwei Mal bezichtigte eine Eurasburgerin (32) verschiedene Männer der Vergewaltigung. Die Anschuldigungen waren aber erfunden.
Bad Tölz-Wolfratshausen – In einem Fall gab die Frau an, in Lenggries sexuell genötigt worden zu sein. Weil diese und andere Anschuldigungen frei erfunden waren, wurde die Frau nun vom Amtsgericht Wolfratshausen zu einem halben Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Eine Geretsriederin (20), die in einem Fall kräftig an der Lügengeschichte mitgestrickt hatte, muss zwei Wochen Dauerarrest verbüßen und 40 Stunden soziale Dienste ableisten.
Alles begann mit einer Gerichtsverhandlung im Februar vorigen Jahres: Die 32-Jährige musste sich wegen Körperverletzung vor dem Amtsrichter verantworten. Sie hatte einen Wolfratshauser (25) geohrfeigt und die Geretsriederin in den Haaren gezogen.
In der Verhandlung kam heraus: Die zwei Frauen hatten sich kurz vor Weihnachten 2017 mit einem weiteren jungen Mann und dem Wolfratshauser in dessen Wohnung verabredet. Im Laufe des Abends, bei dem auch Alkohol konsumiert wurde, war der Wolfratshauser mit der Geretsriederin „ins Bett gestiegen“, wie der 25-Jährige als Zeuge „in Kurzform“ erklärte. Kurz darauf sei die 32-Jährige dazugekommen. „Dann ist es eskaliert. Sie war entsetzt, fragte, was das solle und schlug zu. In der Küche hatten sich dann die Mädels in den Haaren.“
In ihrer Verhandlung im Februar 2018 tischten die Frauen dem Gericht eine andere Version auf. Ihre Freundin sei stark betrunken gewesen und habe sich hingelegt, um zu schlafen, sagte die Angeklagte. Der Mann sei ihr gefolgt, habe sie ausgezogen und ohne ihr Einverständnis den Geschlechtsverkehr vollzogen. Die 20-Jährige sei „dagelegen wie ein toter Fisch und hat mich hilfesuchend angeschaut“. Die Geretsriederin hatte die Story durch ihre Zeugenaussage bekräftigt und war trotz massiver Zweifel der Staatsanwältin hartnäckig dabei geblieben. Nun nahmen die Frauen nebeneinander auf der Anklagebank Platz und gaben zu, damals gelogen zu haben. Sie habe „selbst etwas von dem jungen Mann gewollt“, räumte die 32-Jährige ein, in einem „Eifersuchtsanfall“ zugeschlagen zu haben, als sie die zwei im Schlafzimmer erwischte. Die Geretsriederin erklärte, sie habe, um ihrer Freundin zu helfen, fürs Gericht die Vergewaltigungsgeschichte erfunden. Die Angeklagte habe sie übernommen und mit viel Fantasie angereichert.
Der Alkohol war schuld
Am 23. November 2018 rief die 32-Jährige erneut die Polizei auf den Plan. Gegen 3.24 Uhr rief sie von der Isarbrücke in Lenggries die Polizei an und meldete eine sexuelle Nötigung. Eine Woche später nahm sie die Anschuldigungen zurück. In der Zwischenzeit hatte die Kripo bereits gegen zwei vermeintlich beteiligte Männer ermittelt.
Vor Gericht machte die Angeklagte einen alkoholbedingten Blackout dafür verantwortlich, dass sie sich heute nicht mehr so genau an den Vorfall erinnere. Richter Wäckerlin verurteilte die Eurasburgerin wegen falscher Verdächtigung in zwei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten mit Bewährung. Ihre junge Freundin ist „schuldig der falschen uneidlichen Aussage, in Tateinheit mit falscher Verdächtigung und versuchter Strafvereitelung“. Sie wurde vom Richter zu 40 Sozialstunden und zwei Wochen Dauerarrest verurteilt.
„Sie haben schwerwiegende Verbrechen in den Raum gestellt, die Leben zerstören können“, hielt Wäckerlin den Angeklagten vor. „Aber sie schaden nicht nur Männern, gegen die zu Unrecht ermittelt wird. Sie schaden allen Frauen, die tatsächlich Opfer von sexueller Gewalt wurden, und deren Fälle unter Umständen nicht so verfolgt werden, wie es geboten wäre.“
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