Förderverein Juwel

Versteigerung im Kloster läuft schleppend: Nicht nur das Prunkstück findet keinen Liebhaber

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Kein Interesse: Auch dieser charmant präsentierte Männer-Akt fand bei der Juwel-Versteigerung keinen Liebhaber.

Es war sogar ein Oldtimer im Angebot. Doch die Versteigerung des Benediktbeurer Klosterfördervereins Juwel bleibt ohne die erhoffte Resonanz.

Benediktbeuern Im vorigen Jahr war die Versteigerung von Antiquitäten und anderen Gegenständen, die Mitglieder des Klosterfördervereins Juwel zur Verfügung gestellt hatten, ein voller Erfolg. Dieser scheint sich am Sonntag zu wiederholen: Trotz des prachtvollen Wetters ist der Barocksaal des Klosters komplett gefüllt. Vier Seiten umfasst die Liste der rund 130 Gegenstände, die zur Versteigerung anstehen. Interessierte hatten sie am Freitag und Samstag bereits in Augenschein nehmen können.

Darunter befinden sich Möbel wie ein Tölzer Bauernschrank oder ein Jugendstilschrank, Sessel, Ölgemälde, Zinnkrüge, Geschirr, Vasen oder Briefmarkensammlungen. Besonderes Aufsehen im Vorfeld erregt das unbestrittene Prunkstück der Versteigerung: ein Oldtimer MG TD aus dem Jahr 1953. Schwarz glänzend prangt er im Innenhof des Klosters, umlagert von Neugierigen. Als Mindestgebot sind 30 000 Euro angesetzt. Doch davor sind 43 andere Gegenstände in der Liste aufgeführt.

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Schleppend läuft die Versteigerung an. Heike Schwingenstein, die als ehemalige Gerichtsvollzieherin reichlich Erfahrung mit Versteigerungen hat, gibt sich alle Mühe, Interesse zu wecken. Doch erst das zehnte Objekt findet einen Käufer: Das Bild „Dörfliche Szene mit Windmühle am Meer“ wechselt den Besitzer für 400 Euro. „Damit ist die Versteigerung offiziell eröffnet“, meint Schwingenstein. Doch auch weiterhin bleibt vieles ohne Gebot. Einiges geht gerade eben so zum Mindestpreis weg, sogar der wunderschöne Tölzer Bauernschrank. Und kaum kommt es vor, dass mehrere Interessenten beim Steigern den Preis in die Höhe treiben.

Dann steigt die Spannung: Der Oldtimer wäre an der Reihe. Doch Schwingenstein ruft zum Erstaunen aller eine Bodenvase für 30 Euro auf – ohne Gebot. Unbeirrt arbeitet sie die Liste ab und erklärt: „Der Oldtimer kommt dann nach der Pause.“

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In dieser ist die stellvertretende Vereinsvorsitzende Doris Brettschneider ein wenig ratlos: „Ob die Leute wirklich alle auf das Auto warten? Letztes Jahr lief es deutlich besser.“ Und Heike Schwingenstein, deren Ehemann Florian den Oldtimer zur Ersteigerung anbietet, erklärt: „Wir dachten, das Auto könnte das Zugpferd werden, aber nun scheint es die restliche Versteigerung zu blockieren.“

Nach der Pause wird es spannend: „Ein Oldtimer MG TD für 30 000 Euro. Wer bietet mehr?“ Doch keiner bietet überhaupt. Und so geht es weiter wie zuvor: wenig Interesse, kaum Gebote. „Jetzt weiß ich, worauf Sie gewartet haben“, ruft Schwingenstein. „Jetzt kommt das Fahrrad von Klosterdirektor Bily!“ Doch auch dieses bleibt ohne Käufer.

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Am Abend zieht Doris Brettschneider eine erste Bilanz: „Die erzielten Einnahmen belaufen sich im Moment auf zirka 5000 Euro. Den genauen Betrag können wir erst nach den Abrechnungen bekannt geben, denn einige Einlieferer spenden nur 50 Prozent des Erlöses und müssen erst noch ausbezahlt werden.“ Nachdem die Versteigerung im vergangenen Jahr 10 000 Euro einbrachte, seien die Erwartungen nicht ganz erfüllt. Die Einnahmen waren diesmal zur Renovierung des Fußbodens im Barocksaal gedacht, „Da müssen wir noch etwas sparen, damit wir dieses Vorhaben verwirklichen können“, so Brettschneider. 

Sabine Näher

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